Cookies helfen uns bei der Weiterentwicklung und Bereitstellung der Webseite. Durch die Bestätigung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden.

Dienstag, 19.11.2019

1 Termin gefunden

ICS Export
16:30 Uhr Datum: 19.11.2019

Teilnahme der Landtagspräsidentin an der Verleihung des Demografiepreises 2019

Festsaal Palais am Fürstenwall, Hegelstraße 42, 39104 Magdeburg

Plenarsitzung

Transkript

 

Wir steigen nunmehr in das zweite Thema ein Deutscher Wald in Gefahr: Behandeln wir unseren Wald systemrelevant oder nicht?Antrag Fraktion CDU - Drs. 7/4387Es wurde folgende Reihenfolge vereinbart: CDU, DIE LINKE, SPD, AfD und GRÜNE. Zunächst hat die antragstellende CDU-Fraktion das Wort. Der Abg. Herr Schumann wird für die Antragstellerin sprechen. Sie haben das Wort, Herr Abgeordneter. Andreas Schumann (CDU): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Deutscher Wald in Gefahr: Vivian, Wiebke, Lothar, Kyrill, Xynthia, Niklas, Xavier, Herwart und vor allem Friederike, das sind nicht nur sehr schöne Namen, nein, sie sind uns allen auch als Orkane in Erinnerung geblieben. Der Sturm Friederike hat in Sachsen-Anhalt Schäden wie kein Sturm der letzten Jahrzehnte verursacht. Allein nach Friederike betrug die Schadholzmenge in den Wäldern mehr als zwei Millionen Festmeter. In dieser Summe sind die Schadholzmengen der Privatbesitzer noch nicht einmal berücksichtigt. Das Institut für Forstökonomie und Forsteinrichtungen der Technischen Universität Dresden beziffert die gesamte Schadholzmenge auf rund 3,5 Millionen Festmeter. Auf „Friederike“ folgte eine schleppende Beräumung der Wälder in einem extrem trockenen Sommer im letzten Jahr mit idealen Voraussetzungen für die Brutsaison der Schadinsekten. Diese Schäden können erst in der Vegetationssaison 2019 genauer beziffert werden. Monate nach dem Sturm sind große Teile der Schäden in unserem Wald nicht aufgearbeitet, geschweige denn das Holz verkauft worden. Selbst dann, wenn Verträge existieren, fließt das Holz nur schwer ab. Fahren Sie mit offenen Augen durch unseren Harz. Dort kann selbst jeder Laie die furchtbare Situation erkennen. In unserem Wald müssen rund 15 000 ha Kahlfläche wieder aufgeforstet werden - 15 000 ha! Einmal ein reiner Flächenvergleich: Der mittlerweile international bekannte Hamburger Forst, welcher sich aus drei Teilstücken zusammensetzt, von denen zwei unter Naturschutz stehen, soll im dritten Teilstück um etwa die Hälfte reduziert werden. Hier geht es um 100 ha. Das sind 150 mal weniger als die Fläche, die in unserem Bundesland zerstört worden ist. Sehr verehrte Damen und Herren, hier in Sachsen-Anhalt stehen 15 000 ha Wald nicht mehr als CO2-Senke und als Wasserspeicher zur Verfügung. Was bedeutet „CO2-Senke“ überhaupt? - Unser Wald die CO2-Senke Nr. 1, da er mehr CO2 aufnimmt als er abgibt. Je mehr CO2 in Form von Kohlstoff in der Biomasse dauerhaft gespeichert wird, desto weniger wird die Atmosphäre belastet. Plastisch dargestellt hat das Daniel Klein vom Wald-Zentrum der Universität Münster auf die Frage hin: Wie viele Bäume sind nötig, um 1 t CO2 zu binden? - Ich zitiere: Wie viel CO2 ein Baum bindet und wie schnell er das tut, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören die Baumart, das Alter des Baumes, dessen Holzdichte und Zuwachsrate. Aber auch äußere Faktoren wie das Klima, die Bodenqualität und die Wasserversorgung spielen eine Rolle. Deshalb sind allgemeingültige Aussagen auf diese Frage schwierig. Aber ein Beispiel: Eine normal im Bestand gewachsene Buche, 23 m hoch und auf einer Stammhöhe von 1,30 m mit einen Durchmesser von 30 cm, speichert ca. 550 kg Trockenmasse in seinen Blättern, Ästen und im Stamm. Schätzt man noch etwa 10 % hinzu, welche durch die Wurzelbiomasse gespeichert werden, kommt man auf etwa 600 kg Trockenmasse, die gebunden werden. Diese Menge Trockenmasse kann 1 t CO2 binden. Um 1 t CO2 aufnehmen zu können, muss diese Buche 80 Jahre lang wachsen. Das heißt, pro Jahr bindet sie 12,5 kg des Treibhausgases. Sie müssten also 80 Bäume pflanzen, um jährlich 1 t CO2 zu kompensieren. Bei einer Pflanzendichte von 1 000 Bäumen pro Hektar könnten auf unseren Flächen 15 Millionen Bäume angepflanzt werden. Damit könnte Sachsen-Anhalt schon jetzt für eine nachfolgende Generation ein Kompensationspotenzial von zusätzlich bis zu 187 500 t CO2 schaffen. Das wäre aktiver und nachhaltiger Klimaschutz, sehr geehrte Damen und Herren.(Zustimmung bei der CDU)Auch der auf den ersten Blick intakte Baumbestand weist durch den zunehmenden Druck durch Insekten wie Borkenkäfer und Pilze erhebliche Schäden auf. Diese Bäume müssen sachgerecht aus dem Bestand genommen, abtransportiert und wieder aufgeforstet werden. Dass es zu der jetzt desaströsen Situation kommt, war absehbar. Wir haben immer davor gewarnt. Die Waldbesitzer und die Forstleute arbeiten hart und am Rand ihrer Möglichkeiten, um die Wälder zu erhalten. Eine Strukturveränderung in den Forstbetreuungsämtern wäre in dieser Situation ein völlig falsches Signal. Es käme einer Abwertung der Bedeutung des Waldes und einer Demütigung der den Wald betreuenden Menschen gleich. Wir werden diesem Ansinnen nicht tatenlos zusehen können. Unsere Waldbauern und unsere Förster arbeiten gegen die bereits schon jetzt fliegenden Borkenkäfer, gegen einen zusammengebrochenen Holzmarkt und damit gegen sinkende finanzielle Mittel. Weiterhin muss zwingend noch immer Schadholz abtransportiert werden, denn sonst finden Schadkäfer immer wieder ideale Brutstätten vor. Wir haben deshalb klare Forderungen:Vorhandene Polter sollten unverzüglich und vorsorglich mit Insektiziden behandelt werden. Dazu sind die Möglichkeiten, die der dritte Arbeitsmarkt bietet, zu prüfen und zu nutzen. Ferner darf der Personalbestand im Forst nicht abgeschmolzen werden, was auch bedeutet, dass die Abordnungen aus dem LAU bis 2025 verlängert werden müssen. Unser Wald braucht Hilfe. Um die Wirtschaftskraft und die Funktion des Waldes als CO2-Senke wiederherzustellen, bedarf es einer sachlichen, einer ehrlichen und einer offenen Kommunikation zwischen Waldbauern, Förstern und der Politik. Richtlinien und Förderprogramme müssen den derzeitigen schlimmen Bedingungen angepasst werden. Realitätsferne Bedingungen können in diesem Fall nicht gestellt werden. Es muss aktiv und gemeinsam die Rettung unseres Waldes angegangen werden. Dies gilt sowohl für die inhaltlichen Regelungen als auch für die Mittelbereitstellung. Der Landesbeirat Holz hat in diesem Frühjahr über den Aktionsplan 2025 beraten und eine finanzielle Untersetzung vorgeschlagen. Dieser Aktionsplan 2025 ist sofort aufzulegen sowie realitäts- und zeitnah umzusetzen. Weiterhin müssen die Waldeigentümer von den Unterhaltungsverbandsbeiträgen entlastet werden. Über dieses Thema haben wir bereits während der letzten Haushaltsverhandlungen diskutiert und gebeten, dass das MULE die Gesetzesänderungen zur Nutzung des Wasserentnahmeentgeltes prüft. Es ist doch nicht hinzunehmen, dass Sie sich den Gesprächen bzw. den schriftlichen Anfragen des Waldbesitzerverbandes entziehen und selbst nicht einmal auf mehrmalige Nachfragen hin reagieren. Bewegen Sie sich doch einmal auf die Menschen zu. Gestalten Sie, werte Frau Ministerin, die Waldumbaurichtlinie so, dass sie wirtschaftlich vertretbar wird und wir bei diesem Thema einmal vorankommen. (Zustimmung bei der CDU)Sehr geehrte Damen und Herren! Unser Wald braucht Hilfe und er braucht sie jetzt. Ein intaktes Ökosystem Wald ist unter anderem erforderlich für die Biodiversität, die Reinhaltung der Luft und nicht zuletzt für die physische und psychische Gesundheit von uns Menschen. Deshalb fordern wir eine Aufstockung der Richtlinie Forstschäden von 500 000 € auf 5 Millionen € im kommenden Haushalt. Prüfen Sie die Bereitstellung und den Aufkauf von frischem Käferholz aus Privatwald. Unterstützen Sie die Waldbesitzer mit zinslosen Überbrückungskrediten, damit wir auch in diesem Bereich eine unkomplizierte und eine nach der Waldbau-Richtlinie gerechte Wiederaufforstung hinbekommen. (Zustimmung bei der CDU)Sehr geehrte Frau Ministerin! Vor Kurzem erreichte uns das umfangreiche Klima- und Energiekonzept. Nun sollen die Ressorts Vorschläge zum Klimaschutz erarbeiten. Für das MULE haben wir Ihnen den Vorschlag Nr. 1 soeben unterbreitet. Sie müssen verbindlich vorangehen. Mit der Wiederaufforstung können Sie es tun, ohne dabei Menschen zu gängeln, sie mit Verboten zu belegen und einzuschränken. Unser Wald braucht Hilfe. Wir erwarten, dass Sie die Waldbauern und die im Wald arbeitenden Menschen unterstützen. Frau Ministerin, in zwei Jahren sind Landtagswahlen. Mit ein wenig Glück werden Sie noch 730 oder 750 Tage im Amt sein. Nutzen Sie die Zeit. Stärken Sie endlich die CO2-Senke Nr. 1. Wir werden Sie an Ihren Taten und nicht an Ihren Worten messen. - Vielen Dank. (Beifall bei der CDU)