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Dienstag, 20.08.2019

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Plenarsitzung

Transkript

Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! In Sachsen-Anhalt leben schätzungsweise 200 000 funktionale Analphabeten, also etwa 10 % der erwachsenen Bevölkerung. Das sind 150 000 Analphabeten zu viel. Wir dürfen bei diesem Thema nämlich nicht vergessen, dass Analphabetismus auch durch Intelligenzdefizite bedingt sein kann.

Die Linken tun zwar so, als würden die natürlichen Begabungsvoraussetzungen keine Rolle spielen, aber das ist bekanntlich einer der großen Irrtümer ihrer Politik.

(Zustimmung bei der AfD)

Ca. 2,5 % der Bevölkerung weisen einen IQ zwischen 69 und 50 auf und leiden damit an einer sogenannten leichten Intelligenzminderung, die in der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten mit dem Code F 70 bezeichnet wird. Diese Personen wären theoretisch in der Lage, mit 18, 19 Jahren das Niveau eines Grundschulabschlusses zu erwerben und sind in aller Regel funktionale Analphabeten. Sie können also einen einfachen Text weder verfassen noch lesen. Daran werden leider auch keine Alphabetisierungskampagnen etwas ändern.

Drei Viertel der funktionalen Analphabeten wären aber durchaus in der Lage, Lesen und Schreiben zu lernen, dass sie es nicht richtig können, liegt nicht an fehlender Begabung, sondern es muss an den kulturellen Rahmenbedingungen liegen.

Alphabetisierungskampagnen sind schön und gut, wenn sie aber nicht mit einem Wandel der gesellschaftlichen Mentalität einhergehen, werden sie keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielen. Alphabetisierungskampagnen bekämpfen nur ein Symptom unserer Bildungskrise und nicht die Ursache. Sie tragen in etwa so viel zur nachhaltigen Alphabetisierung bei wie Integrationskurse zur Integration, also nur sehr wenig bis gar nichts.

(Beifall bei der AfD)

Wenn wir nicht die tieferen Ursachen des Analphabetismus in Schule und Gesellschaft bekämpfen, dann bleiben Alphabetisierungskampagnen ein Dauerzustand, der sich an einem konstanten Nachschub an Analphabeten mühsam abarbeitet.

Anders als in den Entwicklungsländern leiden wir in Deutschland nicht an einem Analphabetismus aufgrund von Unterentwicklung, sondern an einem Wohlstandsanalphabetismus, einem Dekadenzanalphabetismus, an einem Analphabetismus, der daher rührt, dass viele Bürger stundenlang fernsehen anstatt zu lesen und dass die Schulbildung immer schlechter wird, dass Fleiß, Disziplin und Konzentration verloren gehen und dass in der Schule selbst mittlerweile mehr Wert auf digitalen Schnickschnack gelegt wird als darauf, dass die Schüler gute Bücher lesen.

(Beifall bei der AfD)

Die funktionalen Analphabeten sind nur die Spitze des Eisberges; denn sehr viele, die nicht gerade funktionale Analphabeten sind, können nur schlecht lesen oder selbst Texte verfassen.

Was wir bräuchten, wäre eine alle Bildungseinrichtungen umfassende Initiative zur Anhebung der Textkompetenz, eine Rehabilitation des Buches als Bildungsmedium und eine konsequente Ausrichtung der Lehrpläne hin zu einem intensiveren Umgang auch und gerade mit sehr langen Texten. Die Schüler müssen Texte lesen, Texte zusammenfassen, Texte strukturieren, interpretieren und eigene Texte verfassen und das in einem viel höheren Umfang als bisher üblich.

Was wir aber garantiert nicht brauchen, sind künstlich vereinfachte Texte, wie im Beschluss des Landtages vom 12. Juli 2013 gefordert. Sie müssen doch erkennen, dass Sie das Problem mit dieser einfachen Sprache nur verstetigen.

Anstatt dafür zu sorgen, dass sich die funktionalen Analphabeten anstrengen und ihre defizitäre Kompetenz verbessern, sollen die Texte so weit vereinfacht werden, dass auch funktionale Analphabeten sie lesen können. Dies wiederum senkt die allgemeine Textkompetenz und damit das Bildungsniveau der Bevölkerung noch weiter ab. Dies ist ein Teufelskreis, der langsam, aber sicher in die totale Verblödung führt.

(Zustimmung bei der AfD)

Was das Netzwerk Alphabetisierung und Grundbildung Sachsen-Anhalt angeht, so wimmelt es in den Texten auf deren Homepage von abwegigen Schreibweisen, wie etwa dem Gender-Sternchen. Ich würde dieser Initiative also empfehlen, sich erst einmal selbst zu alphabetisieren, bevor sie sich anschickt, anderen das Schreiben beizubringen.

(Beifall bei der AfD)

Wir werden uns deshalb zu dem Antrag der LINKEN wie auch zu dem Alternativantrag enthalten. - Vielen Dank.

(Beifall bei der AfD)


Vizepräsident Wulf Gallert:

Für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN spricht nunmehr     Es gibt doch noch eine Wortmeldung; die habe ich leider nicht gesehen. - Frau Gorr, Sie haben das Wort.


Angela Gorr (CDU):

Eine Zwischenintervention. - Ich empfinde die Formulierung „Dekadenzanalphabetismus“ als Herabwürdigung der Betroffenen.

(Zustimmung bei der SPD und bei den GRÜNEN)


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Na ja. Ich empfinde sie als eine treffende Benennung der tieferen Ursachen.

(Zustimmung bei der AfD)