Cookies helfen uns bei der Weiterentwicklung und Bereitstellung der Webseite. Durch die Bestätigung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden.

Plenarsitzung

Wie sieht der Wald der Zukunft aus?

04. Feb. 2021

Unter dem Titel „Für die Wälder der Zukunft: Was wir jetzt tun müssen“ hat die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, Prof. Dr. Claudia Dalbert, im Februar-Plenum eine Regierungserklärung abgegeben. Anschließend nahmen die Vertreter*innen der Fraktionen zum Gesagten Stellung und brachten eigene Aspekte in die Debatte ein.

Wald im Herbstlicht

So schön wie dieser Wald sehen nicht mehr alle Wälder in Sachsen-Anhalt aus. Welche Maßnahmen zu ihrer Rettung ergriffen werden können, war Thema einer Debatte im Landtag von Sachsen-Anhalt. Foto: Bernd Kasper/pixelio.de

„Seit 2017 befindet sich die Forstwirtschaft in einer Extremsituation, die niemand erwartet hätte“, konstatierte Umweltministerium Prof. Dr. Claudia Dalbert (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN). Die extremen Wettersituationen (Trockenheit, Hitze) seien Folge der globalen Klimaveränderung. Für die Wälder besonders problematisch sei die extreme Trockenheit gewesen. Die Defizite aus den Sommerniederschlägen konnten in den Wintern der vergangenen Jahre nicht mehr ausgeglichen werden. Daher haben die Waldschäden in Sachsen-Anhalt ein „historischen Ausmaß“ angenommen.

Waldschäden sind dramatisch

Der Schadholzumfang betrage rund 13 Millionen Hektar Festmeter, Sachsen-Anhalt gehöre somit zu den sechs am meisten betroffenen Bundesländern. Der Waldzustandsbericht 2020 weise eine mittlere Kronenverdichtung von 25 Prozent aus, das bedeutet, so Dalbert: „Jedem vierten Baum geht es nicht gut!“, bei den Fichten sei der Schaden besonders hoch. Neben der Klimakrise hätten auch die Menschen, durch den Fokus auf Monokulturen, ihren Beitrag zur dramatischen Situation geleistet.

„Der Wald der Zukunft braucht breitangelegte Hilfe“, betonte die Umweltministerin. Dies geschehe zum einen über den Umbau der Wälder, über Fördermaßnahmen sollen jährlich 17 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Es bedürfe jedoch zudem der richtigen Strategie bei der Wiederaufforstung, die neuen Wälder müssten möglichst robust gegenüber Klimaveränderungen sein. Welche Baumarten das genau sind, sei derzeit noch nicht völlig geklärt, räumte die Ministerin ein, eines sei jedoch klar, die Fichte werde es nur noch an wenigen Orten sein.

Monokulturen haben keine Zukunft

Eine Monokultur wie es sie bis jetzt gab, könne es nicht mehr geben, der Trend gehe eindeutig zum Mischwald. Außerdem sei die Beschaffung von hochqualifiziertem heimischem Saatgut von großer Bedeutung. Der Wald der Zukunft werde allerdings auch dem Wild gefallen, deshalb müssten junge Bäume mit Draht geschützt werden. Ein weiteres Risiko für die nächsten Jahre sei die steigende Waldbrandgefahr, dessen sei sich das Ministerium bewusst und habe entsprechende Maßnahmen zur Früherkennung eingeleitet. Ebenfalls sehr problematisch sei der extrem niedrige Holzpreis, der durch das Überangebot entstanden sei.

Der Wald der Zukunft werde in einigen Teilen auch ein Wildnisgebiet sein, in der sich Flora und Fauna sich frei entwickeln könnten und besonders geschützt würden. Geplant sei das Ziel von 10 Prozent der Waldfläche in den nächsten Jahren zu erreichen. Dagegen würden 90 Prozent der Wälder auch zukünftig bewirtschaftet, denn Holz sei ein wichtiger nachhaltiger Rohstoff, betont Dalbert. Die Potenziale der Holzbauprojekte seien erst 2020 durch die Novellierung der Bauordnung des Landes gestärkt worden. „Wir haben jetzt die einmalige Chance, unseren Wald zukunftssicher zu machen, dabei sitzen Ökologie und Holzwirtschaft in einem Boot“, so die Umweltministerin abschließend.

Geld für Wiederaufforstung reicht nicht aus

Hannes Loth (AfD) unterstrich ebenfalls das Ausmaß der Schäden. Demnach gebe es derzeit etwa 25 000 Hektar baumlose Blößen in den Wäldern Sachsen-Anhalts, das seien umgerechnet etwa 10 Millionen Bäume. Die von der Ministerin in Aussicht gestellten Fördergelder zur Wiederaufforstung  seien daher „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Loth kritisierte, dass die Umweltministerin schon viel früher hätte handeln müssen. In vielen Problemlösungsansätzen seien andere Bundesländer schneller. Zudem mutmaßte der AfD-Abgeordnete, dass der Umweltministerin der Wald, wie er bei  ihrem Amtsantritt existiert habe, einfach nicht in ihr Wald-Bild passe, daher wolle sie unbedingt Veränderungen herbeiführen. Fazit des AfD-Abgeordneten: „Noch weitere fünf Jahre Forstpolitik der Grünen in Sachsen-Anhalt und der Wald ist entwaldet.“

Wirtschaftswald statt „ökosozialistische Paradiese“

Die Wiederaufforstung der Wälder werde etwa 250 Millionen Euro kosten, stellte Bernhard Daldrup (CDU) fest. Es gehe dabei um die Wiederherstellung eines klimaneutralen Wirtschaftswaldes und nicht darum, Forst und Wald gegeneinander auszuspielen. Im Programm der Grünen stehe jedoch „Der Wald steht im Gegensatz zum Forst…“ Der CDU-Abgeordnete führte weiter aus, seine Fraktion habe sich immer dafür ausgesprochen, auch den kleinen Forstbesitz zu fördern. In den vergangenen Jahren sei dies leider nicht ausreichend gelungen.

Wenn die Ziele der Ministerin erreicht werden sollen, „dann müssen wir noch eine Schippe drauflegen“ und bei den kommenden Haushaltsverhandlungen entsprechende Mittel bereitgestellt werden. „Wir brauchen Wirtschaftswald, der natur- und klimaverträglich ist“, so Daldrup. „Ökosozialistische Paradiese“ wie sie von Herrn Wohlleben  (Redaktion: Autor zahlreicher Bücher zum Thema Wald) in seinem Büchern propagiert würden, seien dagegen nicht nötig und mit der CDU-Fraktion nur schwer umsetzbar, deutete er mit Blick in Richtung BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und mögliche Koalitionsverhandlungen nach der Landtagswahl 2021 an.

Menschen bei der Rettung des Waldes mitnehmen

Kerstin Eisenreich (DIE LINKE) erklärte, der klimastabile und zukunftssichere Wald brauche Geld, das sei unzweifelhaft. Die von der Ministerin genannten Förderprogramme seien richtig und wichtig, aufgrund der Vielzahl jedoch für den Nutzer eventuell unübersichtlich. Neben Geld benötige der Wald genügend Fachpersonal. Einverstanden zeigte sich die Linken-Abgeordnete auch mit der zukünftigen verstärkten Nutzung von Holz beim Bauen.

Dabei sollte der Fokus nicht nur auf Einfamilienhäusern liegen, auch öffentliche Gebäude und Gewerbegebäude könnten in Holzbauweise erprobt werden. Eisenreich begrüßte die geplante Einrichtung Innovationshub „Zukunft Holz und Klima“ im Mansfelder Land. Die Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft sei wichtig für die Zukunft des Waldes. Zudem sprach sich die Linken-Abgeordnete für eine breite Öffentlichkeitsarbeit rund um das Thema Wald aus, wie beispielsweise Baumpflanzaktionen.

Ökoleistungen für Waldbauern vergüten

Der Wald erfülle wichtige Aufgaben für das Klima, gleichzeitig sei er ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Sachsen-Anhalt, konstatierte Jürgen Barth (SPD). Bei der Zukunft der Wälder sollten auch die kleinen Besitzer nicht vergessen werden. Barth erinnerte daran, welche Fördermittel es derzeit bereits gibt, um die Waldschäden zu beseitigen. Die bereitgestellten Gelder würden jedoch bei Weitem nicht ausreichen. Im Wesentlichen unterstütze seine Fraktion die Pläne und Ziele der Umweltministerin. Der SPD-Abgeordnete verwies allerdings darauf, dass vorhandene Dopplungen in den Forststrukturen aufgelöst werden müssten. Seiner Meinung nach sollten Ökoleistungen für Waldbauern zukünftig anerkannt und vergütet werden.

Dieses Modell könnte sich auch Dorothea Frederking (GRÜNE) vorstellen. Sie betonte, wenn sich der Klimawandel verschärfe, habe der Wald überhaupt keine Überlebenschancen mehr. Deshalb brauche es die deutliche Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Analog zur Umweltministerin verwies Frederking darauf, dass Mischwälder zukünftig eine deutlich höhere Überlebenschance hätten. Wenn eine Baumgruppe sterbe, bestehe die Hoffnung, dass man mit anderen Bäumen weiter wirtschaften könnte. Die Änderung der Bauordnung  2020 werde von ihrer Fraktion unterstützt, Bauen mit Holz habe Zukunft. Für Frederking ist dennoch klar: Der Erhalt des Ökosystems Wald müsse Vorrang haben vor der wirtschaftlichen Nutzung des Waldes.

Beschlüsse wurden am Ende der Aussprache zur Regierungserklärung nicht gefasst.

Das könnte Sie auch interessieren