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Plenarsitzung

Transkript

Katrin Gensecke (SPD):

Vielen Dank. - Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst möchte ich Ihnen für die sachliche Debatte danken, die ganz deutlich gezeigt hat, es gibt diesen gemeinsamen Willen, auch hier in Sachsen-Anhalt, den inklusiven Arbeitsmarkt voranzubringen.

Aber dieser Wille - das habe ich aus allen Fraktionen gehört   muss stärker ins Handeln übergehen. Ich möchte auf den einen oder den anderen Redebeitrag eingehen. Herr Rausch von der AfD, ich finde das sehr spannend. Ich kenne natürlich auch Ihr Wahlprogramm und habe nachgeschaut. Wenn man darin nach dem Begriff „Menschen mit Behinderung“, nicht behinderte Menschen - darauf lege ich Wert - sucht, erscheint zuerst: zu viele barrierefreie Parkplätze. Da wundert man sich. Darüber staunt man ein Stück weit. Inklusion sei ja sowieso Überanstrengung und funktioniere nicht. Dennoch haben Sie hier zum Ausdruck gebracht, dass Sie das ein Stück weit voranbringen wollen, aber Ihr Fokus eher in dem betreuten Bereich und in dem Transfersystembereich der Werkstätten zu verorten ist.

(Oliver Kirchner, AfD: Das müssen wir besser finanzieren!)

Ich möchte an dieser Stelle einmal sagen: Wir als SPD-Fraktion laden seit mehr als zehn Jahren zu sogenannten Werkstatträtekonferenzen ein. In der letzten Konferenz, die wir im Frühjahr haben stattfinden lassen, waren mehr als 100 dieser Werkstatträte/-rätinnen, aber auch der Frauenbeauftragten bei uns in der Fraktion zu Gast. Es hat unheimlich viele gegeben, die gesagt haben: Ja, ich möchte gern auf dem ersten Arbeitsmarkt unterwegs sein, aber mir fehlt einfach dieser Schritt, diese Unterstützung, diese Hilfe und hin und wieder werde ich in meiner Werkstatt ausgebremst. Das ist nicht von mir erfunden worden. Das sind Mitteilungen, die mich regelmäßig telefonisch und auch schriftlich erreichen.

Angesichts dessen muss man schon einmal auf den Auftrag der Werkstatt schauen. Welche Aufgabe hat die Werkstatt eigentlich? - Sie soll die Menschen, die vor Ort sind - einige haben mit Sicherheit auch dort ihren Weg gefunden  , auf den ersten Arbeitsmarkt bringen. Wir haben mit der Verabschiedung des Landesrahmenplans die Möglichkeit gefunden, Bedingungen zu schaffen, damit gemeinschaftlich mit Patenschaften und auch mit Betrieben an dieser Stelle mehr getan wird. Es war wichtig, das an dieser Stelle zu sagen.

Wir merken - auch das habe ich gehört  , dass das Potenzial einfach noch viel zu ungenutzt ist. Nicht nur die Strukturen, sondern die Barrieren in den Köpfen müssen wir abbauen, weil der Zweifel an einer Leistungsfähigkeit viel zu hartnäckig ist.

Frau Hohmann, ich gebe Ihnen recht. Natürlich - das wollen wir voranbringen - muss es eine inklusive Bildungskette geben; das ist die Voraussetzung. Ohne Abschluss kein Berufsbild usw.; das ist völlig klar.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal an die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber appellieren: Schauen Sie bitte auf die positiven Beispiele, die wir haben, unter anderem in Magdeburg, in Ilsenburg - ich habe lange nicht alle aufgezählt   und auch im Erlebnisdorf Arendsee. Machen Sie es nach, übertreffen Sie sich. Denn Inklusion gewinnt, wenn aus diesen guten Beispielen eine breite Bewegung wird und wir Inklusion nicht als das soziale Extra verstehen. Inklusion ist eine der klugen Antworten auf den Fachkräftemangel, den dieses Land spürt. Menschen mit Behinderung bringen die Qualifikation mit. Sie haben die Motivation und auch die Lebenserfahrung; denn viele erwerben ihre Behinderung und ihre chronische Erkrankung erst im Laufe des Lebens. Genau das braucht unsere Arbeitswelt dringend: Erfahrung.

Lassen Sie uns Vorurteile abbauen, Transparenz schaffen und die Programme, die ich auch aufgezählt habe, nutzen, die längst existieren. Sie sind noch viel zu unbekannt. Lassen Sie uns heute ein klares politisches Signal setzen. Wir meinen es ernst mit der Teilhabe und der Chance auf eine inklusive Welt, auf ein inklusives Sachsen-Anhalt. Stimmen Sie dem Antrag zu, für die 4 000 arbeitslosen Menschen mit Potenzial, für die Unternehmen, die händeringend Fachkräfte suchen, und für ein Sachsen-Anhalt, das niemanden zurücklässt, für Thomas, für Karin und für alle Menschen mit Behinderung, die immer in der Warteschleife stehen und gern und gezielt auf dem Arbeitsmarkt unterwegs sein wollen. - Vielen Dank.