Cookies helfen uns bei der Weiterentwicklung und Bereitstellung der Webseite. Durch die Bestätigung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden.

Montag, 21.10.2019

4 Termine gefunden

ICS Export
08:30 Uhr Datum: 21.10.2019

Teilnahme von Landtagspräsidentin Brakebusch an der Konferenz der österreichischen Landtagspräsidentinnen/Landtagspräsidenten vom 20. bis 21.10.2019

A-6632 Ehrwald / Tirol

09:15 Uhr Datum: 21.10.2019

16. Parlamentarischer Untersuchungsausschuss

23. Sitzung
Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude

u16023e7.pdf (PDF, 472 KByte)


18:30 Uhr Datum: 21.10.2019

Landtagspräsidentin Brakebusch nimmt am Ökumenischen Fürbittgottesdienst anlässlich "30 Jahre Montagsgebete in Oschersleben" teil

Kath. St. Marienkirche Hornhäuser Straße Oschersleben

Plenarsitzung

Transkript

Marco Tullner (Minister für Bildung):

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Schulpolitik in diesen Tagen zu verantworten hat mehrere Dimensionen. „Lehrermangel“ ist das Stichwort, das über allem steht. Auf der einen Seite gehören dazu Ressourcen, mehr Personal und mehr Geld. Ich hoffe sehr, dass wir bei den alsbald anstehenden Haushaltsberatungen gemeinsam die notwendigen Schritte dazu vollziehen. Auf der anderen Seite gehören dazu auch rechtliche Grundlagen. Deswegen freue ich mich sehr, dass wir heute über dieses Vierzehnte Gesetz zur Änderung des Schulgesetzes diskutieren können.

Meine Damen und Herren! Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf und der Beschlussfassung gehen wir heute einen wichtigen Schritt für die Schulen in unserem Land. Es ist ein wichtiger Schritt, den wir uns alle nicht leicht gemacht haben. Es ist kein Geheimnis, dass über die vorliegenden Regelungen hinaus weitere Vorschläge im Raum standen. Es ist jedoch auch ein Zeichen von Stärke und gemeinsamem Willen, meine Damen und Herren, dass wir am Ende nicht Differenzen beschreiben, sondern uns auf Gemeinsamkeiten konzentriert haben. Darauf können wir stolz sein.

(Zustimmung von Siegfried Borgwardt, CDU, und von Dr. Katja Pähle, SPD)

Mit diesem Gesetz schaffen wir gemeinsam die Grundlagen für den Grundschulverbund im Land Sachsen-Anhalt, der das Schulnetz in unserem Land insbesondere für den ländlichen Raum stabil halten soll. Wir ringen sehr dezidiert und konstruktiv miteinander darum, wie wir es schaffen können, im ländlichen Raum staatliche Strukturen, gerade auch Schulen, vorzuhalten, um unser Land weiter gleichwertig entwickeln zu können.

Wir öffnen das Referendariat für Quereinsteiger in der Hoffnung, durch diese Maßnahmen qualitativen Ansprüchen und gleichzeitig dem Lehrkräftemangel gerecht zu werden. Ferner steigen wir in eine Übergangsfinanzierung für freie Schulen ein.

Diese drei wesentlichen Punkte des vorliegenden Gesetzentwurfes sind für das Land Sachsen-Anhalt von grundlegender Bedeutung, und zwar nicht, weil sich der eine oder andere Koalitionspartner diesem Ziel verschrieben hat, sondern weil gesellschaftliche und bildungspolitische Entwicklungen diese neuen Regelungen notwendig gemacht haben.

Mein Ziel - ich hoffe, wir haben diesbezüglich ein gemeinsames Ziel   ist es, Rahmenbedingungen und Rechtssicherheit für die Weiterentwicklung des Schulwesens in unserem Land zu schaffen. Die Beschlussempfehlung des Ausschusses für Bildung und Kultur zum Entwurf eines Vierzehnten Gesetzes zur Änderung des Schulgesetzes liegt Ihnen allen vor und soll heute vom Hohen Haus verabschiedet werden.

Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte noch einmal kurz die wichtigsten Eckpunkte der Novelle vorstellen, erstens die Einführung von Grundschulverbünden zur Sicherung von Schulstandorten außerhalb von Ober- und Mittelzentren.

Zum weitgehenden Erhalt von Grundschulstandorten soll den Trägern von Grundschulen die Möglichkeit eingeräumt werden, Grundschulverbünde zu schaffen. Hiermit kommen wir der demografischen Entwicklung ebenso wie dem Erhalt eines tragfähigen Schulnetzes im Land entgegen und sichern gleichzeitig eine chancengerechte Bildung im ländlichen Raum.

Mit einer Mindestgröße von 40 Schülerinnen und Schülern für den Teilstandort sind wir an die absolute Grenze des pädagogisch Machbaren gegangen. Dennoch ist dies ein wichtiger Punkt; denn wir wissen, dass sich die Regionen in unserem Land unterschiedlich entwickeln. Auch wenn die Schülerzahlen steigen, werden einige Standorte, was die Schülerzahlen angeht, früher oder später in Schwierigkeiten geraten. Nun besteht die Chance, das Netz auch in vermeintlich dünn besiedelten Regionen zu sichern.

Wir gehen hierbei einen neuen Weg. Es ist richtig und wichtig, in einigen Jahren - vier Jahre nach der Gründung des ersten Verbundes - die Arbeit zu evaluieren, um auch die Frage zu reflektieren, ob dieses Instrumentarium in der Form angenommen wird oder ob wir gegebenenfalls gegensteuern müssen.

Zweitens die Öffnung des Vorbereitungsdienstes zur Qualifizierung neuer Lehrkräfte. Angesichts der erheblichen Altersabgänge in der Lehrerschaft müssen die Möglichkeiten der Gewinnung neuer Lehrkräfte erweitert werden. Neben grundständig ausgebildeten Lehrkräften können nun bei Bedarf in den verschiedenen Schulformen, Fächern oder Fachrichtungen auch Bewerberinnen und Bewerber, die einen entsprechenden Hochschulabschluss verfügen, in den Vorbereitungsdienst aufgenommen werden.

Darüber hinaus haben Seiten- und Quereinsteiger künftig die Chance zu entscheiden, ob sie sich berufsbegleitend qualifizieren oder das Angebot aufgreifen, durch das berufsbegleitende Referendariat und eine weitere Unterrichtserlaubnis die vollwertige Anerkennung zu erlangen.

Es ist das Ziel, dass wir uns auf der einen Seite öffnen, aber gleichzeitig auch Chancen der Entwicklung ermöglichen, um am Ende gleichen Lohn für gleiche Arbeit - Sie kennen die Botschaft - zu ermöglichen.

Des Weiteren wird die Möglichkeit geschaffen, bei Bedarf den Vorbereitungsdienst auch berufsbegleitend zu organisieren. Hiermit werden insgesamt die Möglichkeiten für Seiten- und Quereinsteiger erheblich erweitert; denn es bleibt das Ziel, trotz aller Nöte viele Lehrkräfte zu gewinnen und die Qualität dabei nicht aus den Augen zu verlieren.

Drittens. Anpassung der Regelung für Ersatzschulen. Mit der Anpassung der Berechnungsformeln für die Finanzmittel für freie Schulen treten wir in eine notwendige Übergangsfinanzierung ein. Wir alle wissen, dass dies nur ein erster Schritt ist. Grundsätzlich wird dieses Thema im kommenden Jahr noch einmal Fahrt aufnehmen, wenn das unabhängige Gutachten zum Finanzbedarf der Schulen in freier Trägerschaft vorliegt, das die Koalitionsfraktionen mit unserer Hilfe in Auftrag gegeben haben.

Neben dieser finanziell relevanten Dimension gibt es aber auch weitere Regelungen für freie Schulen, die für weniger Bürokratie und einen flexibleren Einsatz von Lehrkräften sorgen werden.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich den Koalitionsfraktionen dafür danken, dass sie sich sehr engagiert in die Debatte eingebracht und die nicht ganz einfache Frage der Ressourcen gemeinsam im Sinne der freien Schulen gelöst haben. Ich denke, wir können miteinander nach einem harten Ringen stolz auf das Ergebnis sein. Es ist ja den „Schweiß der Edlen“ wert, wenn man am Ende sagen kann: Wir haben gemeinsam eine Lösung erreicht, die tragfähig ist, die Akzeptanz findet und die uns die Chance gibt, das Gutachten so einzuflechten, dass wir eine verlässliche Grundlage für die Finanzierung freier Schulen in diesem Land sicherstellen können.

(Beifall bei der CDU)

Meine Damen und Herren! Über diese wesentlichen Punkte hinaus findet sich im Gesetz eine Reihe kleinerer, aber notwendiger Anpassungen. Sie alle werden die Schule nicht revolutionieren; dies sollen sie auch nicht. Sie sorgen aber dafür, dass bekannte Probleme künftig klar geregelt bzw. gelöst werden können.

Einige in diesem Haus sehen in diesem neuen Schulgesetz nicht den großen Wurf. Ich sage an dieser Stelle ganz klar: Wenn die Schulen in diesem Land eines ganz sicher nicht brauchen, dann sind es übermotivierte Reformkräfte, die die Schullandschaft in der Struktur oder aus ideologischen Gründen auf den Kopf stellen wollen. Das System Schule braucht neben den notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen vor allem eines: Ruhe und Verlässlichkeit, und dafür haben wir mit dieser Schulgesetznovelle gesorgt.

Am Ende meines bescheidenen Beitrages möchte ich mich bei allen Diskussionspartnern im Haus, aber auch darüber hinaus bedanken. Nicht jede Diskussion war immer einfach. Nicht jede Diskussion war immer nur von Rationalität geprägt, aber am Ende haben wir gezeigt: Auf einem so schwierigen Feld wie der Bildungspolitik, bei der auch in der Kenia-Koalition die politischen Inhalte etwas konträr zueinander stehen, haben wir es geschafft, Handlungsfähigkeit zu zeigen. Wir haben es geschafft, uns auf Gemeinsamkeiten zu konzentrieren und heute ein Schulgesetz zu verabschieden, das uns bei dem Thema, wie wir die Schulen durch die schwierige Phase des Lehrermangels hindurchsteuern können, ein Stück weit begleiten kann. Darauf kann diese Koalition stolz sein, und darauf sollten sich auch die anderen Kolleginnen und Kollegen in diesem Hause konzentrieren. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei der CDU und bei der SPD)


Vizepräsident Wulf Gallert:

Danke, Herr Minister. Es gibt zwei Nachfragen, zuerst die Nachfrage von Eva von Angern. - Frau von Angern, Sie haben das Wort.


Eva von Angern (DIE LINKE):

Herr Minister, ich bin fast geneigt, Sie zu fragen, ob Sie aus der Sendung „Doppelpass“ das „Phrasenschwein“ kennen. Aber diese Frage werde ich Ihnen natürlich nicht stellen.

Herr Minister, Sie haben gerade von einigen Meilensteinchen gesprochen. Meine Frage bezieht sich auf etwas, bei dem weder ein Meilenstein noch ein Meilensteinchen gelegt worden ist, weder durch Sie, als Sie den Gesetzentwurf eingebracht haben, noch durch die Mehrheit im Bildungsausschuss, nämlich den Umgang mit Schulverweigerern, die in jedem Jahr in in Höhe einer dreistelligen Zahl in der Jugendarrestanstalt in Halle landen.

Das ist ein Thema, das uns in diesem Haus schon sehr viele Jahre begleitet. Insbesondere die rechtspolitischen Sprecherinnen und Sprecher von CDU, SPD, Grünen und LINKEN waren immer sehr deutlich in der Positionierung, dass hier das Schulgesetz gefragt ist und eine Änderung herbeiführen muss, ganz konkret in der Abschaffung des Ordnungswidrigkeitenparagrafen.

Nun frage ich Sie - Sie gehen ja jetzt mit diesem Gesetzentwurf aus dem Parlament heraus, ohne dass hierzu eine Änderung vorgenommen worden sein wird  : Was werden Sie als Minister ganz konkret tun, um dieses Problem endlich anzugehen?


Vizepräsident Wulf Gallert:

Herr Minister, Sie haben das Wort.


Marco Tullner (Minister für Bildung):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Zunächst einmal: Ich weiß, dass es die Sendung „Doppelpass“ gibt, aber ich habe sie noch nie geschaut, weil sie, glaube ich, am Sonntagmittag läuft. Deshalb kann ich mit der Andeutung eines Phrasenschweins auch nichts anfangen.


Eva von Angern (DIE LINKE):

Das ist so ein großes Schwein.


Marco Tullner (Minister für Bildung):

Ich ahne, was Sie mir damit unterstellen wollen und möchte den damit implizierten Vorwurf entschieden zurückweisen, dass wir uns mit irgendwelchen Dingen beweihräuchern. Wir haben in diesem sehr nüchternen und pragmatischen Gesetz Lösungsstrategien entwickelt, um Probleme anzupacken. Das Beweihräuchern, Loben und Kritisieren überlasse ich demütig den Fraktionen in diesem Hohen Haus. Daher verstehe ich diesen Vorwurf überhaupt nicht.

(Stefan Gebhardt, DIE LINKE, lachend: Das war schon wieder eine Phrase!)

Was das Thema Schulverweigerung und Schularrest betrifft, so habe ich wahrgenommen, dass Sie auf Diskussionen hingewiesen haben. Diese hat die Koalition auch sehr intensiv geführt. Wir stehen vor der Herausforderung, Lösungen zu finden, die auf der einen Seite praktisch relevant sind und auch wirken und greifen, die aber auf der anderen Seite auch im Sinne von Schule funktionieren. Ich habe, wenn ich zum Beispiel Gespräche mit dem Oberbürgermeister von Magdeburg geführt habe, unter anderem immer wieder darauf hingewiesen, dass wir ein Mittel brauchen, mit dem wir am Ende Wirksamkeit reklamieren können.


Eva von Angern (DIE LINKE):

Was ist denn die Wirkung?


Marco Tullner (Minister für Bildung):

Deshalb ist dieses Mittel für uns die Ultima Ratio, aber es ist notwendig. Daher habe ich auch in den Koalitionsfraktionen insoweit keinen Änderungsbedarf wahrgenommen.

Sie werden in mir jemanden sehen, der sich Mühe gibt, die Probleme, die in der Schule alltäglich vorhanden sind - zum Beispiel Lehrermangel  , zu lösen, der sich vor allem aber auch mit den Fragen beschäftigt, die darüber hinaus im Raum stehen: Wie schaffen wir es, die Motivation der Schülerinnen und Schülern stärker in den Blick zu nehmen, damit sie gern in die Schule gehen und etwas lernen? Wie können wir - vor allem auch in Zeiten, in denen wir durch die Demografie einerseits unwahrscheinlich gute Perspektiven für weitere Lebenswege haben, andererseits aber feststellen, dass viele Schülerinnen und Schüler in bestimmten Milieus verhaftet bleiben, mit Demotivation ohne Abschlüsse aus der Schule hinausgehen - diese Probleme anpacken und Schule zu einem System machen, das Bildung und Kompetenzen vermitteln sowie erzieherisch wirken kann und am Ende dieses Mittel die Ultima Ratio bleibt? - Wir brauchen das aber. Deshalb werbe ich sehr für pragmatische Lösungen.

So eindeutig, wie Sie die Lage darstellen - dass es das untauglichste Mittel aller Zeiten ist und überhaupt nicht funktioniert  , habe ich das in Diskussionen mit kommunalen Spitzenverbänden - sowohl mit dem Landkreistag als auch mit dem Städte- und Gemeindebund - nicht wahrgenommen. Deshalb werden wir dieses Mittel weiterhin mit Maß und Zurückhaltung dort anwenden, wo es notwendig ist.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Herr Roi.


Daniel Roi (AfD):

Vielen Dank. - Herr Minister, zunächst möchte ich positiv bemerken, dass Sie den Verweis auf das Landesentwicklungsgesetz - danach hatte ich in der ersten Beratung gefragt - geändert haben. Dies finden wir prinzipiell gut, jedenfalls in dem Bereich, in dem Grundschulverbünde überall möglich sind.

Meine Frage lautet jetzt aber darüber hinaus: Wie schätzen Sie das ein? Können Sie mit dem vorliegenden Gesetz auch untergegangene, also bereits geschlossene Grundschulen in einem zukünftigen Schulverbund integrieren? Ist das damit möglich, oder was braucht es dazu, und wollen Sie das überhaupt? - Das ist die erste Frage.

Die zweite Frage lautet: Konnte nicht eine Gemeinde auch schon unter den jetzigen Voraussetzungen eine Struktur schaffen, die der des jetzigen Schulverbundes gleichkommt, indem sie eine bestehende Grundschule zur Außenstelle gemacht und durch Einzugsbereiche entsprechende Änderungen herbeigeführt hat? - Es gibt Fälle, in denen dies getan wurde. Dort wurde der Standort A einfach zur Außenstelle von Standort B gemacht. Dabei stellt sich die Frage, was an der von Ihnen nun vorgeschlagenen Regelung neu ist.


Marco Tullner (Minister für Bildung):

Herr Roi, Sie haben zwei kluge Punkte aufgegriffen, die die Diskussionen auch bei uns bestimmt haben und bei denen auch ich ein Stück weit dazugelernt habe, wie man das im Leben ja eigentlich immer tut.

Der Fokus des Schulverbundes ist, erst einmal das bestehende Schulnetz für kommende Herausforderungen abzusichern. Ob es aufgrund von größeren Schülerzahlen später einmal zu wieder auflebenden Schulen oder zu neuen Schulgründungen kommt, weiß ich nicht. Am Ende müssen die Schülerzahlen funktionieren. Das Angebot, das wir hier haben, ist für die Zukunft und nicht für die Vergangenheit konzipiert.

Wenn Sie jetzt fragen, welcher Unterschied im Schulverbund zu der heutigen Praxis besteht, dann besteht dieser vor allem darin: Natürlich hatten wir Außenstellenlösungen. Aber diese haben zwei Voraussetzungen: Erstens musste die Gemeinde bzw. der Schulträger die Schule erst einmal schließen, um dann noch befristete Übergangslösungen in Form von Außenstellen zu schaffen, und erst wenn der Gemeinderat über einen Schulträger beschließt, eine Schule zu schließen, ist das ein klares Signal, wohin die Reise geht.

Deshalb ist der Schulverbund an dieser Stelle nicht mehr mit dem Diktum verbunden, einen Schließungsbeschluss zu fassen, sondern vor allem zu fragen: Wie können wir das Schulnetz auch bei den unterschiedlichen Schülerzahlen zukunftsfähig gestalten? - Deshalb ist der entscheidende Unterschied, dass man keine Schließung vornehmen muss und damit auch keine befristete Lösung hat. Ein Schulverbund ist im Kern eine Dauerlösung, wenn es nicht aufgrund der Demografie oder anderer Gegebenheiten eine andere Lösung gibt.

Das Grundproblem, das wir haben, ist: Wenn ich mir eine Schule vorstelle - auch in Zeiten des Lehrermangels  , in der ich flexibel auf Krankheiten und alltägliche Herausforderungen reagiere, dann ist der Regelfall eine zweizügige Grundschule; denn damit kann man das wunderbar lösen. Das wollen wir aber ausdrücklich nicht. Die Koalition - und ich glaube, auch meine Fraktion - hat sich dezidiert immer dafür ausgesprochen, dass wir für die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten in unserem Lande flexible Lösungen brauchen. Deshalb haben wir ja auch an so vielen kleinen Grundschulen bewusst festgehalten. Diese kleinen Grundschulen jetzt in den Schulverbund einzubetten, dem könnte die Chance innewohnen, dass wir dies hinbekommen.

Aber ich sage auch: In einer 40er-Außenstelle in einem Schulverbund wird es natürlich nicht viele Lehrer geben. Dort wird man über jahresübergreifende Lehrangebote usw. nachdenken müssen. Aber ob dies Akzeptanz bei den Eltern findet oder ob diese dann vielleicht sagen, in einem solchen Fall würden sie ihre Kinder lieber 10 km weiterfahren lassen, um jahrgangsgetrennten Unterricht zu bekommen, das ist genau der Punkt, warum wir jetzt mit Modellprojekten arbeiten und Erfahrungen sammeln wollen, wie dieses Instrumentarium in der Wirklichkeit funktioniert. Denn am Ende wollen wir uns nichts vormachen, indem wir uns ein Instrument ausdenken, das nicht funktioniert, sondern wir wollen funktionierende Instrumentarien haben, um das Schulnetz im ländlichen Raum bewahren und zukunftsfähig gestalten zu können.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Herr Roi, noch eine kurze Nachfrage, und der Herr Minister versucht, kurz und bündig zu antworten. Bitte.


Daniel Roi (AfD):

Erst einmal vielen Dank für die Beantwortung. Das hat mich weitergebracht.

Aber eine Frage blieb noch offen, und zwar ging es um die Frage: Was ist - auch mit Blick in die Zukunft -, wenn eine Schule bereits geschlossen ist? - Sie haben in der Antwort auf die Kleine Anfrage, die ich gestellt habe, geschrieben und jetzt auch noch einmal gesagt: Eine Grundschule, die jetzt eröffnet werden soll, muss zweizügig sein. - Alles klar, aber jetzt haben wir ja den Schulverbund. Kann ich also künftig mit einem alten Standort kommen und sagen, wir bilden jetzt einen Schulverbund entsprechend den neuen gesetzlichen Regelungen? Geht das künftig oder welche Voraussetzungen müssen dafür vorhanden sein? - Diese Frage haben Sie nicht beantwortet. Das würde mich brennend interessieren.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Herr Minister Tullner, bitte.


Marco Tullner (Minister für Bildung):

Wir entwickeln ja noch eine Verordnung, um das umzusetzen. Ich sage Ihnen zu, dass ich über diesen Punkt noch einmal nachdenken werde. Ich hatte ihn bisher nicht im Blick. Es kann am Ende sicher nur eine Ausnahme sein, da die Schülerzahlen der limitierende Faktor dabei sind. Aber wenn es begründete Ausnahmen gibt, dann will ich es nicht von vornherein ausschließen. Wir werden deshalb im Bildungsausschuss, wenn die Verordnung zur Veröffentlichung ansteht, noch einmal darüber diskutieren, weil ich gemeinsam mit Ihnen eine funktionierende Lösung suchen und finden will. Deshalb schlage ich vor, wir sehen uns das noch einmal an und sprechen dann im Ausschuss darüber.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Nun hat auch der Kollege Kurze noch eine Frage.


Markus Kurze (CDU):

Ja. - Herr Minister, die Schulverbände sind wirklich ein guter Schritt in diese Richtung, wie Sie es auch begründet haben. Aber dadurch werden sicher viele Grundschullehrer fahren müssen, wie es jetzt bereits der Fall ist, wenn sie abgeordnet werden. Meine Frage dazu    

(Thomas Lippmann, DIE LINKE: Das sieht man doch bei den Schulen! Mein Gott! Die fahren heute auch schon!)

- Ich weiß gar nicht, warum Sie diesen Zwischenruf machen. Jetzt bin ich doch dran.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Kollege Lippmann, Sie verlängern jetzt das Prozedere. Lassen Sie zunächst den Kollegen Kurze die Frage stellen.


Markus Kurze (CDU):

Nun komme ich auf den Punkt, der sicher auch Herrn Lippmann interessieren wird: Viele Schulen haben im neuen Schuljahr wieder Stundenkürzungen bekommen. Wie stellen Sie sicher, dass die Schulen trotz der Stundenkürzungen und trotz der Abordnung einiger Kollegen weiterhin die Qualität halten können? Nicht, dass es dort noch einen Einbruch gibt.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Herr Minister, bitte.


Marco Tullner (Minister für Bildung):

Die effizienzsteigernden Maßnahmen, die die Opposition als bedarfsmindernd bezeichnet hat, haben wir in Vorbereitung des letzten Schuljahres gemacht. Da gab es genau diese Faktoren. Ich sage heute rückblickend, es war notwendig, das zu tun. Das hat in den Schulen keine La-Ola-Wellen der Begeisterung hervorgerufen, aber es hat dazu geführt, dass wir in diesem Schuljahr ein wenig stabiler als im letzten gelaufen sind, ohne dass es besonders gut war. Da müssen wir uns auch nichts vormachen. Die Probleme gab es nach wie vor.

Im neuen Schuljahr wird es diese Faktorveränderungen nicht geben. Das heißt, die Rahmenbedingungen bleiben an der Stelle stabil, sodass ich diese Befürchtung zerstreuen kann. Dass wir am Ende den Lehrereinsatz so gestalten müssen, dass Kolleginnen und Kollegen auch fahren müssen, gehört auch heute schon zur Wirklichkeit. Das wird keine große Veränderung herbeiführen, weil das gelebte Praxis ist.