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Dienstag, 18.06.2019

3 Termine gefunden

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10:25 Uhr Datum: 18.06.2019

Landtagspräsidentin Brakebusch hält Grußwort zur Fachtagung des Netzwerkes gegen Kinderarmut Sachsen-Anhalt "Baustelle Kinderarmut - IdeenREICH gegen KinderARMUT"

39104 Magdeburg, Alter Markt 6, Rathaus Magdeburg

13:00 Uhr Datum: 18.06.2019

Empfang der Landessieger Jugend forscht

39104 Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude

18:00 Uhr Datum: 18.06.2019

Ökumenischer Jahresempfang der Kirchen in Sachsen-Anhalt 2019

Grußwort durch Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch
39104 Magdeburg, Domplatz, Remter und Kreuzgang des Domes zu Magdeburg

Plenarsitzung

Transkript

Tagesordnungspunkt 21

Beratung

Den Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Martin-Luther-Universität einen angemessenen Rahmen geben

Antrag Fraktion DIE LINKE - Drs. 7/3468

Alternativantrag Fraktion AfD - Drs. 7/3509

Alternativantrag Fraktionen CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drs. 7/3519



Einbringer für die Fraktion DIE LINKE ist der Abg. Herr Lange. Sie haben das Wort.


Hendrik Lange (DIE LINKE):

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sammlungen werden von Menschen seit Jahrhunderten angelegt. Sie bewahren Wissen und durch Forschungen an den Sammlungen kann neues Wissen generiert werden. Gut angelegte und wissenschaftlich begleitete Sammlungen sind daher ein bedeutendes Kulturgut, das es zu bewahren, zu pflegen und zu erweitern gilt.

(Beifall bei der LINKEN)

Ein solches Kleinod der Naturwissenschaften befindet sich in Halle und nennt sich ganz nüchtern: Zentralmagazin der Naturwissenschaftlichen Sammlungen oder kurz: ZNS. So nüchtern der Name auch ist, die Bedeutung der Sammlungen ist kaum hoch genug einzuschätzen. Sie sind europaweit einzigartig und in Teilen von weltweiter Bedeutung.

(Beifall bei der LINKEN)

Fünf Sammlungen genießen sogar besonderen staatlichen Schutz als national wertvolles Kulturerbe. Dazu gehören unter anderem die historischen Fotoglasplatten von Julius Kühn mit Abbildungen von Nutztieren, die weltweit einzigartige Geiseltalsammlung mit ihren Fossilien, von denen das Urpferd wohl am berühmtesten ist, oder auch die Sammlung von Max Schönwetter. Seine Sammlung umfasst über 19 000 Eier von mehr als 3 800 Tierarten.

Meine Damen und Herren! Die Sammlungen sind forschungsstark. Sie haben Projekte mit einem Volumen in Höhe von 1,7 Millionen € eingeworben. Es gibt internationale Wissenschaftler, die in diesen Projekten tätig sind.

Allein die Zoologische Sammlung umfasst zirka 2,5 Millionen Exemplare; darunter ausgestorbene Tierformen und faunistische Erst- bzw. Seltenheitsnachweise. Besonders die mehreren Tausend Typen machen die Sammlung außerordentlich bedeutend; denn Typen sind die Präparate, an denen die wissenschaftliche Erstbeschreibung vorgenommen wurde. Sie dienen daher dem Vergleich, wenn eine neue Art beschrieben werden soll.

Diese seit über 230 Jahren zusammengetragene Sammlung zieht jährlich viele Wissenschaftler aus aller Welt an. Aus eigener Erfahrung weiß ich, welche Freude es macht, mit diesen Exemplaren das Bestimmen von Tieren zu erlernen. Die Exemplare werden zu wissenschaftlichen Zwecken verliehen oder in Museen ausgestellt. Unter den Exemplaren befinden sich auch viele Tiere, die erstmals aus Brasilien nach Deutschland kamen, was nunmehr nach dem Großbrand im Brasilianischen Nationalmuseum im September umso bedeutender für das Wissenserbe der Welt ist.

Die Zoologischen Sammlungen locken viele Tausend Besucher im Jahr an. Wer einmal das dichte Gedränge zwischen den historischen Vitrinen zur „Langen Nacht der Wissenschaften“ erlebt hat, weiß, dass es einer dringenden Lösung zur Präsentation bedarf.

(Beifall bei der LINKEN)

Meine Damen und Herren! In der Ausstellung „Klimagewalten“ kann man sehen, wie Exponate aus der Geiseltalsammlung für die Öffentlichkeit zur Geltung kommen können. Vor ca. 45 Millionen Jahren lebten diese Tiere und Pflanzen im Eozän. Damals war es 10 Grad wärmer auf der Erde. Das Urpferd, welches im Geiseltal erstmals entdeckt wurde, habe ich schon genannt. Aber auch die Krokodilarten, von denen übrigens fünf landlebend waren, oder auch der Riesenlaufvogel als damals größtes landlebendes Wirbeltier zeigen die Besonderheiten der Lebewesen vor Urzeiten. Sie sind Zeugnisse der Evolution und tragen zum Verstehen der Natur von damals bei.

Meine Damen und Herren! Was passieren kann, wenn die Sammlungen in einem schlechten Zustand sind oder gar ein Katastrophenfall, wie der Großbrand in Brasilien, Sammlungen vernichtet, haben wir durch den Verlust des Welterbes in Brasilien auf erschreckende Weise vor Augen geführt bekommen. Es tut weh zu erfahren, dass Teile der Mineralogischen Sammlung nach dem Hochwasser von 2013 zu schimmeln anfangen.

Man kann sich ausmalen, was es bedeutet, wenn einzigartige Exemplare des Museums für Haustierkunde über das Jahr hinweg Temperaturschwankungen von 50 Grad ausgesetzt sind. Gleiches gilt für die Geiseltalsammlung, deren Einbettmedien entsprechend empfindlich sind. Man will sich einen Brand in den Zoologischen Sammlungen nicht vorstellen. Es wäre eine Katastrophe für das Wissen der Welt.

Meine Damen und Herren! Die Naturwissenschaftlichen Sammlungen brauchen eine würdige, sichere und gut betreute Unterbringung.

(Beifall bei der LINKEN)

Dafür gibt es seitens der Martin-Luther-Universität die weit gediehene Überlegung, ein Zentralmagazin am Domplatz und an der Mühlpforte zu errichten und die Sammlungen dort zentral zu magazinieren. Derzeit lagern rund 4,9 Millionen Objekte an verschiedenen Standorten zum Teil unter unhaltbaren Zuständen. Ein Zentralmagazin hätte nicht nur den Vorteil, dass Gastwissenschaftler und Studierende zentral betreut werden könnten, auch der Brandschutz, der Diebstalschutz, das Gebäudemanagement und die Klimakontrolle könnten effektiver organisiert werden.

Auf diesem Vorhaben liegt das Hauptaugenmerk der Universität, und darauf zielt auch unser Antrag ab. Die entsprechenden Gebäude müssen dringend saniert werden. Ich war schon einigermaßen entsetzt, dass trotz positiver Rückmeldungen der Ministerien im Frühjahr im aktuellen Haushaltsplan nicht einmal ein Leertitel für dieses Vorhaben eingestellt worden ist. Hier drängt die Zeit. Deswegen lassen Sie uns schnell handeln, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der LINKEN)

Die vielen Tausend Besucher der Sonderausstellungen und zu den Öffnungszeiten zeigen das ungebremste Interesse an den naturwissenschaftlichen Sammlungen. Projekte mit Schulklassen gemeinsam mit Partnern, wie dem Radio Corax, bringen das Wissen über die Natur schon Kindern und Jugendlichen bei.

In Zeiten, in denen sich Gespenster wie der Kreationismus breitmachen oder wissenschaftliche Fakten als Verschwörungstheorien fremder Mächte oder der Öko-Lobby verunglimpft werden, ist das ein nicht hoch genug schätzbares Engagement des Teams der Sammlungen. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken.

(Beifall bei der LINKEN)

Ermöglicht wird diese Arbeit durch eine Museumspädagogin. Diese Stelle ist allerdings nur befristet. Auch hierbei brauchen wir das Bekenntnis von Land und Universität, dass diese Form der Arbeit mit den Sammlungen dauerhaft verankert wird.

Dieser wertvolle Schatz in unserem Land verdient eine würdige, moderne Präsentation. Das ist eine Chance für Aufklärung und Bildung. Das ist aber auch eine Chance für den Tourismus in Halle und somit für den Tourismus im ganzen Land.

Die Idee, gegenüber dem Kunstmuseum Moritzburg am Friedemann-Bach-Platz in Halle ein Naturkundemuseum zu errichten, ist daher unglaublich reizvoll. Gemeinsam mit der Leopoldina würde sich ein einzigartiges Ensemble von Kunst, Kultur und Wissenschaft mit einer internationalen Ausstrahlung ergeben. Allerdings ist das große Naturkundemuseum nur ein Sahnehäubchen. Zuerst muss die Unterbringung der Sammlungen gesichert sein.

(Beifall bei der LINKEN)

Auch die kleine Form der Präsentation an der Mühlpforte wäre schon ein Fortschritt gegenüber dem derzeitigen Zustand. Das bedeutet jedoch nicht, dass man damit auf der Stelle treten soll. Vielmehr sollte man an der Realisierung des Naturkundemuseums festhalten. Unsere wertvollen Sammlungen haben genau eine solche würdige Ausstellung verdient, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der LINKEN)

Ich möchte am Ende meiner Rede noch kurz etwas zu den Alternativanträgen sagen. Meine Damen und Herren der Koalitionsfraktionen, Ihr Antrag legt nun überhaupt nichts mehr fest, außer dass es eine Berichterstattung geben soll. Das ist bedauerlich; denn ich hätte mir schon gewünscht, dass man sich dazu bekennt, dass hier tatsächlich baulich und finanziell etwas passieren muss. Unsere Fraktion war schon vorsichtig bei der Formulierung des Antrages wegen der Genese; denn es wurden schon Mittel in Aussicht gestellt. Aber Sie hinken dabei doch ein ganzes Stück hinterher.

Zum Alternativantrag der AfD-Fraktion möchte ich sagen: Ihre Position zum Museum für Haustierkunde kann man haben. Aber wie bei vielen Ihrer Positionen ist darüber die Zeit einfach mal hinweggegangen. Schon im Zentralmagazin der Naturwissenschaftlichen Sammlungen befindet sich die gesamte Sammlung des Museums für Haustierkunde. Gerade das Auseinanderreißen, das Sie befürchten, soll mit der zentralen Magazinierung nicht stattfinden. Deswegen kann ich mir nicht erklären, was dieser Antrag soll. Wir lehnen Ihren Alternativantrag ab. Bei der Abstimmung über den Alternativantrag der Koalitionsfraktionen werden wir uns der Stimme enthalten.

(Beifall bei der LINKEN)