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Dienstag, 19.11.2019

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16:30 Uhr Datum: 19.11.2019

Teilnahme der Landtagspräsidentin an der Verleihung des Demografiepreises 2019

Festsaal Palais am Fürstenwall, Hegelstraße 42, 39104 Magdeburg

Plenarsitzung

Über die Zukunft der Erwachsenenbildung

Wie kann politische Bildung die Menschen heute erreichen? Wie kann sie Bürger motivieren, Politik und Gesellschaft mitzugestalten? Welche Angebote sind in ländlichen Regionen notwendig? Und wie wirken sich die neuen Medien auf die politische Bildung aus? Dies waren nur einige der vielen Fragen, mit denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums „Vom Labor ins Feld“ am Montag, 14. November, im Landtag beschäftigt haben. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Landesausschuss für Erwachsenenbildung und der Landeszentrale für politische Bildung. 

Das Symposium im Landtag bildete den Abschluss eines Projektes über Zukunftsperspektiven der politischen Erwachsenenbildung. Während der vergangenen zwei Jahre haben landesweit bereits sechs Diskussionsforen zu unterschiedlichen Aspekten des Themas stattgefunden. Nun wurden noch einmal mehr als 60 Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden, Volkshochschulen und Bildungsträgern aus ganz Sachsen-Anhalt in den Landtag eingeladen, um die bisherigen Ergebnisse zu präsentieren, zu bewerten und zu ergänzen. 

Kommunikation mit Bürgern verbessern

Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch erklärte in ihrem Grußwort, politische Bildung müsse als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden. Nur so könne langfristig die Politikverdrossenheit vieler Bürger überwunden werden. Selbstkritisch räumte sie ein, dass auch die Abgeordneten die Art und Weise ihrer Kommunikation mit den Bürgern verbessern müssten. Zwar sei es für Abgeordnete nicht immer einfach, komplizierte Sachverhalte zu erklären und darzustellen, dem Bürger stattdessen einfache Lösungen zu versprechen, führe jedoch auch nicht zum Ziel, so Brakebusch.  

Dr. Rüdiger Fikentscher, Vorsitzender des Landesausschusses für Erwachsenenbildung Sachsen-Anhalt ergänzte: „Die Menschen müssen auf der Höhe ihres Bildungsstandes abgeholt werden.“ Nur wer die Grundregeln der Demokratie kenne, könne seine Rechte auch einfordern. Fikentscher sagte weiter, ungebildeteren Bürgern falle es schwerer, sich in demokratische Prozesse einzubringen, zudem hätten sie oft das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Die Erwachsenenbildung habe keinen leichten Stand, in Zeiten in denen vielen Menschen Shopping wichtiger sei als bürgerschaftliches Engagement.

Den Abschluss der Veranstaltung  bildete ein Podiumsgespräch mit den bildungspolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen. Die zentrale Fragestellung dabei lautete: „Leitbild politische Erwachsenenbildung – Welche Bildung braucht die Demokratie?“

Engagierte Akteure vor Ort stärken

Birke Bull-Bischoff (Die Linke) dachte laut darüber nach, ob die Gebietsreform nicht ihren Teil dazu beigetragen hätte, dass Demokratie für Manche weniger erlebbar wurde. Vielleicht sei damit ein Kreislauf in Gang gesetzt worden, der immer weniger Mitbestimmung ermöglicht habe. Gleichwohl wolle vermutlich niemand die Gebietsreform wieder umkehren, so Bull. Umso wichtiger sei es, die Akteure, die sich vor Ort bereits engagierten zu fördern und zu stärken.

Hierbei könnte es helfen, die Förderstrukturen zu überarbeiten und auch kleinere Projekte und Herzensangelegenheiten finanziell zu unterstützen. Eine große Herausforderung für die Akteure in der Erwachsenenbildung und sie als Abgeordnete sieht sie darin, zunächst einmal einen Zugang zu den Menschen zu finden, die sich abgehängt fühlten und bisher nicht für Politik interessierten.

Muss politische Bildung neutral sein?

Diskutiert wurde auch über die Frage, wie unabhängig politische Bildung sein kann und muss. Sebastian Striegel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) unterstrich, dass politische Bildung für ihn nicht ohne Haltung und Werte auskomme. Er glaube nicht an eine reine Wissensvermittlung. Stattdessen sei es wichtig, den Streit über unterschiedliche Standpunkte auszuhalten und andere Meinungen zu akzeptieren. Striegel sagte: „Politische Bildner [Red.: Menschen die in der politischen Bildung tätig sind] müssen sich nicht als Neutren gebärden.“

Daniel Roi (AfD) kritisierte, dass die Strukturen der politischen Bildung häufig von Parteipolitik beeinflusst würden und dort Menschen tätig seien, die einer bestimmten politischen Richtung nahe stünden. Zudem würden sich Menschen mit ihren Meinungen oft nicht in politischen Entscheidungen wiederfinden. Durch den Erfolg der AfD bei der Landtagswahl im März sei der Landtag „bunter geworden“ und spiegle eine größere politische Bandbreite wider, so der AfD-Abgeordnete.

Politik muss verständlicher werden

„Politik und Politiker müssen authentischer werden“, betonte Prof. Angela Kolb-Janssen (SPD) und reagierte damit auf den Vorwurf, dass Politik zu kompliziert sei, nur wenige Experten überhaupt verstünden, worum es geht und darin ein Grund vieler Bürger für ihr Desinteresse läge. Die SPD-Politikerin gestand ein, dass manche Gesetze tatsächlich nur die verstünden, die sie gemacht hätten. Es sei jedoch auch schwierig, komplexe Sachverhalte einerseits stark zu vereinfachen, sie andererseits aber nicht falsch darzustellen. 

Wenig Geld im Haushalt 2017/18 eingeplant

Ein weiteres Problem sah Kolb-Janssen im aktuellen Haushaltsplan. Sie sei erschrocken, wie wenig Geld für die nächsten zwei Jahre für die politische Bildung eingeplant sei. Hier müsste bei den anstehenden Haushaltsberatungen unbedingt nachverhandelt werden.

In den nächsten Wochen und Monaten wird unter Federführung der Landeszentrale für politische Bildung aus den Erkenntnissen und Ideen des Symposiums ein Leitbild für die Zukunft der Erwachsenenbildung entstehen und veröffentlicht.