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Donnerstag, 20.06.2019

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Plenarsitzung

Transkript

Cornelia Lüddemann (GRÜNE):

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Heimat ist nicht objektivierbar. Im Grunde versteht jeder von uns etwas anderes darunter, individuell.

(Unruhe)

Wenn ich Menschen frage, dann bekomme ich auch solche Antworten: Heimat ist der Duft des Waldes in der Glücksburger Heide, ist das Paddeln auf der einzigartigen Elbe, ist dort, wo ich Volleyball spiele.

(Unruhe)


Präsidentin Gabriele Brakebusch

Sehr geehrte Frau Abgeordnete, darf ich Sie ganz kurz unterbrechen? - Ich denke, an dieser Stelle muss ich noch einmal daran erinnern, dass wir jedem Redner und jeder Rednerin hier vorn die Möglichkeit geben wollen, seinen und ihren Beitrag auch zu Ihrem Verständnis herüberzubringen. Deswegen bitte ich einfach darum, Ihren Geräuschpegel weit herunterzufahren. - Bitte, Sie haben weiterhin das Wort.


Cornelia Lüddemann (GRÜNE):

Darf ich noch einmal beginnen?


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Sie können gern noch einmal beginnen.


Cornelia Lüddemann (GRÜNE):

Kann die Zeit    


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Die Zeit läuft wieder.


Cornelia Lüddemann (GRÜNE):

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordneten! Heimat ist nicht objektivierbar. Im Grunde versteht jeder von uns etwas anderes darunter. Es ist individuell. So sind auch die Antworten der Menschen, wenn man sie gefragt: Das ist das große Glück, auf der einzigartigen Elbe zu paddeln. Das ist der Duft des Brotes beim Backofenfest in Garitz. Das ist dort, wo ich Volleyball spiele. Das ist dort, wo meine Familie lebt, wo meine Freunde sind, wo ich mich einbringen kann, wo ich verstanden werde. Heimat ist also ein ganz persönliches Konstrukt, das individuell mit Erlebnissen und Emotionen gefüllt wird.

Gerade in Deutschland wird immer wieder überlegt und manchmal auch gestritten, was Heimat denn sei. Dies immer besonders heftig, wenn man in Zeiten fundamentalen Wandels in der Gesellschaft ist, wenn alte Strukturen aufbrechen, wenn verbindlich Geglaubtes unverbindlich wird, wenn sich Bezugsgrößen ändern.

So war es in der Zeit der Industrialisierung, als eine völlig neue Arbeitsaufteilung aufkam, als die Menschen vom Land in die Stadt zogen, als die Kirche ihre Macht verlor, für alles die allgemeingültigen Werte vorgeben zu können.

Heute leben wir wieder in Zeiten des Wandels. Die Digitalisierung ist quasi eine neue Form der Industrialisierung. Die Globalisierung toppt das Ganze sozusagen noch. Auch heute sind Menschen wieder auf der Suche. Wir GRÜNEN haben momentan immensen Zulauf bei Veranstaltungen, wo wir gemeinsam mit den Menschen unsere Antworten auf diese Fragen der Zeit diskutieren.

Darüber hinaus gibt es aber auch noch einen größeren Zusammenhang von Heimat. Dieser lässt sich ganz klar für uns GRÜNE im 21. Jahrhundert nicht mehr an der Blutszugehörigkeit, nicht mehr an der Hautfarbe festmachen; diese Heimat gründet sich in direkter Fortführung der individuellen Freiheit auf eine gemeinsame, verbindende, wertebasierte Norm.

(Zustimmung bei den GRÜNEN)

Gerechtigkeit, Zusammenhalt, Nachhaltigkeit, Frieden, Chancengleichheit. Die gemeinsame Idee, wer wir sein können. In diesem Sinne ist Heimat nicht ausgrenzend, sondern einladend.

(Zustimmung bei den GRÜNEN)

Sie muss einen überschaubaren Bezugsraum haben - mein Dorf, mein Stadtteil  , kann aber auch in einer größeren Idee, beispielsweise der europäischen aufgehen. Für mich persönlich ist gerade in unserem noch jungen Bundesland sehr wichtig, dass wir gemeinsam mit den Menschen immer weiterentwickeln: Was kann Sachsen-Anhalt sein? - Deswegen müssen wir den ländlichen Raum stärken, bürgerschaftliches Engagement unterstützen, Mitmachen möglich machen.

Ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen sehen, was wir seit der friedlichen Revolution in diesem Land geschafft haben. Ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen daran arbeiten, dass wir das, was noch zu tun ist, gemeinsam tun. Denn trotz positiver Konjunkturdaten und sinkender Arbeitslosenquote gibt es noch ein paar Punkte auf dem To-do-Zettel.

Ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen den Mut haben, um die Ecke zu denken und an das, was wir an unermesslichen Naturschönheiten, an der Dichte von Weltkulturerbestätten, an der immens guten logistischen Lage im Herzen Europas haben. Deswegen mache ich Politik.

Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass unser wunderschönes Sachsen-Anhalt vom Land der jammernden Möglichkeiten zum Land der frohgenutzten Chancen wird.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Ein souveräner Staat ist dafür die Grundlage. Wir brauchen einen handlungsfähigen Staat. Ein souveräner Staat ist sich seiner Werte bewusst, seine Repräsentanten benennen Fehlentwicklungen unmissverständlich und achten die Gewaltenteilung. Ein wertebasierter, souveräner Staat ist das Gegenteil von dem, was wir über Jahre in Sachsen beobachten mussten und was sich jetzt im Mob von Chemnitz erschreckend kulminiert hat.

Mehr Menschen müssen aufstehen, um diesen unseren Rechtsstaat - auch gegen die Verfassungsfeinde von rechts - zu verteidigen.

(Beifall bei den GRÜNEN - Zuruf von Volker Olenicak, AfD)

Ich kämpfe für ein Sachsen-Anhalt, das Heimat für alle Menschen ist, die sich positiv einbringen, für alle, die gemeinsam Sachsen-Anhalt im gegenseitigen Respekt weiterentwickeln. In diesem Sachsen-Anhalt haben Homophobie, Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit keinen Platz.

(André Poggenburg, AfD: Linksextremismus! Messerstecherei!)

Danke.

(Beifall bei den GRÜNEN)