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Dienstag, 20.08.2019

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Plenarsitzung

Transkript

Angela Gorr (CDU):

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Am 12. Juli 2013,

(Zuruf von Minister Marco Tullner an Wolfgang Aldag, GRÜNE, gerichtet)

Herr Minister, hatten wir schon einmal eine Debatte in diesem Hohen Hause zum Thema „Alphabetisierung in Sachsen-Anhalt fördern“?

(Zurufe von Minister Marco Tullner an Wolfgang Aldag, GRÜNE, gerichtet)

- Ich würde es begrüßen, wenn man mir zuhört. - Wir haben nun das Jahr 2018, und in der Zwischenzeit ist viel passiert, nicht zuletzt die lobenswerte Verortung im Rahmen der EU-Förderperiode 2014 bis 2020. Damit haben wir uns auf den Weg gemacht, Angebote und Strukturen der Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit zu entwickeln und zu unterstützen, die nach meiner persönlichen Kenntnis in Sachsen-Anhalt seit den frühen 90er-Jahren insbesondere von den Volkshochschulen des Landes in den Blick genommen wurden.

Ich bin daher sehr froh darüber, dass die damaligen Anstrengungen, das Thema ins Bewusstsein von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu bringen, deutlich sichtbare Früchte getragen haben. Der Kollege Aldag äußerte heute Morgen nebenbei am Rande, wie wichtig es wäre, auch positive gemeinsame Projekte aus dem Bereich Bildung einmal in die Öffentlichkeit zu tragen.

Nun, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, die heutige Debatte zeigt genau dieses. Der Punkt 1 beider Anträge, also Punkt 1 des Antrages der Fraktion DIE LINKE und Punkt 1 des Antrages der Koalitionsfraktionen, eint uns. Allein die dort getroffene Feststellung, dass Alphabetisierung und Grundbildung wichtige Schritte zur gesellschaftlichen Teilhabe sind, hätte ich auch im Jahr 1993 schon gern gehört, ganz absehen von einer weiteren finanziellen Unterstützung, die es damals nämlich auch nicht gab.

Damals stieß die Erwachsenenbildung auf großes Unverständnis in Politik und Bevölkerung und auch auf Unglauben, als die Größenordnung der Betroffenen in Sachsen-Anhalt - sie wird heute auf ca. 200 000 Menschen geschätzt - öffentlich gemacht wurde und erste Maßnahmen zur Abhilfe entwickelt wurden. Nun ist es politischer Konsens. Und das ist eine schöne Stunde für mich als Bildungspolitikerin.

Aufgrund der Komplexität der Problemlagen Betroffener und auch der großen Schwierigkeiten, an die Menschen - wie man so sagt - heranzukommen, ist die Gründung einer Landesinitiative Alphabetisierung und Grundbildung durch das Land Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit der Netzwerkstelle ein wirklich wichtiger und guter Schritt zur dauerhaften und somit nachhaltigen Beschäftigung mit dem Thema.

Alphabetisierung und Grundbildung als mittel- und langfristige Aufgabe der Bildungspolitik unseres Landes und als ein fester und selbstverständlich unverzichtbarer Bestandteil der Angebote der anerkannten Erwachsenenbildungseinrichtungen - dafür lohnen alle unsere Anstrengungen des Ministeriums und des Parlamentes. Denn machen uns nichts vor: So schwer verständlich es auch sein mag, funktionale Analphabeten wachsen stetig nach. Viele Komponenten spielen hier eine Rolle. Die Schuld liegt dabei nicht unbedingt bei den Lehrerinnen und Lehrern oder bei der Klassengröße. Ich denke, hier sollten wir außerordentlich vorsichtig sein. Es gibt zum Beispiel auch Fälle, die in eine ganz andere Richtung gehen. Ich denke, damit sollten wir uns beschäftigen, ohne hier Lehrerschelte zu betreiben.

Es wird daher also unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, über die Landesinitiative Alphabetisierung und Grundbildung Verständnis für das gravierende Problem zu wecken und mit Hilfsangeboten die Scham zu überwinden, von der schon gesprochen wurde, die viele Betroffene davon abhält, sich zu offenbaren.

Zu einzelnen Aspekten wie Finanzierung und Antragszahl oder dem weiteren Verfahren führte Minister Tullner bereits aus. Ich möchte allerdings, Frau Kollegin Hildebrandt, an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass zum Beispiel die Kommunen und auch das Land einen Förderungsanteil zur allgemeinen Erwachsenenbildung erbringen. Ich denke, das muss hier auch einmal Erwähnung finden. Es ist ja jede Einrichtung auch ohne Frage in der Lage, diese Angebote zusätzlich vorzuhalten.

Daher bitte ich um Zustimmung zum Alternativantrag der Koalitionsfraktionen. Ich kann hier versprechen, dass wir das Problemfeld weiter intensiv politisch begleiten werden. Nach meiner Kenntnis - darüber freue ich mich besonders - wird es im nächsten Jahr zum Weltalphabetisierungstag hier im Landtag die Ausstellung geben, sodass niemand nach Halle oder woanders hinreisen muss. Sondern wir werden hier im parlamentarischen Raum die Möglichkeit haben, die Ausstellung zu sehen. Wir sollten das auch nutzen, um im nächsten Jahr dieses Thema im parlamentarischen Rahmen noch einmal aufzugreifen. - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der CDU)