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Freitag, 23.08.2019

2 Termine gefunden

ICS Export
09:00 Uhr Datum: 23.08.2019

Parlamentarische Kontrollkommission

25. Sitzung
Naturresort Schindelbruch, Schindelbruch 1, 06536 Südharz OT Stolberg

10:00 Uhr Datum: 23.08.2019

Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Medien

29. Sitzung
Landtag von Sachsen-Anhalt, Landtagsgebäude, Domplatz 6-9, 39104 Magdeburg

eur029e7.pdf (PDF, 473 KByte)


Plenarsitzung

Transkript

Thomas Keindorf (CDU):

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor vier Jahren haben wir uns an dieser Stelle letztmalig mit dem Berufsbildungsbericht der Landesregierung beschäftigt. Dabei liefert dieser Bericht wichtige Zahlen zu den aktuell knapp 48 000 Jugendlichen in einer Berufsausbildung, davon etwa 26 500 in dualer Ausbildung sowie geschätzt bis zu weiteren 20 000 jungen Menschen bis 27 Jahre, die Maßnahmen im Übergangssystem Schule-Beruf durchlaufen.

Mit dem nunmehr vorliegenden Antrag geben die Koalitionsfraktionen der Landesregierung die Möglichkeit, aktuelle Zahlen zur Berufsausbildung und zum Ausbildungsmarkt sowie Maßnahmen zur Bewältigung der bekannten Herausforderung bei der Fachkräftesicherung vorzustellen.

Werte Kolleginnen und Kollegen! Wenn Sie mit Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern in Ihrer Region sprechen, dann stellen Sie schnell fest, dass die Betriebe in Sachsen-Anhalt die sich schon seit Jahren verschärfende Fachkräfteproblematik als inzwischen wichtigstes Hemmnis für eine Weiterentwicklung und Fortführung des Unternehmens und - das möchte ich deutlich sagen - in der Konsequenz auch den Erhalt von Arbeitsplätzen nennen. Die Sorgen bei der Suche nach geeigneten qualifizierten Fachkräften und Auszubildenden werden, so zeigen es jedenfalls die Analysen der Wirtschaftskammern, inzwischen höher bewertet als die Steuer und Abgabenlast oder etwa bürokratische Hürden.

Aus der Sicht der CDU-Fraktion ist daher der seinerzeit zwischen der Landesregierung und den Anforderungen der Praxis gefundene Kompromiss, einen Bericht über immerhin bis zu 70 000 junge Menschen hier im Land nur alle zwei Jahre vorzulegen, nicht mehr zeitgemäß. Mit der Rückkehr zum jährlichen Monitoring können dagegen aktuelle Entwicklungen in der Berufsausbildung als Grundlage klugen politischen Handelns deutlich verbessert werden.

Eine Voraussetzung dabei ist jedoch, dass der Bericht so weiterentwickelt wird, dass eine ehrliche Betrachtung der Realität möglich wird.

(Zustimmung von Angela Gorr, CDU)

Es ist wenig hilfreich, wenn Zahlen zu den Vertragslösungen von Ausbildungsverhältnisse - das Thema wurde schon genannt - auf einer fragwürdigen Berechnungsgrundlage erstellt werden. Darauf habe ich an dieser Stelle auch schon hingewiesen. Vertragslösungen infolge eines Ausbildungsplatzwechsels zwischen zwei Betrieben, eines Wechsels einer Fachrichtung im selben Unternehmen, eines Wechsels aufgrund einer Betriebsinsolvenz oder vor dem Hintergrund von Mehrfachbewerbungen von Jugendlichen bei Ausbildungsantritt dürfen eben nicht statistisch mit einem echten Ausbildungsabbruch gleichgesetzt werden.

Ich frage an dieser Stelle: Wie kann die Politik die Rahmenbedingungen der beruflichen Bildung richtig setzen, wenn bereits der Ist-Zustand zum Teil nicht korrekt erfasst wird? - Hier müssen wir jetzt zügig zu einheitlichen Standards kommen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor dem geschilderten und überaus ernsten Hintergrund haben Handwerkskammer sowie Industrie- und Handelskammer am Freitag, den 13. Juli - dieses Datum haben wir in diesem Zusammenhang bewusst gewählt  , einen Alarmruf zur Berufsausbildung gestartet. Auf zwei der zehn Punkte gehe ich kurz ein.

Es muss uns gemeinsam gelingen, erstens die praxisnahe Berufsorientierung an allen Schulformen und zweitens die Allgemeinbildung der Jugendlichen zu verbessern mit dem Ziel, dass möglichst wenig Jugendliche nach der Schule auf nach wie vor aus meiner Sicht viel zu viele Azubi-Förderprogramme im Übergangssystem Schule/Beruf angewiesen sind. Leider werden die mehr als 30 Programme und Maßnahmen mit Zahlen zu den Teilnehmern, zur Finanzierung und zur erfolgreichen Vermittlung in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bisher im Bericht nicht einzeln aufgeführt. Auch insoweit sollte sich etwas ändern.

Das Übergangssystem Schule/Beruf in seiner jetzigen Form ist in einer Zeit entstanden, als die hohe Nachfrage nach einem Ausbildungsplatz in den sogenannten Warteschleifen verwaltet wurde. Jetzt ist die Situation eine völlig andere. Ich bin fest davon überzeugt, dass durch eine Bündelung und Reduzierung auf einen geeigneten Maßnahmenpool im Übergangssystem Mittel freigesetzt werden können, die an anderer Stelle für die Attraktivität der beruflichen Bildung steigernde Maßnahmen eingesetzt werden können, zum Beispiel das Azubi-Ticket.

(Andreas Steppuhn, SPD: Das wollte ich hören!)

Meine Damen und Herren! Ich bitte um Zustimmung zum vorliegenden Antrag. Zum Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE wird nachher der Kollege Steppuhn im Namen der Koalitionsfraktionen noch Stellung nehmen. - Herzlichen Dank.

(Zustimmung bei der CDU, bei der SPD und bei den GRÜNEN)