„Selbstbestimmt und altersgerecht – Social-Media-Nutzung in einer freien Gesellschaft“ – unter diesem Motto stand eine Aktuelle Debatte auf Antrag der Fraktion SPD, die am ersten Tag der aktuellen März-2026-Sitzungsperiode im Plenum geführt wurde.
„Kinder und Jugendliche, aber auch alle anderen Nutzerinnen und Nutzer haben ein Recht darauf, Plattformen selbstbestimmt nutzen zu können und dabei vor nicht altersgerechten Inhalten geschützt zu sein. Die Antwort auf diese gesellschaftliche Herausforderung können nicht schlichte Verbote sein, die weder durchsetzbar noch gerecht sind und junge Menschen nicht für die digitale Welt ertüchtigen“, so der Wortlaut des Antrags.

Wie kann Social-Media-Nutzung besonders für junge Menschen so gelingen, dass sie weniger Gefahren ausgesetzt sind? Darüber debattierte das Plenum am 3. März 2026.
SPD: Social Media mit Jugendversion für unter 16-Jährige
„Die sinnvolle Nutzung von Social Media braucht eine Altersgrenze“, so Katja Pähle (SPD) in ihrer Einbringungsrede. Ein Viertel der 10- bis 17-Jährigen würde Social Media in einem problematischen Ausmaß nutzen, erklärte sie. Die SPD schlage deshalb ein Konzept mit Altersgrenzen vor, das Mindestalter für die Nutzung liege demnach bei 14 Jahren. Bis zum Alter von 16 Jahren solle es eine verpflichtende Jugendversion der Plattformen geben – „ohne algorithmisch gesteuerte Feeds oder Empfehlungssysteme, ohne personalisierte Inhaltsausspielung. Und ohne suchtverstärkende Funktionen wie Endlosscrollen, automatisiertes Abspielen von Inhalten, Push-Benachrichtigungen oder Gamifizierung“.
Um eine wirksame Altersverifikation zu ermöglichen, solle die EU die „EU-ID“ ausbauen, so Pähle. Durch dieses Verfahren könnten Nutzer ihr Alter verifizieren und die Tatsache, dass sie eine echte Person sind, ohne die eigene Identität gegenüber der Plattform preisgeben zu müssen. „Das dient nicht nur dem Kinder- und Jugendschutz, sondern bewahrt auch Erwachsene davor, dass unsere digitalen Räume von Bots geflutet werden.“
Minister Riedel: CDU für Verbot unter 14
Soziale Medien seien ein zentraler Sozialisationsraum, so Bildungsminister Jan Riedel (CDU). Gleichwohl zeigten Studien in diesem Zusammenhang steigende psychische Belastungen, Erfahrungen mit Cybermobbing und Unsicherheiten im Umgang mit Inhalten. Besonders unter 14-Jährige hätten oft nicht die Reife, um Risiken wie Desinformation und Ausgrenzung einzuschätzen. „Notwendig sind also eine frühzeitige und verbindliche Medienbildung in Schulen, klare Schutz- und Interventionsstrukturen bei Cybermobbing, auch technische Lösungen sowie gezielte Unterstützungsangebote für die Erziehungsberechtigten.“ Über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche wolle die EU-Kommission bis zum Sommer entscheiden, stellte Riedel in Aussicht. Auch die CDU sei für ein Verbot für unter 14-Jährige sowie für eine altersgerecht angepasste Nutzung bis 16 Jahren.
AfD: Familien sind in der Pflicht
„Der Staat kann nicht alles regeln“, so Hans-Thomas Tillschneider (AfD). „Zumal sich irgendwelche Alterssperren immer umgehen lassen.“ In der Verantwortung seien Eltern und Familien. Richtig sei allerdings, dass Kinder und Jugendliche nicht an Inhalte gelangen dürften, die ihnen schadeten. „Politischer Meinungsstreit aber“, so Tillschneider, „gefährdet die Jugend nicht.“
FDP: Staat soll nicht erziehen
„Vater Staat ist nicht der Erziehungsberechtigte“, erklärte Konstantin Pott (FDP). „Weder im Kinderzimmer noch im Netz.“ Ein Verbot sozialer Medien würde nicht das Problem lösen. Das Ziel der FDP seien „starke Kinder, die selbstbewusst entscheiden können“. Was sie starkmache seien jedoch keine Verbote, „sondern Wissen, Begleitung und Vertrauen“.
Pott sehe zentrale Punkte in der Debatte: Erstens sei das ein Definitionsproblem. „Wo fängt Social Media an?“. Zweitens würde eine Kontrolle alle Bürger treffen – „Um Jugendliche am Ende zu kontrollieren, müssen alle Bürger ihre Identität nachweisen. Und das ist ein massiver Grundrechtseingriff.“ Ein wichtiger Ansatzpunkt sei stattdessen entsprechende Medienbildung.
Linke: Das kann Sachsen-Anhalt tun
„Wir benötigen eine strukturierte Debatte“, so Monika Hohmann (Die Linke) „Was kann Sachsen-Anhalt konkret tun?“ Das sei zum einen, Medienkompetenz verbindlich ins Curriculum aller Schulformen ab der Grundschule aufzunehmen. Außerdem brauche es „multiprofessionelle Teams“ an Schulen. IT-Fachkräfte, Medienpädagogen und Schulsozialarbeiter seien gemeinsam gefragt, Lehrkräfte zu unterstützen. Drittens brauche es ein Landesprogramm gegen digitale Gewalt. „Cybermobbing ist kein Randphänomen“, so Hohmann. Viertens müsse digitale Grundbildung auch Basiskompetenzen wie Lesen, Analysieren und Bewerten stärken. Fünftens brauche es Transparenz über Algorithmen. Nicht nötig seien jedoch pauschale Zugangsbeschränkungen.
CDU: Cybergrooming ist weitere Gefahr sozialer Medien
„Ich tendiere offen zu einer klaren Altersgrenze von 14 Jahren für soziale Medien“, bekräftigte Tim Teßmann (CDU). Neben den in der Debatte schon genannten Gefahren sei sogenanntes Cybergrooming ein Thema, wenn es um die Risiken von Social Media gehe: „Die gezielte Kontaktaufnahme Erwachsener mit Minderjährigen in sexueller Absicht ist eine der größten Gefahren im digitalen Raum.“ Für mehr Schutz in diesem Bereich könne auch eine längere Vorratsdatenspeicherung von drei bis sechs Monaten beitragen.
Grüne: Passende EU-Regelung ist bereits vorhanden
„Meiner Fraktion und mir ist es wichtig, zuallererst diese Plattformbetreiber in die Pflicht zu nehmen, statt die digitale Teilhabe von Kindern zu beschneiden“, so Susan Sziborra-Seidlitz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN). Ein zentrales Problem sei die unzureichende Altersverifikation. „Hier brauchen wir verbindliche Standards, die technisch machbar und zugleich grundrechtskonform sind.“ Weiterhin müssten Plattformen dazu verpflichtet werden, kindersichere Voreinstellungen standardmäßig zu aktivieren. „Profile von Minderjährigen sollten grundsätzlich privat sein“, ergänzte Sziborra-Seidlitz. Sie erklärte außerdem, dass es mit dem Digital Service Act seit 2024 bereits eine Regelung auf europäischer Ebene gebe, die bereits viele Verbesserungen im Bereich Jugendschutz enthalte. Wären diese umgesetzt, müsste man nicht über ein Verbot diskutieren.
Im Anschluss an die Aktuelle Debatte wurden wie gewohnt keine Beschlüsse zur Sache gefasst.

