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Dienstag, 22.10.2019

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11:30 Uhr Datum: 22.10.2019

Landtagspräsidentin Brakebusch hält Rede zum Trauerakt für den verstorbenen Landtagspräsidenten a. D. Herrn Prof. Dr. Adolf Spotka

Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude, Plenarsaal

Plenarsitzung

Transkript

Dr. Falko Grube (SPD):

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Sehr geehrte Damen und Herren! Wir führen heute eine Debatte, die im bundesweiten Sport nach der Leistungssportreform wahrscheinlich die weitreichendste und tiefgreifendste Debatte ist. Das ist übrigens auch eine Generationenfrage; deshalb ist bei der Alterszusammensetzung des Hauses die eine oder andere Reaktion nicht weiter verwunderlich. Das ist auch nicht nur hier der Fall, sondern das erlebt man auch in anderen Zusammenhängen.

Ich hatte gestern eine Klasse aus Burg zu Besuch. Die hat sich unsere Debatten von dort oben angeschaut, und hinterher gab es ein Abgeordnetengespräch. Die Schülerinnen und Schüler waren alle in einem Coolness-Alter und von dem, was ich erzählt habe, was wir so treiben, nur mäßig entertaint. Ich habe gesagt, morgen würde ich eine Rede halten, in der es um E-Sports gehe. Da ging ein Ruck durch die Gruppe. Sie sagten alle: „Geil!“, und die Lehrerinnen fragten: „Was?“

Das ist in der Regel der Diskussionsstand und Diskussionsfaden. Das ist in meiner eigenen Fraktion nur bedingt anders, wenn ich das so offen sagen darf.

(Heiterkeit bei den GRÜNEN)

Wir debattieren heute über drei Fragen. Erstens: Ist E-Sport Sport? Zweitens: Soll der organisierte Sport ihn anerkennen? Drittens: Wie halten wir es mit der Frage der Gemeinnützigkeit?

Ich beginne mit der ersten Frage. Das, was der Kollege Striegel vorgetragen hat, muss man nicht heranziehen, um die Frage zu beantworten, ob E-Sport Sport ist. Da reichen die vier Säulen der Motorik, übrigens auch die vier Säulen, die im Deutschen Sportabzeichen abgefragt werden - nicht mit E-Sport, aber mit anderen Sachen. Das ist Schnelligkeit. Das ist Ausdauer. Das ist Kraft. Das ist Koordination. Alle Sportarten im traditionellen Sport sprechen diese vier Säulen sehr unterschiedlich an, bisweilen auch sehr einseitig. Im E-Sport ist das auch so.

Die Säule, die zuvorderst angesprochen wird, ist die Säule der Koordination. Das hat sie gemein mit Sportarten wie Liegendschießen, wie Bogenschießen, wie Schach. - Nein, Schach nicht; Schach hat gar nichts davon. Das ist eine eigene Kategorie.

(Siegfried Borgwardt, CDU: Genau, das stimmt!)

Das ist außerhalb, hat nichts davon und ist trotzdem Sport. Wenn Schach Sport ist, ist E-Sports das für mich auch.

Deshalb ist die Frage, ob es ausreicht, eine dieser Säulen speziell anzusprechen, um Sport zu sein, eine, die ich persönlich auf jeden Fall mit Ja beantworten würde.

Zur Frage Gewaltverherrlichung: Bei Ego-Shootern wäre ich persönlich raus. Da würde ich die Grenze ziehen. Das ist eine Diskussion, die man tatsächlich führen muss.

Wo kommt Sport eigentlich her? - Wenn man die Olympischen Spiele sieht, dann ist Sport der friedliche Wettkampf, dann ist es Kriegsersatz, dann ist es die Form, sich mit friedlichen Mitteln zu messen. Etwas anderes tut E-Sport auch nicht. Zu dem Hinweis, es bedürfe hier technischer Hilfsmittel, um das zu tun, kann ich nur sagen: Diese braucht ein Sportschütze auch. Ohne die Technik Gewehr würde es diesen Sport nicht geben.

Um die Frage von Kollegen Gürth vorhin zu beantworten: Es gibt eine klare Trennung zwischen Glücksspiel und E-Sports. Das ist die Frage der Motorik. Das ist die Frage der Koordination. Alle diese vier Säulen, und zwar in keiner der Ausprägungen, brauche ich beim Pokern und beim Glücksspiel.

Die Frage, ob das in den organisierten Sport hinein gehört, möchte ich von der Stelle nicht beantworten. Ich persönlich würde es mir wünschen, weil es für die Vereine eine Möglichkeit wäre, Mitglieder zu gewinnen. Das wäre auch eine Möglichkeit für E Sports-Leute, in den traditionellen Sport hineinzuwachsen. Ich glaube, das wäre für beide Seiten befruchtend. Deshalb würde ich mir das wünschen. Am Ende muss das der Sport - dafür gibt es die Autonomie des Sports - selbst entscheiden.

(Zustimmung bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Zur Frage Gemeinnützigkeit: Aus meiner Sicht muss E-Sports in jedem Fall gemeinnützig werden. Die Frage, ob es als Sportart oder im Jugendhilfebereich gemeinnützig wird, würde ich an den Ausgang der Diskussion zwischen E-Sports und organisiertem Sport stellen. Ich würde die Voraussage wagen, dass Sie am Ende eine Entscheidung haben, dass sich die beiden zusammenfinden. Ich glaube, das ist eine Entwicklung, die wahrscheinlich nicht aufzuhalten sein wird. Aber wie gesagt, das liegt beim Sport.

Das, was Kollege Striegel sagte, dass es viel besser ist, übrigens auch für jedes Elternteil, wenn man Ansprechpartner in derselben Altersklasse hat, die sich finden, die auch bei Fragen von Suchtproblematik die Kiddies     Es gibt in diesem Bereich auch Erwachsene, aber zum größten Teil sind es eher Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die unter Gleichaltrigen das Problem Suchtbekämpfung und Suchtbearbeitung bearbeiten können. Das sollte in jedem Fall steuerlich gefördert werden. Das sollte gemeinnützig sein.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Kollege Grube, Ihre Redezeit ist zu Ende. Bitte den letzten Satz.


Dr. Falko Grube (SPD):

Letzte Anmerkung. - Schlechte Nachricht für Schüler: In der Schule versteht sich Sport auch körperlicher Ausgleich. Als Schulsport würde ich es nicht anerkennen. Da würde ich eher die anderen Schulsportstunden hochsetzen. - Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Dr. Grube, Sie können Ihre Redezeit gern noch verlängern; denn es gibt eine Wortmeldung.


Dr. Falko Grube (SPD):

Das habe ich mir gedacht.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Lieschke und Herr Raue. Zwei Wortmeldungen also. - Herr Lieschke, Sie haben zunächst das Wort.


Matthias Lieschke (AfD):

Es ist eine Kurzintervention. - Sie haben eben versucht, darzustellen, dass E-Sport Sport ist. Ich versuche einmal, das bildlich etwas anders darzustellen. Wenn Sie einen Raucher fragen, wird Ihnen jeder Raucher sagen, eine E-Zigarette ist keine richtige Zigarette. Von daher kriegen Sie das einfach nicht zusammen.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Sie können, aber müssen nicht darauf antworten.


Dr. Falko Grube (SPD):

Herr Lieschke, das ist irgendwie Rabulistik. Dieses Vergleichsniveau erinnert mich ein wenig an das, was der Kollege Höse gesagt hat, E-Sport sei total gefährlich. Das hat mich ganz spontan an die Geschichten von damals erinnert, als Großmütterchen sagte: „Wenn du onanierst, kriegst du Rückenmarkschwund.“ Ungefähr die gleiche Qualität hat das auch.

(Beifall bei der SPD, bei der CDU und bei den GRÜNEN)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Raue. Sie haben jetzt die Möglichkeit, Ihre Frage zu stellen. Bitte.


Alexander Raue (AfD):

Zunächst vielen Dank für den Redebeitrag. Ich sage ganz ausdrücklich: Jeder soll spielen, was er will. Ich will mich dem nicht entgegenstellen. Aber wenn wir dieses Spiel zum Sport erklären, machen wir es dann nicht auch den Eltern zu Hause gerade im Hinblick auf die von Ihnen angesprochene Suchtproblematik schwerer; denn viele Kinder sitzen zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben oder acht Stunden, also wirklich lange Zeit, hinter diesem Bildschirm und spielen die klassischen Ballerspiele.

Machen wir es den Eltern nicht schwerer zu sagen, beende das Spiel, nimm ein Buch zur Hand, bereite dich auf den Unterricht vor. Die Kinder sagen ihnen dann, der Landtag hat aber beschlossen, dass das, was ich hier mache, kein Spiel ist, sondern Sport. Ich betreibe Sport und ich trainiere jetzt, Mama oder Papa. Ich glaube, wir sollten mit dieser dieser Zuschreibung, dass es sich um einen Sport handelt, vorsichtig sein.

Mein Kollege Thomas Höse hat das für das Haus gut zusammengefasst. Allein dadurch, dass mit dieser herkömmlichen sportlichen Betätigung gesundheitliche Aspekte


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Raue, fassen Sie sich bitte kürzer. Ihre Redezeit beträgt bis zu zwei Minuten.


Alexander Raue (AfD):

auf den ganzen Organismus wirken und dies im E-Sport nicht so ist, sollten wir als Landtag vorsichtig sein, einen solchen Beschluss zu fassen. Ich selbst werde aus diesem Grund dagegen stimmen.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Raue, bitte Ihre Fragestellung.


Alexander Raue (AfD):

Vielleicht ist die Frage angekommen.

(Cornelia Lüddemann, GRÜNE, lacht)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Sie haben das Wort, Herr Dr. Grube.


Dr. Falko Grube (SPD):

Herr Raue, mir geht es ein bisschen wie dem Innenminister. Als ich angefangen habe, mich mit dem Thema E-Sport zu befassen, habe ich die klassische Reaktion gezeigt: Es ist doch nur daddeln. Das habe ich früher auch gemacht, das ist kein Thema.

Wenn man sich aber damit auseinandersetzt - auf der Tribüne sitzen Vertreterinnen und Vertreter -, dann sieht man das etwas anders. Ich glaube, dass die Chance für Eltern eher darin liegt, Ansprechpartner für die Kinder zu haben, auf die sie hören. Wenn Sie zu Ihrem Sohn oder ihrer Tochter gehen und sagen, hör auf zu daddeln, dann wird er oder sie sagen, hau ab, Alter. Wenn es aber Leute gibt, die man im realen Leben treffen kann     

Der E-Sport hat an einem Wochenende eine zertifizierte Ausbildung für Coaches angeboten. Ich selbst habe einen Trainerschein. Das habe ich alles gemacht. Ich fand es hochspannend, dass es dort so etwas wie Trainingsstunden gibt. Wenn man sich damit beschäftigt, dann glaube ich, ist die Chance auch für Fragen der Suchtberatung und Suchtprävention größer, wenn dies in einem Verein stattfinden kann und man das tatsächlich auch als gemeinnützig anerkennt.

Dass man nicht all diejenigen, die Hardcore-Ballerspiele spielen und die nur im Keller sitzen, also die klassische Chips-und-Cola-Generation, damit herausbekommt, ist klar. Aber ich glaube, dass das tatsächlich eine altersadäquate Ansprache an Jugendliche ist und somit auch eine Hilfe für Eltern, wenn wir das machen.

Deswegen bin ich sehr davon überzeugt, dass wir den E-Sport gemeinnützig machen sollten, wenn die Diskussion mit dem Sport so ist, und als Sport im Einkommensteuerrecht verankern sollten. Eine Hilfsvariante wäre die Gemeinnützigkeit in Form von Jugendhilfe. Ich glaube aber tatsächlich, dies ist eher eine Chance.

Letzte Anmerkung. Sie müssen dieses Spielen am Computer, diese Beschäftigung nicht zu legitimieren, das machen die Kids sowieso. Die Frage ist tatsächlich, ob man sie adäquat ansprechen kann oder nicht.