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Dienstag, 27.10.2020

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11:00 Uhr Datum: 27.10.2020

Grußwort der Landtagspräsidentin zur Ehrungsveranstaltung "Beste Schülerin in der Alten- und Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Generalistik des Bundeslandes Sachsen-Anhalt" sowie Überreichung der Urkunde

Pfeiffersche Stiftungen, Diakonie Mutterhaus, Pfeifferstraße 10, 39114 Magdeburg

Plenarsitzung

Situation bei den medizinischen Diensten

Die Enquete-Kommission „Die Gesundheitsversorgung und Pflege in Sachsen-Anhalt konsequent und nachhaltig absichern!“ hat sich in ihrer Sitzung am Mittwoch, 16. September 2020, mit der Infrastruktur und der Personalausstattung der medizinischen und gesundheitlichen Versorgung in Sachsen-Anhalt außerhalb der stationären Krankenversorgung befasst. Die Enquete-Kommission hatte sich darauf verständigt, zu diesem Themenkomplex eine Anhörung durchzuführen. Neben den zuständigen obersten Landesbehörden hatten auch Sachverständige die Gelegenheit, ihre Standpunkte zu diesem Thema vorzutragen.

Symbolbild: Blick auf den Eingang zu einer Apotheke.
Zu hören war auch ein Sachstandsbericht aus den Apotheken des Landes. Foto: Marco Petig/pixelio.de

Aus den Wortbeiträge der öffentlichen Anhörung

Laut Krankenhausreport Deutschland gebe es einen massiven Mangel an Fachkräften nicht nur in den Kliniken, sondern auch im medizinisch-technischen Bereich, beispielsweise in der Laborassistenz und der Radiologie, erklärte Anne Scheibe vom Ausbildungszentrum Gesundheitsfachberufe am Universitätsklinikum Halle. Ersatz an Fachpersonal könne nur erzielt werden, wenn jährlich mindestens 40 Auszubildende durch die Lehre gebracht würden, so Scheibe, anderenfalls komme es zu erheblichen Engpässen auch in den Praxen. Die Ausbildungszentren müssten finanziell so ausgestattet sein, dass sie Personal für das ganze Land hervorbringen könnten. Eine Werbekampagne für diese Ausbildungsberufe sei durchaus eine Überlegung wert, so Scheibe. Das Land sei auch in den Bereichen Physiotherapie und Logopädie gefordert. Bei Letzterer soll zukünftig per Studium ausgebildet werden, hierfür müsse das entsprechende Niveau gewährleistet werden. Am MTA-Reform-Gesetzentwurf (2020) der Bundesregierung kritisierte Scheibe eine Verschiebung der Lehrinhalte zu Ungunsten der Theorie.

Seit sechs Jahren stagniere die Zahl der Hausärzte in Sachsen-Anhalt bei circa 1 440 (davon 1 385 in Vollzeit), auch die Arztarbeitszeit sei rapide gesunken, erklärte Stefan Andrusch, Vorsitzender vom Hausärzteverband Sachsen-Anhalt. Der aktuelle Bedarf an zusätzlichen Hausarztsitzen belaufe sich auf 267. Circa 150 Hausärzte seien älter als sechzig Jahre und gingen in den kommenden fünf Jahren in Rente. Es sei angeraten, die Zahl der Medizinstudienplätze deutschlandweit um 15 Prozent zu steigern, auch um die fehlende Arbeitszeit der Teilzeitärzte auszugleichen. Des Weiteren solle die Qualifizierung des Assistenzpersonals vorangebracht werden. Empfohlen wird zudem die Schaffung von hausärztlichen Versorgungszentren (niedergelassener Ärzte) im ländlichen Bereich, um eine Praxis an jedem Werktag geöffnet zu halten; eine Anbindung fachärztlicher Sprechstundentätigkeit vor Ort oder per Telemedizin sei wünschenswert. Die Unterstützung der Ärzt*innen durch die Kommunen wäre gut, schnelles Internet (Videosprechstunde, digitales Terminmanagement, elektronische Patientenakte) sei mittlerweile essenziell.

In den 581 Apotheken im Land arbeiten gut 2 000 Apotheker*innen, resümierte Dr. Jens-Andreas Münch von der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt. Die niedrigschwellige Erreichbarkeit der Apotheken sei bei den Menschen im Land sehr willkommen. Nachwuchs sei auch hier eher Mangelware, so Münch, die in Deutschland ausgebildeten Fachleute könnten den Bedarf der nächsten Jahre nicht abdecken. Apothekenübernahmen gestalteten sich schwierig, viele junge Kräfte scheuten den Weg in die Selbstständigkeit. Apotheken seien ohne Digitalisierung heute gar nicht mehr denkbar, eine flächendeckende Internetinfrastruktur sei also erforderlich. Die individuelle Betreuung der Patienten dürfe aber dennoch nicht vermindert werden, so Münch. Eine zu enge Verknüpfung von Arzt und Apotheke sei juristisch zu hinterfragen. Problematisch gestalte sich auch das Angebot von ausländischen Versandapotheken, diese seien zum Teil nicht an deutsche Gesetze (zum Beispiel Festpreise für verschreibungspflichtige Medikamente) gebunden.

Die Enquete-Kommission wird sich in ihren kommenden Sitzungen weiter mit der nachhaltigen Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt beschäftigen. Am Ende sollen Handlungsempfehlungen für die Landesregierung erarbeitet werden.