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Mittwoch, 19.06.2019

2 Termine gefunden

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20:00 Uhr Datum: 19.06.2019

Sommerfest des Landtages von Sachsen-Anhalt

Eröffnung durch Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch
39104 Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude, Innenhof

Plenarsitzung

Transkript

Tagesordnungspunkt 19

Beratung

IMPULS-Festival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt erhalten

Antrag Fraktion DIE LINKE - Drs. 7/2513

Alternativantrag Fraktionen CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drs. 7/2573



Einbringer ist der Abg. Herr Gebhardt. Herr Gebhardt, Sie haben das Wort.


Stefan Gebhardt (DIE LINKE):

Vielen Dank. - Meine Damen und Herren! Sachsen-Anhalt ist seit seiner Wiedergründung zweifellos ein etabliertes Musikland. Das hat historische Ursachen, hängt viel mit Händel, Telemann, Bach, aber auch regionalen Musikgrößen wie Fasch oder Schütz zusammen. Wir haben es geschafft, was das kulturelle Erbe betrifft, viele erfolgreiche Musikfestivals zu installieren, die auch über die Grenzen Sachsen-Anhalts hinaus wirken.

Was nicht so im Fokus steht, ist zeitgenössische Musik heute noch lebender Künstlerinnen und Künstler, Komponistinnen und Komponisten, deren Werke auch zu Gehör gebracht werden sollten. Das Land Sachsen-Anhalt hat sich schon vor vielen Jahren darüber Gedanken gemacht, wie man für die zeitgenössische Musik ein ähnliches Festival, einen ähnlichen Rahmen finden kann, in dem diese würdig präsentiert werden kann.

So entstand im Jahr 2008, nachdem es viele kleinere Festivals gab, das Impuls-Festival als Plattform für neue Musik mit der Idee, neue Musik in den Orchestern zu verankern und hiermit möglichst auch ein breites Publikumsspektrum aller möglichen Altersklassen anzusprechen.

Um diesen Auftrag umzusetzen, verband das Impuls-Festival Praxis und Förderung durch zwei grundsätzliche Bausteine: erstens die Impuls-Konzerte in einem Netzwerk mit Theatern und Orchestern des Landes und zweitens die Impuls-Nachwuchsförderung, die bei den Masterclasses in Dessau angesiedelt ist.

Es ist gelungen, mit Herrn Rothmann einen renommierten Intendanten zu gewinnen, der seitdem dieses Festival sehr erfolgreich leitet.

(Beifall bei der LINKEN)

Mit dem einzigartigen Netzwerk für neue Musik aus allen Kulturorchestern des Landes ist Impuls mittlerweile Bestandteil der festen Abo-Reihen der Orchester in Magdeburg, Halle, Dessau, Wernigerode und Halberstadt. Kein anderes Bundesland verfügt über eine derartige Zusammenarbeit für neue Musik. Mit diesem Netzwerk verfügt Sachsen-Anhalt über ein Alleinstellungsmerkmal, das die Ressourcen des Landes, nämlich die regionalen Orchester, im besten Sinne für neue Musik nutzt und ausschöpft. Die Kulturpolitik kann stolz sein, dass wir uns hierbei so um die Nachwuchsförderung gekümmert haben.

(Beifall bei der LINKEN)

Die Zuschauerzahlen haben sich seit 2008 vervierfacht, auf ca. 9 000 Besucher in 25 Veranstaltungen. Das war im Jahr 2015. Das entspricht durchschnittlich 360 Zuschauern pro Veranstaltung. Ich denke, auch das ist eine Zahl, die sich für diese Sparte sehen lassen kann.

Für Konzerte mit neuer Musik ist das - vor allem weil die Konzerte außerhalb von Großstädten stattfinden - ein außergewöhnliches Ergebnis. Die Festivals waren in insgesamt 18 Städten mit Konzerten und Veranstaltungen präsent, unter anderem in Blankenburg, Dessau-Roßlau, Halberstadt, Halle, Köthen, Magdeburg, Quedlinburg, Eisleben, Querfurt, Schulpforta, Stendal, Schönebeck, Weferlingen usw.

Dem entgegen steht aber die Absenkung von Fördermitteln des Landes, denn von 2008 an sank der Zuschuss des Landes von seinerzeit 250 000 € auf 150 000 €. Dennoch konnten bis 2017 die Einnahmen und die Akquise von Drittmitteln um das Dreifache gesteigert werden, sodass der Gesamtetat für das Impuls-Festival erhalten blieb. Es spricht auch für das Festival an sich und für dessen Akteure, dass sie in der Lage sind, die Drittmittel um das Dreifache zu steigern.

Jetzt bräuchte es eigentlich nur noch Planungssicherheit, damit auch größere Fördermittelgeber perspektivisch mit ins Boot geholt werden könnten. Diese Planungssicherheit müsste vom Land kommen.

Meine Damen und Herren! Am 6. Dezember 2016 bekam das Impuls-Festival einen Fördermittelbescheid vom Landesverwaltungsamt mit der Zusage von 150 000 € für das Haushaltsjahr 2018. Sie konnten also ein Jahr lang mit diesen Mitteln seriös planen und das Festival für 2018 vorbereiten, wenn es nicht - das ist das zweite Schreiben - ein Jahr später, im Dezember 2017, geheißen hätte: April, April.

Ich zitiere:

„Bezüglich des oben genannten Festivals, wofür eine Zusicherung mit Datum vom 2. Dezember 2016 an Sie ergangen ist, haben sich Änderungen mit ergeben. Laut Erlass der Staatskanzlei soll im Jahr 2018 der Fokus ausschließlich auf die Durchführung der Masterclasses im Bauhaus Dessau inklusive anschließender Aufführung gelegt werden. Dafür sind Landesmittel in Höhe von 75 000 € vorgesehen.“

Das ist dann noch einmal eine Halbierung der Mittel. - Also, meine Damen und Herren, wenn ich ein Jahr vorher einen Fördermittelbescheid ausreiche und den Fördermittelempfänger in dem Glauben lasse, dass er ein Jahr lang mit diesen Mitteln planen kann und darf, und ihm 150 000 € zusichere, kann ich nicht ein Jahr später, wenn das Festival dann mitten in der Planungsphase ist, quasi „April, April“ sagen. So kann ich mit Künstlerinnen und Künstlern in unserem Land nicht umgehen.

(Beifall bei der LINKEN)

Es ist auch bezeichnend, wenn man dann mitteilt, dass sich künftig alles nur noch in Dessau konzentrieren soll, weil man damit das Netzwerk, das ich eben dargestellt habe, mutwillig zerstört.

(Zustimmung bei der LINKEN)

Das Dritte ist - auch das haben wir in unserem Antrag aufgegriffen -: Bisher war in allen Theaterverträgen, soweit dort Orchester bestehen, für die Orchester festgeschrieben, dass sie sich auch um zeitgenössische Musik bemühen sollen und demzufolge das Impuls-Festival unterstützen sollen.

Mittlerweile haben alle Orchester - ich glaube, Schönebeck ist eine Ausnahme, aber ansonsten alle Orchester - ein Schreiben unterzeichnet, dass sie das auch weiterhin so wünschen und dass sie weiterhin zeitgenössische Musik im Rahmen des Impuls-Festivals präsentieren wollen.

Aber auch das will man nicht mehr. Wie ich von Oberbürgermeistern erfahren habe, sind die Verhandlungen über die Theaterverträge bisher so gelaufen: Es wurde ein Text vorgelegt, zu dem gesagt wurde: Das ist keine Diskussionsgrundlage, das ist auch kein Angebot; entweder Du unterschreibst oder Du unterschreibst nicht. Der Satz mit der zeitgenössischen Musik, der Satz, dass Impuls gefördert werden soll, ist dort ersatzlos gestrichen worden.

Das, meine Damen und Herren, ist eine Musealisierung unserer Musiklandschaft.

(Beifall bei der LINKEN)

Es ist kein Ausdruck von progressiver Kulturpolitik.

(Beifall bei der LINKEN)

Es ist beschämend, was Nachwuchsarbeit für Künstlerinnen und Künstler betrifft.

Nun hat man auch das eine oder andere gehört, warum man das so will. Die Staatskanzlei hat beispielsweise angeführt, dass das Festival zu wenig neue Musik spiele und sich zu sehr auf die Klassiker berufe.

Dann kommen wir einmal zu den Zahlen. Das Festival hat insgesamt Werke von 150 Komponisten aus 18 Ländern aufgeführt, darunter waren 20 aus Sachsen-Anhalt. Von den 150 Komponisten waren wiederum 82 % zeitgenössische Komponisten und 18 gehörten der klassischen Moderne an.

Ich glaube, bei einem Festival, das zu 82 % zeitgenössische Komponisten präsentiert, kann man nicht davon reden, dass dort zu wenig neue Musik gespielt wird. Im Gegenteil, das ist das Festival, das am meisten zeitgenössische Musik präsentiert. Das ist auch gut und richtig so.

(Beifall bei der LINKEN)

Meine Damen und Herren! Wir haben deshalb einen Antrag vorgelegt, in dem es genau um diese Dinge geht, in dem wir die Landesregierung bitten, für das Jahr 2018 Fördermitteln in gleicher Höhe auszureichen, wie es im Dezember 2016 Impuls zugesichert wurde.

Wir möchte, dass das Netzwerk der Kulturorchester erhalten bleibt. Nur so schaffen wir es, auch zeitgenössischen Künstlern eine Möglichkeit zu geben, sich in der Breite Gehör zu verschaffen und sich nicht nur auf eine Stadt konzentrieren zu müssen. Nur so schaffen wir es, dieses Netzwerk tatsächlich zu erhalten.

Wir wollen auch, dass künftig in den Theaterverträgen die Förderung zeitgenössischer Musik und demzufolge die Teilnahme am Impuls-Festival festgeschrieben wird.

Meine Damen und Herren! Ich bitte deshalb um Zustimmung zu unserem Antrag. - Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN)