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Sonntag, 18.08.2019

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16:00 Uhr Datum: 18.08.2019

Verabschiedung von Herrn Prof. Heribert Beissel

Teilnahme an der Verabschiedung auf Einladung des Landesmusikrates in Vertretung durch Herrn Vizepräsident Wulf Gallert
Händel-Halle, Salzgrafenplatz 1, 06108 Halle


Plenarsitzung

Transkript

Marco Tullner (Minister für Bildung):

Herr Präsident! Ich spreche in Vertretung des Kollegen Willingmann, der heute leider nicht hier sein kann.

Gestatten Sie mir als hallescher Abgeordneter eine kleine Vorbemerkung: Herr Lange, ich freue mich sehr, dass dieses Thema auf die landespolitische Agenda kommt. Ich kann mich erinnern, dass wir seit dem Jahr 2011 auf verschiedenen Ebenen darum ringen. Das ist ein toller Antrag. Ich bin froh, dass ich heute hierzu Ausführungen machen darf.

Aber jetzt zum Thema zurück. Die Martin-Luther-Universität verfügt über eine umfangreiche und wertvolle wissenschaftliche Sammlung. Insofern freue ich mich, dass diese jetzt die Aufmerksamkeit des Landtages bekommt. Einerseits stellen die Sammlungen einer Universität die ganz normalen Arbeitsressourcen für Lehre und Forschung dar; nicht anders als Bücher und Laborgeräte. Andererseits sind Sammlungen Ressourcen ganz eigener Art. Sie sind nicht abstrakt, sondern anschaulich und erlauben besondere Formen der Wissensvermittlung.

Ein über die Fachwelt hinaus bekanntes Beispiel - Herr Kollege Lange ist schon darauf eingegangen - bilden die paläontologischen Funde aus dem Geiseltal. Dort wurden aus dem früheren Tagebau etwa 50 000 Fundstücke von Pflanzen und Tieren geborgen, die ca. 45 Millionen Jahre alt sind. Seit etwa einem Jahrhundert stehen diese Funde der Forschung zur Verfügung. Seitdem sind mehrere Hundert frühere Tier- und Pflanzenarten mit ihrer Hilfe bestimmt worden.

Im Unterschied zu anderen Fundorten aus diesem Erdzeitalter sind die Objekte aus dem Geiseltal dreidimensional erhalten und nicht zweidimensional verformt. Das ergibt eine in der Welt beispiellose Anschaulichkeit der fossilen Organismen.

Wissenschaftliche Sammlungen erfüllen zunächst ihre Funktion in Forschung und Lehre innerhalb der Universität. Es ist nicht ihr originärer Zweck, nach Art eines Museums öffentlich präsentiert zu werden. Dennoch kann genau dies bei besonders dafür geeigneten Sammlungen ein nahezu idealer Weg des Wissenstransfers zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sein.

(Zustimmung von Hendrik Lange, DIE LINKE)

Hierfür gibt es an verschiedenen Standorten in Deutschland gute Beispiele. Besonders die Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Martin-Luther-Universität besitzen hierfür in mehrerer Hinsicht ein hohes, bisher nicht ausgeschöpftes Potenzial.

Die Landesregierung hat sich zusammen mit der Universität und weiteren Partnern bereits in der Vergangenheit um den Entwurf eines Konzeptes für die Unterbringung und Präsentation der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Martin-Luther-Universität bemüht.

Die Grundzüge des Konzeptes sehen vor, dass die Naturwissenschaftlichen Sammlungen insgesamt in der Innenstadt in Halle bleiben. Für eine unter Konservierungsgesichtspunkten angemessene Aufbewahrung und für die Benutzung zu Forschungs- und Lehrzwecken werden zwei benachbarte Gebäude, die traditionell den Naturwissenschaften der Universität zur Verfügung standen, hergerichtet.

Ein drittes Gebäude, das ebenfalls nicht mehr für die Unterbringung von Instituten benötigt wird, soll der Präsentation ausgewählter Sammlungsstücke dienen. Diese Präsentation soll thematisch am Thema Evolution ausgerichtet werden. Sie soll die Entwicklung der Arten und die Artenvielfalt in ihrer Bedeutung für die Wissenschaft und für die Gesellschaft vermitteln.

Der Betrieb einer öffentlichen Sammlung gehört nicht zu den unmittelbaren gesetzlichen Aufgaben einer Universität. Er soll von der Kulturstiftung des Landes übernommen werden. Ein solches inhaltliches Profil würde sich von dem der bekannten naturkundlichen Museen in Deutschland deutlich unterscheiden und könnte einen bedeutenden Beitrag zum Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft leisten.

(Beifall bei der CDU)

Ich bitte Sie deshalb, den Alternativantrag der Koalitionsfraktionen zu unterstützen, der darauf hinausläuft, dass die Landesregierung zunächst in beiden betroffenen Landtagsausschüssen über die weiteren Pläne berichtet. - Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Moment, Herr Minister Tullner, Herr Lange hat sich zu Wort gemeldet. Herr Lange, Sie haben das Wort.


Hendrik Lange (DIE LINKE):

Nur eine kurze Nachfrage, Herr Tullner. Es kann sein, dass ich Sie jetzt falsch verstanden habe. Die Kulturstiftung soll nicht die gesamten Sammlungen betreiben, sondern nur die Präsentation, oder sollen alle Sammlungen in die Kulturstiftung überführt werden? Das wäre zumindest für die Wissenschaft irritierend.


Marco Tullner (Minister für Bildung):

Herr Lange, da ich in die konkreten Überlegungen des Wissenschaftsministeriums und der Universität nicht einbezogen bin, kann ich Ihnen die Frage nicht konkret beantworten. In meinem Manuskript steht der Satz: Der Betrieb einer öffentlichen Sammlung gehört nicht zu den unmittelbaren Aufgaben; er soll von der Kulturstiftung des Landes übernommen werden. - Ich schlage vor, Sie fragen im Ausschuss noch einmal den Kollegen Willingmann. Der kann Ihnen das sicher tiefgründig beantworten.