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Sonntag, 18.11.2018

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11:00 Uhr Datum: 18.11.2018

Gedenkveranstaltung anlässlich des 100. Jahrestages des Endes des 1. Weltkrieges im Rahmen des Volkstrauertages

Teilnahme von Landtagspräsidentin Brakebusch
Landtag Sachsen-Anhalt, 
Plenarsaal, Domplatz 6–9, 39104 Magdeburg

13:00 Uhr Datum: 18.11.2018

Volkstrauertag 2018 – Kranzniederlegung auf dem Westfriedhof

Teilnahme durch Landtagspräsidentin Brakebusch  
Westfriedhof, Große Diesdorfer Str. 160, 39110 Magdeburg

Plenarsitzung

Transkript

Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Große Anfrage der LINKEN zu den Theatern und Orchestern in Sachsen-Anhalt umfasst mit allen Antworten der Regierung 311 Seiten, 311 Seiten Beschäftigungstherapie für Technokraten, 311 Seiten, die nichts, aber auch rein gar nichts dazu beitragen, die Krise der Bühnenkultur in unserem Land zu überwinden, 311 Seiten, die - Gott sei gedankt - nur als PDF herumgeschickt wurden, was mehreren Bäumen einen sinnlosen Tod erspart hat.

(Beifall bei der AfD)

Jetzt ist es raus. Endlich wissen wir, dass das Anhaltische Theater Dessau dreimal am Tag etwas auf seiner Facebook-Seite postet, jeden Tag einmal twittert, zwanzigmal pro Spielzeit etwas auf Youtube einstellt und ein- bis zweimal im Monat ein Bild auf Instagram hochlädt.

Was soll man dazu sagen? - Aus Ihrer Großen Anfrage sprechen ein kleiner Geist, ein beschränkter Horizont und eine klaffende geistige Leere. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die LINKEN von Kulturpolitik keinen blassen Schimmer haben - er wäre hiermit erbracht worden. Sie ergehen sich in nichtssagender Tabellenhuberei und glauben, das sei dann Kulturpolitik.

(Beifall bei der AfD)

Ich will gar nicht daran denken, wie viel Arbeitszeit auch und gerade an unseren Theatern vernichtet werden musste, um all das zusammenzutragen. Ein Zehntel des Umfangs, ein paar Fragen zu Kernindikatoren wie dem Kartenverkauf und der Programmentwicklung hätten vollkommen ausgereicht.

Um zu wissen, dass es schlecht um die Bühnenkunst bestellt ist, müssen wir keine Anfragen stellen, deren Beantwortung mehrere Hundert Seiten umfasst. Es hätte im Grunde auch völlig ausgereicht, ein halbes Stündchen im Internet die Heimseiten einiger Theater aufzurufen und dort das Programm anzuschauen.

Nehmen wir das Schauspiel Magdeburg: www.theater-magdeburg.de/spielplan/schauspiel. Von den zwölf Premieren, die dort angepriesen werden, ist „Die Ratten“ von Gerhart Hauptmann das einzige halbwegs kanonische deutsche Stück - eine sozialkritische Tragikomödie, die man sich gefallen lassen mag. Ansonsten gibt es nur Internationales oder aber ganz und gar Abseitiges und Bedeutungsloses.

Der Anteil kanonischer deutscher Stücke beträgt - um im Stil Ihrer Anfrage zu Ihnen zu sprechen - gerade einmal 8,33 %. Sicherlich soll in Deutschland auch Internationales auf die Bühne. Aber wenn der Anteil der klassischen deutschen Stücke bei gerade einmal 8,33 % liegt und alles andere 91,66 % einnimmt, dann läuft etwas schief.

(Zuruf von Detlef Gürth, CDU)

Kein Kleist, kein Lessing, kein Schiller, kein Goethe, kein Hofmannsthal, kein Brecht - nein, rein gar nichts davon, nichts, was irgendwie als typisch deutsch erkennbar wäre, ein fades Globalisierungseinerlei, ein Theater für internationale Vagabunden, aber kein Nationaltheater, kein Volkstheater, kein Theater für das Volk.

(Beifall bei der AfD)

Dann müssen Sie sich nicht über einbrechende Besucherzahlen wundern. Sie fördern Theater für eine vaterlandsvergessene linksliberale Pseudoelite.

(Doreen Hildebrandt, DIE LINKE, schüttelt den Kopf)

Und eben deshalb werden heute im Schauspiel Magdeburg nur noch halb so viele Karten verkauft wie vor fünf Jahren - Tendenz weiter sinkend.

(Beifall bei der AfD)

Sie können sich abmühen, wie Sie wollen. Sie können eruieren, wo und wie sich unsere Theatermarketingagenturen beschäftigen. Sie können danach fragen, ob nach allen Regeln dieser Kunst zielgruppengerecht gedrechselte Imagekampagnen durchgeführt werden. Wenn sich kulturpolitisch in diesem Land nichts Grundlegendes ändert, dann werden Sie damit den Verfall der Theaterkultur garantiert nicht aufhalten.

(Beifall bei der AfD)

Im Gegenteil: Sie beschleunigen ihn noch. Denn Ihre ganze Herangehensweise ist selbst Ausdruck der Krise des Theaters. Beispiel Halle. Auf Ihre Frage nach den Maßnahmen zur Publikumsgewinnung an der Oper Halle antwortet die Regierung sehr artig - ich zitiere  :

„Die Oper Halle verfolgt unter der künstlerischen Leitung von Florian Lutz […] sowohl eine inhaltliche als auch strukturelle Politik zur Gewinnung jungen Publikums in Halle. Die ästhetische und inhaltliche Ausrichtung des Spielplans […] strebt insbesondere auch eine kritische Auseinandersetzung mit der sozialen und ästhetischen Lebenswirklichkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 30 an, um so das Medium ,Oper‘ jenseits von tradierten Erwartungen erfahrbar zu machen.“

Ich gehe einmal davon aus, dass Sie so etwas gut finden. Die Wahrheit ist nur leider: Gerade Florian Lutz war es, der dafür gesorgt hat, dass die Besucherzahlen in Halle eingebrochen sind. Grund dafür war genau das, was hier als kritische Auseinandersetzung mit der sozialen Lebenswirklichkeit von Jugendlichen gepriesen wird - nämlich ein hart mit der Tradition brechender Stil, der geeignet ist, jedem Jugendlichen die Lust auf Oper und Theater gänzlich zu verderben.

Wenn wir junge Menschen für das Theater begeistern wollen, dann dürfen wir nicht mit tradierten Erwartungen brechen. Dann müssen wir dafür sorgen, dass sie in diese tradierten Erwartungen hineinwachsen. Dann müssen wir die Lust an der Tradition fördern und dafür sorgen, dass Jugendliche bereit sind, sich unsere große Tradition anzueignen.

Was wir also brauchen, was wir leisten müssten, um dem Verfall der Theaterkultur gegenzusteuern, wäre - ich habe das schon einmal gesagt - eine neue Sinnstiftung. Alle Maßnahmen dagegen, die Sie ins Auge fassen, bleiben äußerlich und gehen am Kern der Sache vorbei. Die Bürger werden erst dann wieder ins Theater gehen, wenn sie sich davon einen Sinn erhoffen, wenn sie Antworten auf die Sinnfragen erhalten, die sie umtreiben.

Das ist freilich das Gegenteil dessen, was die etablierte Politik und die zu ihr passende Kunst seit Jahrzehnten praktiziert - nämlich Dekonstruktion, Nihilismus und Selbstverachtung.

(Beifall bei der AfD)

Wir müssen uns wieder auf die eigentliche Aufgabe des Theaters besinnen, und diese Aufgabe ist die Begründung von kultureller Identität und also Nationalidentität. Wir brauchen dazu keine hippen Werbekampagnen und keine Erbsenzähleranfragen. Was wir brauchen, ist eine kulturpolitische Wende um 180 Grad.

(Beifall bei der AfD)

Lessing schreibt in „Briefe, die neueste Literatur betreffend“, dass wir ein Theater bräuchten, dass der deutschen Denkungsart angemessen sei. Wir sollten diesen Rat auch und gerade heute beherzigen und uns dessen bewusst sein, dass mit jedem Theaterstück, das in Deutschland auf die Bühne kommt, ein Stück deutscher Kultur konkret wird. Wir sollten diesen Umstand froh und selbstbewusst bejahen, und wir sollten diese Chance nutzen.

Wenn Sie jetzt sagen, den Theatern solche Vorgaben machen zu wollen, widerspreche doch der Kunstfreiheit, man müsse ihnen einfach nur Geld geben und sie dann in Freiheit machen lassen, dann erwidere ich Ihnen darauf, dass Sie ganz große Heuchler sind.

Zum einen ist das, was die AfD fordert, eine Selbstverständlichkeit und nur eine ganz grobe Zielvorgabe, wie sie der Politik durchaus ansteht. Ihr Lobpreis der Kunstfreiheit wiederum ist nichts wert angesichts des Umstandes, dass die Theater genau das machen, was Sie wollen und was Merkel will. Denn eines muss man dieser Dame lassen: Sie hat es ohne Zwang hinbekommen, dass die Kulturschaffenden die Wünsche der Machthaber besser erfüllen als in jeder afrikanischen Militärdiktatur.

(Beifall bei der AfD - Marco Tullner, CDU: Ach du meine Zeit!)

Mit diesem Frieden wäre es aber ganz schnell vorbei, wenn von den Bühnen einmal etwas anderes käme als Propaganda für Globalismus und Masseneinwanderung. Ich will nicht wissen, wie es mit Ihrem Hohelied auf die Kunstfreiheit aussähe, wenn ein Theaterregisseur einmal echten Gebrauch von dieser Freiheit machen würde und die Römer in Kleists „Hermannsschlacht“ zum Beispiel mit EU-Standarten aufmarschieren ließe. - Zum Beispiel. - Ich wage zu prophezeien, dass Ihre Toleranz dann ganz schnell am Ende wäre und der arme Kerl nicht nur alle Mittel gestrichen und alles gekündigt bekäme, was sich kündigen ließe. Nein, er würde auch öffentlicher Ächtung zum Opfer fallen und könnte seinen Beruf an den Nagel hängen.

Dass Sie in Wahrheit trotz Ihrer geheuchelten Beteuerung nicht die geringste Achtung vor der Kunstfreiheit haben, zeigt sich schon allein daran, wie Sie mit Künstlern, die Ihnen nicht in den Kram passen, auch und gerade dann umspringen, wenn diese Künstler keinen Cent Steuergeld erhalten.

Als Beispiel will ich Xavier Naidoo anführen, der mit seinem Lied „Marionetten“ eine ergreifende Kritik am politischen Establishment geliefert hat. Als Xavier Naidoo am 30. Juni 2017 in Halle auftreten wollte, hat der MDR seine Unterstützung zurückgezogen, und das übliche „Bündnis gegen Rechts“, an dem auch mehrere Gliederungen der SPD und der GRÜNEN beteiligt sind, hat zu Protesten aufgerufen. Ist das Ihr Verständnis von Kunstfreiheit? -   W i r   würden nie auf die Idee kommen, einem freien Künstler, der ohne staatliche Förderung auskommt, vorzuschreiben, was er zu tun hat. Niemals!

Und genau das ist Kunstfreiheit. Kunstfreiheit ist kein Anspruch, jeden nationalmasochistischen Dreck gefördert zu bekommen. Kunstfreiheit ist ein Anspruch gegenüber dem Staat, keinen Repressionen ausgesetzt zu werden.

(Beifall bei der AfD)

Wenn aber der Staat Geld für etwas gibt, dann ist es selbstverständlich, dass er ein Wörtchen mitzureden hat, wenn es darum geht, was mit diesem Geld angestellt wird. Zumindest darf er auf die grobe Zielrichtung Einfluss nehmen. Das machen Sie ja auch ständig, wenn Sie Ihre Fördermaßnahmen evaluieren lassen.

An dieser Stelle sage ich zur Lage der Theater: Wenn es so weitergeht wie bisher, wenn sich an der Programmgestaltung nichts ändert, dann ist das, was wir ausgeben, zu viel. Wenn die Theater allerdings beherzigen, was wir schon in unserem Landtagswahlprogramm gefordert haben - nämlich, dass sie stets auch klassische deutsche Stücke spielen und sie so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen  , dann wären sie durchaus ihr Geld wert und sicher auch etwas mehr. - Vielen Dank.

(Beifall bei der AfD)