Wie erlebten Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetze Taleb A. als Facharzt im Maßregelvollzug? Diese Fragestellung war Kern der jüngsten Sitzung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses am 14. Januar 2026. Als Zeugen sagten an diesem Tag Menschen aus, die mit dem späteren Attentäter im Bernburger Maßregelvollzug tätig waren.

Der 21. Parlamentarische Untersuchungsausschuss beschäftigt sich mit dem Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt im Dezember 2024.
Zuerst sprach eine Kollegin von Taleb A., die heute als therapeutische Leiterin im Bernburger Maßregelvollzug tätig ist. Als A.s Beschäftigung in der Klinik begann, war sie Stationspsychologin auf einer der Stationen, die er als Stationsarzt betreute. Sie habe A. als verschlossen erlebt, berichtete die Zeugin. Er habe Blickkontakt vermieden und öfters den Blick gesenkt – im Laufe der Zeit hätten sich diese Punkte jedoch etwas relativiert. Der spätere Attentäter A. sei immer höflich gewesen, nie habe sie ihn aggressiv erlebt. Private Gespräche hätte sie mit ihm nie geführt. Dass A. eine solche Tat wie am 20. Dezember 2024 androhen oder durchführe könne, damit habe sie nie gerechnet. „Es beschäftigt uns heute noch“, erklärte sie spürbar emotional bewegt.
„Ich habe ihn nicht als fachliche Unterstützung erlebt“, so die Zeugin zu A.s Arbeit im Maßregelvollzug. Er habe keine komplexen psychiatrischen oder psychotherapeutischen Einschätzungen abgegeben, berichtete sie über den Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Einige Patienten hätten das Vertrauen in seine Fähigkeiten verloren. Anfangs hätte es Probleme mit dem Sprachverständnis gegeben. Auch habe A. wenig erfahren gewirkt, was Gesprächstechniken anging. In der psychotherapeutischen Arbeit habe sie A. nicht eingesetzt. Aufgrund ihrer fachlichen Zweifel habe sie vor Ablauf von A.s Probezeit Bedenken bezüglich seiner Weiterbeschäftigung geäußert, erklärte sie vor dem Ausschuss. Auch habe A. oft gefehlt, was teilweise die Kontinuität der Behandlungen beeinträchtigt habe. Im Verlauf seiner Anstellung habe man ihm die Möglichkeit gestrichen, sich ohne Krankenschein abwesend zu melden.
Chefärztin berichtet von Zweifeln
Als weitere Zeugin sprach die kommissarische ärztliche Direktorin. A.s ärztliche Leistung sei unterdurchschnittlich erschienen, einige seiner Entscheidungen – unter anderem zu Medikationen – wirkten erklärungsbedürftig. Ein Patient habe angegeben, er wolle keine Medikamentenanordnungen von A. erhalten, sondern diese direkt mit ihr, Drumkova, besprechen. Bei zwei oder drei „schwierigen Patienten“ durfte A. auf ihre Anweisung hin die Medikation nicht selbstständig ändern. Auch berichtete Drumkova von einzelnen Zweifeln innerhalb der Belegschaft, ob A. tatsächlich Arzt sei. Diesen Zweifel habe sie nicht geteilt, da A. zutreffende Patienteneinschätzungen habe vornehmen können. Sie hinterfragte jedoch, ob A. wirklich Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sei.
Hintergrund
Der 21. Parlamentarische Untersuchungsausschuss soll die parlamentarische Aufarbeitung des Anschlags auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt leisten. Laut Einsetzungsbeschluss soll er insbesondere klären, ob und inwiefern bestehende Genehmigungsverfahren, Sicherheits- und Einsatzkonzepte sowie deren praktische Umsetzung für den Weihnachtsmarkt in der Stadt Magdeburg die Durchführung des Anschlages begünstigt oder ermöglicht haben. Die Mitglieder haben sich zum Ziel gesetzt, mindestens alle zwei Wochen zu tagen. Die nächste Sitzung findet am Montag, 26. Januar 2026, im Landtag statt.

