Cookies helfen uns bei der Weiterentwicklung und Bereitstellung der Webseite. Durch die Bestätigung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden.

Samstag, 14.12.2019

Keine Termine vorhanden.

Plenarsitzung

Wie steht es um den Wald in Deutschland?

„Deutscher Wald in Gefahr: Behandeln wir unseren Wald systemrelevant oder nicht?“, so lautete der Titel einer von der CDU-Fraktion beantragten Aktuellen Debatte im Mai 2019. Nach den enormen Schäden durch Orkantief Friederike und die Dürre im vergangenen Jahr wurde grundsätzlich über die Zukunft des Waldes debattiert.

In einem Waldstück liegen viel umgestürzte Baumstämme kreuz und quer.
Extremwetterlagen haben den Wäldern in Deutschland in den letzten Jahren übel mitgespielt. Wie können die Wälder besser geschützt werden? Foto: J. Bredehorn/pixelio.de

Millionen Bäume könnten nachgepflanzt werden

Die Stürme und Orkane der letzten Jahre hätten einen erheblichen Schaden in den sachsen-anhaltischen Wäldern hinterlassen, stellte Andreas Schumann (CDU) fest. Monate nach dem letzten Sturm seien die Schäden noch nicht gänzlich behoben. Rund 15 000 Hektar Kahlfläche müsste wiederaufgeforstet werden – sie stünde derzeit nicht mehr als CO2-Senker zur Verfügung. Es bestehe also großes Potenzial für den Klimaschutz.

Vorhandene Holz-Polter sollten jetzt vorsorglich mit Insektiziden behandelt werden, das Personal im Forstbereich dürfe aufgrund der vielen Aufgaben nicht verringert werden. Private Waldbesitzer sollten finanziell entlastet werden, Schumann. Die Mittel zur Beseitigung von Forstschäden sollten im nächsten Haushalt von 500 000 auf fünf Millionen Euro erhöht werden.

Steuererleichterungen nicht in Anspruch genommen

Wälder seien ortsfeste Ökosysteme, die es aufgrund der klimatischen Veränderungen wohl nicht allein über natürliche Prozesse schaffen würden, sich selbst zu regenerieren. Es bedürfe also waldbaulicher Strategien, um den Wald besser an die neuen Klimabedingungen anzupassen, erklärte Umweltministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN). Daher sei ein Forschungsprojekt zur Waldbauplanung in Sachsen-Anhalt initiiert worden.

Die Holzpreise sänken durch hohe Forstschäden, weil zu viel Holz in zu kurzer Zeit zur Verfügung stünde. Nach dem Sturm „Friederike“ habe das Land zur Unterstützung der Forstindustrie im Land für sogenannte Nasslagerplätze (geschlagenes Holz wird künstlich feucht gehalten) 200 000 Meter Festholz konservierend aufgekauft. EU-Fördermittel und Steuererleichterungen für betroffene Waldbesitzende würden jedoch nicht ausreichend in Anspruch genommen.

Bildungsraum und Wirtschaftsfaktor

Nicht erst seit der Romantik sei der Wald eine typisch deutsche unverfälschte Sehnsuchtslandschaft, konstatierte Kerstin Eisenreich (DIE LINKE). 26 Prozent der Landesfläche seien mit Wald bedeckt, darunter mehr Nadel- als Laubwald. Er sei wichtiger Lebensraum, filtere Luft und Wasser, produziere Sauerstoff und reduziere Lärm, zudem sei er auch Bildungsraum und Wirtschaftsfaktor. Nach den erheblichen Sturmschäden müsse das Totholz endlich aus den Wäldern entfernt werden, um den Schädlingsbefall zu reduzieren.

Der Waldzustandsbericht 2018 habe für Sachsen-Anhalt unter anderem einen verschlechterten Kronenzustand und eine deutlich höhere Sterberate der Bäume offengelegt. Eine zeitnahe Umsetzung der Hilfen sei nur im ständigen Dialog zwischen Praxis, Verwaltung, Politik und Forschung möglich. DIE LINKE setze sich derzeit im Bundestag für ein Sofortprogramm zur Unterstützung des Waldbaus in den Ländern ein.

Waldbesitzern unbürokratisch helfen

Als Folge der Sturmschäden machten sich auch immer mehr Holzschädlinge breit (Borkenkäfer, Eichenprozessionsstimmer, Moniermotte), klärte Jürgen Barth (SPD) auf. Wichtig sei, dass den Waldbesitzern möglichst unbürokratisch geholfen werde, damit der Abfluss der Fördermittel besser laufe, so Barth. Gerade jetzt eine Umstrukturierung bei den Forstämtern vorzunehmen, sei das falsche Signal. Der Waldwegebau müsse besser im Blick behalten werden, beispielsweise auch, um die Zufahrt für Löschfahrzeuge im Brandfall zu gewährleisten. Die Zusammenarbeit mit dem Landesbeirat Holz sollte intensiviert werden, um Vorschläge aus diesem Gremium besser in die Tat umsetzen zu können.

Lösbare und unnötige Probleme

Die Bevölkerung des Landes identifiziere sich sehr mit dem Ökosystem Wald, daher sei es auch immer wieder Thema im Landtag, konstatierte Hannes Loth (AfD). Die Forstbetriebe stünden vor lösbaren und unnötigen Problemen (zum Beispiel Ausrichtung der Waldwirtschaft im Land oder die Umstrukturierung in Landesforstbetrieb). Es liege so viel Holz auf Halde, weil es nicht verkauft werden könne, dieses Totholz sei jedoch Wirt für zahllose Schädlinge, so Loth. Den Wald zu schützen und nachhaltig zu bewirtschaften, müsse Anliegen aller im Plenum sein.

Klimawandel ist Schadensursache

„Wer jetzt so tut, als müssten wir alle nur die Ärmel hochkrempeln – verbunden mit den Rufen nach mehr Geld und Personal – der verkennt die Problemlage“, merkte Dorothea Frederking (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN). Denn die Schadensursache in den Wäldern liege beim Klimawandel und nicht bei Umweltministerin Dalbert. Die Ökosysteme würden sich verändern, alles sei im rasanten Umbruch. Der Waldboden sei so extrem trocken, dass man sich heute fragen müsse, wo überhaupt neue Bäume nachgeforstet werden könnten.

„Der Wald ist in seiner Existenz gefährdet“, so Frederking, im Dürrejahre 2018 seien millionenfach Setzlinge von drei Jahren vertrocknet. Zahlreiche Hilfen seien durch das Umweltministerium initiiert worden: die Novellierung der Waldumbaurichtlinie, Zuschüsse für die Beräumung nach Sturmschäden, Steuererleichterungen, Luftbilder, Nassholzlager und Saatgutfreigabe. Für die Zukunft sollten mehr klimabeständigere Mischwälder aufgebaut, zweckmäßige Pflanzverbände begründet und sturmsicherere Waldaußenränder angelegt werden, forderte Frederking.

Beschlüsse wurden am Ende der Aktuellen Debatte nicht gefasst.