Положение о конфиденциальности
Plenarsitzung

Transkript

Wolfgang Aldag (GRÜNE):

Zunächst greift der Antrag ein reales Problem auf. Wir brauchen im Waldumbau Antworten auf den Klimawandel. Wälder müssen widerstandsfähiger werden und wissenschaftliche Erkenntnisse müssen auch in die Praxis umgesetzt werden.

Gleichzeitig konstruiert der Antrag aus meiner Sicht aber ein Problem, das, so wie es formuliert wird, schlichtweg nicht existiert. Er suggeriert, dass Waldökosysteme nicht ausreichend klimaresilient wären, wenn ausschließlich heimische Baumarten verwendet würden. Das ist eine sehr einfache Sicht auf die Dinge.

Klimaresilienz entsteht nicht nur durch einzelne Baumarten, sondern relevant sind Mischwälder mit einer gemischten Altersstruktur, einer genetischen Vielfalt, guter Bodenqualität und Wasserrückhalt. Gerade auf die beiden letztgenannten Faktoren müssen wir den Fokus legen, um den Baumarten gute Bedingungen zum Wachsen zu geben, bevor wir hier nach neuen Arten schreien.

Eine bodenschonende Waldbewirtschaftung ist die Voraussetzung für dauerhaft gesunde und widerstandsfähige Wälder; da ist noch Luft nach oben.

Der Antrag legt den Fokus ausschließlich auf die Forstwirtschaft und vergisst dabei die naturschutzfachliche Perspektive. Der Blick auf die Ökosysteme und die Wechselbeziehungen zwischen den verschiedenen Organismen fehlt vollständig. Was passiert, wenn wir neue Baumarten in ein funktionierendes Ökosystem einbringen? Was verändert sich und welche Folgen hat das? All das wird im Antrag nicht bedacht.

Gerade hier weist die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt ausdrücklich darauf hin, dass die Empfehlungen zur Verwendung der Baumarten ohne langfristige Anbauerfahrungen erfolgen. Das muss man berücksichtigen.

Zu den Begrifflichkeiten. „Heimisch” ist zu strikt, „standortgerecht” soll stattdessen bevorzugt werden. „Gebietsheimisch” darf es auch nicht sein, obwohl dies der Garant für heimische Baumarten ist, deren Saat- und Pflanzgut bereits genetisch-regional angepasst ist.

Schließlich gibt es noch die heimischen, standortgerechten Baumarten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, bitte recherchieren Sie gründlich. Bei solchen Themen alles durcheinanderzuwürfeln, das bringt uns nicht weiter. Hier muss man sorgfältig unterscheiden und präzise formulieren, was eben sinnvoll ist.

Die Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes lehnen wir ab. § 15 ist kein Wunschkatalog für eine flexible Forstpolitik, sondern ein zentrales Instrument der Eingriffsregelung. Ausgleich und Ersatz sollen tatsächlich ökologische Funktionen sichern und wiederherstellen. Wenn jetzt pauschal festgeschrieben werden soll, dass klimaresiliente Waldumbaumaßnahmen grundsätzlich als geeignet gelten, dann besteht die Gefahr, dass der Kompensationsgedanke verwässert wird. Nicht jede Maßnahme, die klimapolitisch sinnvoll erscheint, ist automatisch naturschutzfachlich ausreichend. Der § 15 dient nicht dazu, Waldumbau nach Belieben als Kompensation umdeuten zu können.

Der Kerngedanke des Bundesnaturschutzgesetzes ist es, Natur und Landschaft zu schützen, die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft zu sichern und die biologische Vielfalt zu erhalten. Das wäre natürlich ein gutes Thema für die Diskussion im Ausschuss gewesen. Das wird wohl nichts mehr.

Heute können wir den Antrag nur ablehnen, weil er inhaltlich unausgegoren und insgesamt einseitig aus der Sicht der Forstwirtschaft formuliert ist. - Herzlichen Dank.

(Beifall bei den GRÜNEN)


Vizepräsident Wulf Gallert:

Es gibt ein Fragebegehren von Herrn Heuer. Wollen Sie die Frage beantworten, Herr Aldag? - Ja oder nein?


Wolfgang Aldag (GRÜNE):

Ja.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Das war jetzt meine Frage. - Dann bitte Herr Heuer.


Guido Heuer (CDU):

Lieber Kollege Aldag, wir beide haben des Öfteren mit Frau Tarricone und mehreren aus diesem Hohen Hause Bäume gepflanzt. Dabei waren auch Roteiche und Küstentanne.


Wolfgang Aldag (GRÜNE):

Ja.


Guido Heuer (CDU):

Sie sagen aber, es gebe keine langen Versuche. Die Küstentanne ist in Europa mittlerweile seit dem 18. Jahrhundert, die Roteiche seit dem 19. Jahrhundert eingeführt. Beide gelten als hitzeresistent. Warum kann man das nicht laufen lassen, sondern muss darüber diskutieren? Warum kann man das nicht offiziell tun?

Wir machen es schon. Wir haben es gemeinsam schon getan. Insofern verstehe ich diese Skepsis überhaupt nicht; denn Sie führen genau das fort. Denn das, was Sie gesagt haben, hat Frau Dalbert hier schon gesagt. Sie hat sich diesen Schritten widersetzt. Das tun wir seit zehn Jahren.

Insofern ist es richtig, jetzt zu handeln. Das hat auch nichts mit der letzten Sitzungsperiode zu tun, sondern nur etwas damit, dass, wie Frau Tarricone es gesagt hat, eine Bundesratsinitiative aufs Tapet gebracht und das endlich geklärt wird.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Sie können antworten.


Wolfgang Aldag (GRÜNE):

Vielen Dank für die Nachfrage. - Ich habe nur das zitiert, was die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt auf ihrer Seite geschrieben hat: dass es eben keine Langzeiterfahrungen gibt   das ist deren und nicht meine Aussage - und dass es keine gesicherten Aussagen darüber gibt, wie sich das auf die Ökosysteme auswirkt. Das muss man so hinnehmen.

Natürlich haben Sie es richtig gesagt: Wir waren schon oft gemeinsam bei solchen Waldumbaumaßnahmen dabei. Wir haben alles Mögliche gepflanzt. Das ist richtig so; das kritisiere ich nicht. Das, was Sie verlangen, machen wir schon.

Was man hier, glaube ich, sehen muss: Sie bringen den Waldumbau. Die Eingriffs- und Ausgleichsregelung wollen Sie zusammenführen. Da sehe ich eine große Gefahr, weil die Eingriffs- und Ausgleichsregelung eine andere Funktion als der Waldumbau hat. Das muss man, glaube ich, auseinanderhalten. Oder wir müssen es tatsächlich hier in einem Ausschuss inhaltlich diskutieren. Das können wir aber nicht mehr. Deswegen kommt der Antrag zu spät. Und weil das alles nicht gelöst ist, können wir das heute nur ablehnen.