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Freitag, 22.06.2018

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Plenarsitzung

Wie steht’s wirklich um den Rotmilan?

Mehr als die Hälfte aller Rotmilane der Welt lebt in Deutschland, besonders viele dieser Greifvögel gibt es in Sachsen-Anhalt. Etwa 2 000 leben zwischen Altmark und Burgenlandkreis. Allerdings ist die Population der Rotmilane in den vergangenen 20 Jahren um etwa die Hälfte zurückgegangen und das Fortbestehen der Vogelart ist ernsthaft bedroht.

Daher beschloss der Landtag 2014, den Rotmilan zukünftig besser zu schützen und unter anderem das Heineaneum in Halberstadt als Kompetenzzentrum für den Rotmilan zu etablieren. Der Ausschuss für Umwelt und Energie informierte sich am Mittwoch, den 13. Juni 2018, vor Ort über die aktuelle Situation des Greifvogels.

Jürgen Barth, Vorsitzender des Umweltausschusses im Landtag, mit einem ersten Fazit auf dem Twitter-Kanal des Landtags @Landtag_LSA.


Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung

„Der Rotmilan liegt uns besonders am Herzen, denn global gesehen trägt Deutschland die größte Verantwortung für diesen Vogel“, betonte Umweltministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sei der Rotmilan besonders streng geschützt, die Ursachen für den Rückgang der Vogelart seien vielseitig, unter anderem kollidiere der Rotmilan häufig mit Windkraftanlagen. Aber auch invasive Arten wie der Waschbär oder fehlende Nahrung (Feldhamster), hätten einen negativen Einfluss auf den Bestand.

Stefan Fischer vom Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (LAU) fügte hinzu, schon kleine Maßnahmen, die heute getroffen werden, könnten langfristig großen Einfluss auf die Population haben – sowohl in die positive als auch die negative Richtung. Derzeit prognostiziere ein Populationsmodell eine Halbierung des Bestandes in den nächsten 50 Jahren, wenn die jetzigen populationsökologischen Parameter beigehalten würden. 

Welche Faktoren beeinflussen den Bestand des Rotmilans? Grafik: Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt

Im Bereich Landwirtschaft gebe es viele Möglichkeiten, um den Rotmilan vor dem Aussterben zu retten, erläuterte Fischer weiter. Einige Stichworte wären hier: Diversifizierung der Anbaukulturen, Begrenzung des Energiepflanzenanbaus und Erhöhung des Kleinsäugerbestandes als Nahrung für Rotmilane. Darüber hinaus sollte die Richtlinie für die Horste während der Brutzeit nach § 28 Naturschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt konsequent umgesetzt sowie bei Windkraftanlagen die Mindestabstandsempfehlungen eingehalten werden.

Warum nimmt der Bestand der Rotmilane auch in Sachsen-Anhalt immer weiter ab? Die Deutsche Wildstierstiftung hat Antworten.Youtube


Rotmilane flüchten in die Städte

Zählungen hätten ergeben, dass die Populationsrate im Harzvorland sogar noch deutlich geringer (etwa 55 bis 60 Prozent) sei, als im Negativszenario des LAU dargestellt, erklärte Martin Kolbe vom Rotmilanzentrum. Das bedeutet, dass schon jetzt auf jeden Fall Rotmilane aus anderen Gebieten nach Sachsen-Anhalt kommen müssten, um die Population überhaupt auf dem derzeitigen Niveau zu halten. Dies belege, dass unser Lebensraum grundsätzlich gutes Potential für die Rotmilane biete, allerdings fehle es an der passenden Nahrung.

Außerdem konnte festgestellt werden, dass immer mehr Rotmilane in der Nähe von oder direkt in Ortschaften brüten (derzeit etwa zwei Drittel). Um die Gründe herauszufinden, wurden in den vergangenen Jahren einige Rotmilane mit GPS-Sendern bestückt. Ergebnis: „Rotmilane nutzen häufig nicht mehr die Äcker zur Nahrungssuche, sondern fliegen direkt in die Ortschaften“, so Kolbe. Dort gebe es natürlich ein erhöhtes Störungspotential, das dann eventuell beim Brüten störe.

Greening-Maßnahmen greifen nicht

Die per GPS gesammelten Daten belegten auch, dass die durch das Land eingeleiteten „Greening“-Maßnahmen noch nicht den gewünschten Erfolg gebracht hätten, erläuterte Kolbe. Die Agrarumweltmaßnahmen in Niedersachsen seien vielfältiger als in Sachsen-Anhalt und damit auch passender für den Rotmilan-Schutz.

Die Mitglieder des Umweltausschusses des Landtag bei einem Fachgespräch im Rotmilanzentrum in Halberstadt. Foto: Stefanie Böhme

  • Was sind die Aufgaben des Rotmilanzentrums?

    • Suche nach Lösung für optimale Nahrungsversorgung für Greifvögel
    • Entwicklung neuer Schutzmaßnahmen
    • Beratung von Landnutzern
    • Zusammenarbeit und Abstimmung mit Behörden, ÄLFF und LAU
    • Öffentlichkeitsarbeit
    • Kommunikation und Kooperation mit nationalen und internationalen Akteuren
    • Inhalte, Methoden und Forschungsergebnisse zum Greifvogelschutz dokumentieren und veröffentlichen

Abschließend erklärte Michael Kolbe, dass das Rotmilanzentrum für eine erfolgreiche Fortsetzung der Forschungsarbeit zukünftig ein höheres Budget benötige. Denn derzeit werde das Geld fast ausschließlich für Personalkosten ausgegeben, es blieben kaum finanzielle Mittel für Sach- und Reisekosten. Zudem werde bisher nur mit von Ehrenamtlich erhobenen Daten gearbeitet. Da es kaum junge Menschen gebe, die sich in diesem Bereich engagierten, könnte es zukünftig eng werden.

Der Ausschuss wird die Belange des Rotmilans im Blick behalten und so weit wie möglich bei den anstehenden Haushaltsplanungen berücksichtigen.

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