Cookies helfen uns bei der Weiterentwicklung und Bereitstellung der Webseite. Durch die Bestätigung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden.

Montag, 24.06.2019

3 Termine gefunden

ICS Export
14:00 Uhr Datum: 24.06.2019

Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Medien

28. Sitzung
06618 Naumburg, Henne 1, Gasthaus und Hotel "Zur Henne"

eur028e7.pdf (PDF, 473 KByte)


15:00 Uhr Datum: 24.06.2019

Treffen der Landtagspräsidentin mit dem Frauenclub der Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg

Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg, Gröperstr. 1a, 39106 Magdeburg

18:00 Uhr Datum: 24.06.2019

Parlamentarischer Abend des Landestourismusverbandes Sachsen-Anhalt

Grußwort der Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch
Schloss Neuenburg, Schloß 1, 06632 Freyburg (Unstrut)

Plenarsitzung

Transkript

Cornelia Lüddemann (GRÜNE):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Werte Kollegen von der AfD, Ihre Herren sind jetzt gemeint. Sie fänden es also nicht nur akzeptabel, wenn eine Hälfe der Bevölkerung in der Amtssprache unsichtbar bleibt, nein, Sie fordern das sozusagen explizit.

Gerade wenn man sich den letzten Satz Ihres Antrages durchliest, in dem Sie einfach die Vorrangstellung des generischen Maskulinums - sprich: der Männer - statuieren, erzeugt das bei mir fassungsloses Kopfschütteln.

(Zuruf von André Poggenburg, AfD)

Da fragt frau sich doch, warum Sie eigentlich so gegen die Burkas agitieren. Was die Burka im öffentlichen Raum anstrebt, wollen Sie, verehrte Kollegen von der AfD, für die Schriftsprache: die Unsichtbarmachung der Frau.

(Beifall bei den GRÜNEN, bei der LINKEN und bei der SPD)

Dies zeigt, wie verlogen Sie agieren. Da reden Sie in der letzten Plenarsitzung zum Thema Istanbul-Konvention noch vollmundig von Gleichstellung und sehen das Problem einzig bei den Zugewanderten, bei den Geflüchteten, bei den Ausländern aus dem islamischen Kulturkreis. Und heute kommen Sie mit einem solchen Antrag, einem Antrag, der hinter einer vermeintlichen Sorge um die deutsche Sprache schlicht eine tief sitzende Misogynie, also Frauenfeindlichkeit, zum Ausdruck bringt.

Kommen Sie mir nicht damit, dass auch die Frauen mit gemeint seien, wie Herr Farle einmal mehr erklären musste, was seine Fraktion angeblich tatsächlich meint.

(Zustimmung von Thomas Lippmann, DIE LINKE)

Die Zeiten, in denen Ehepaare zum Beispiel vorgestellt wurden mit „Herr und Frau Thomas Tillschneider“, sind vorbei. Die Zeiten, in denen Frauen in Gruppen vornehmlich mit „Freundin von“ vorgestellt worden, sind vorbei. Die Zeiten, in denen einzig der Mann seinen Namen bei der Heirat weitergab, sind vorbei. Selbst in Österreich sind auch die Zeiten vorbei, in denen einzig die Söhne der Nationen benannt werden.

(Daniel Roi, AfD: Und die Grünen im Parlament sitzen!)

Junge Frauen sollten von Anfang an klar signalisiert bekommen, dass sie zählen, dass sie nicht als Staffage einfach nur mit gemeint sind. Ich halte es für einen kulturellen Fortschritt, wenn junge Frauen sich eben nicht mehr nur „mit gemeint“ sehen. Der Mann steht dann nicht mehr stellvertretend nur für den Menschen. Auch das Mannsein ist ein Spezifikum des Menschen, genauso wie das Frausein und kann daher auch keine sprachliche Vorrangstellung beanspruchen.

(Zuruf von André Poggenburg, AfD)

Und das aus guten Gründen. Denn Sprache formt Wirklichkeit. „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“; wie es Wittgenstein formuliert hat. Wenn meine Sprache keine Frauen umfasst, dann die Welt letztendlich auch nicht; zumindest nicht als relevante Subjekte.

Ein Ausblick: Unser Alternativantrag spricht im zweiten Punkt ganz bewusst von „derzeit ausreichenden Regelungen“. Denn mit der in Aussicht stehenden rechtlichen Normierung eines dritten Geschlechts muss sich natürlich auch die Amtssprache entsprechend ändern, angefangen bei Stellenausschreibungen und Ähnlichem. Dass das nicht auf Ihre Zustimmung trifft, kann ich mir vorstellen.

(Zurufe von der AfD)

Wahrscheinlich ist es sogar eine Schreckensvision für Sie; die Welt wird noch komplizierter.

(Zurufe von der AfD)

Für eine Partei, die derart schlecht mit Vielfältigkeit umgehen kann, wird das sicherlich eine schwierige Kiste werden. - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, werte Kollegen.

(Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD)