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Plenarsitzung

Transkript

Konstantin Pott (FDP):

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Wenn ein Kind nachts plötzlich krank wird oder einen Unfall hat, dann ist schnelle Hilfe notwendig. Die Eltern fragen sich in diesen Momenten nicht, wer am Ende die Zuständigkeit hat oder wie die Finanzierungsmodelle aussehen. In erster Linie wollen sie die Gewissheit, dass gute Hilfe vorhanden und auch erreichbar ist. Gerade deshalb ist die Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen ein im Gesundheitsbereich besonders sensibler Bereich. Unser Anspruch muss es sein, möglichst wohnortnah, qualitativ hochwertig und auch verlässlich erreichbare Versorgung sicherzustellen.

Die Krankenhausreform des Bundes verändert nun die Versorgungslandschaft und die Rahmenbedingungen grundlegend. Ihr Ziel ist es, mehr Qualität durch Spezialisierung und Konzentration von komplexen Leistungen zu erreichen. Diesen Grundgedanken unterstützen wir als FDP ausdrücklich; denn Qualität muss immer die höchste Priorität haben.

Nicht jedes Krankenhaus kann jede Leistung anbieten, deswegen braucht es auch Kooperationen der Krankenhausstandorte. Da haben wir noch Luft nach oben, da ist noch einiges zu tun. Zudem braucht es eine Spezialisierung und Zentralisierung komplexer Behandlungen, weil das am Ende die Behandlungsergebnisse verbessert und auch die Patientensicherheit gewährleistet. Gleichzeitig   das ist der entscheidende Punkt, weswegen wir diesen Antrag heute hier als Koalitionsfraktionen einbringen   müssen die Besonderheiten der Kinder- und Jugendmedizin bei der Umsetzung der Krankenhausreform berücksichtigt werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Kinderheilkunde steht bundesweit und auch in Sachsen-Anhalt unter erheblichem Druck. Seit 1991 gibt es einen Rückgang der Betten in der Kinder- und Jugendmedizin und die Schließung von Stationen der Pädiatrie. Das Problem, das häufig die Ursache dafür ist, ist, dass die pädiatrischen Abteilungen defizitär arbeiten, weil die Rahmenbedingungen nicht so sind, dass sie sich am Ende wirtschaftlich tragen können, auch wenn die Qualität stimmt und wenn Nachfrage da ist. Die sinkenden Geburtenzahlen verschärfen die Situation, und der Fachkräftemangel und schwierige Arbeitsbedingungen erschweren weiterhin die Gewinnung von Kinderärztinnen und Kinderärzten.

Die Fachverbände und die Ärztekammer warnen deshalb auch vollkommen zu Recht vor Versorgungsengpässen. Viele Familien sorgen sich, dass die Wege länger werden und die Versorgung ihrer Kinder gefährdet sein könnte.

Unser Fokus muss deshalb auf die Rahmenbedingungen gehen. Wirtschaftlichkeit muss auch im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin möglich sein.

(Zustimmung bei der FDP und von Guido Heuer, CDU)

Dafür müssen wir zum einen die Pädiatrie gezielt stärken, vor allem aber dafür sorgen, dass es attraktivere Rahmenbedingungen gibt. Bestehende Kooperationen zwischen den Krankenhausstandorten sollten wir weiter ausbauen und auch unterstützen, um neue Versorgungskonzepte zu schaffen und dadurch Versorgung sicherzustellen.

Ein Aspekt, der meiner Fraktion ganz wichtig ist: Am Ende wird die Versorgung von Kindern und Jugendlichen nicht nur im stationären Bereich erbracht; natürlich leisten auch der ambulante Bereich und viele niedergelassene Ärzte einen ganz entscheidenden Beitrag dazu.

(Zustimmung bei der FDP und von Sandra Hietel-Heuer, CDU)

Daher wird es auch darum gehen zu schauen, wie wir diese Bereiche besser verzahnen und wie wir die gesamte Gesundheitsversorgung im Blick haben können. Denn dieser eine Bereich kann am Ende nicht isoliert betrachtet werden.

Telemedizinische Angebote können gerade auch in den ländlichen Regionen dafür sorgen, dass wir die Versorgung sicherstellen können. Neue Versorgungskonzepte sollten wir ausprobieren und natürlich evaluieren und, wenn notwendig und sinnvoll, anpassen und weiterführen. Die Qualität und die Erreichbarkeit müssen im Mittelpunkt stehen.

Bei der stationären Versorgung und der Krankenhausreform müssen wir nun gucken, dass wir Ermessensspielräume bei der Zuweisung von Leistungsgruppen nutzen und am Ende die Besonderheiten als Flächenland abbilden. Die Weiterbildungskapazitäten für Kinderärztinnen und Kinderärzte müssen wir ausbauen, gemeinsam mit der Ärztekammer.

(Zustimmung bei der FDP und von Guido Heuer, CDU)

Wir müssen Anreize schaffen, damit pädiatrische Aufgaben dauerhaft vorgehalten werden können. Es muss sich am Ende für ein Krankenhaus auch wirtschaftlich lohnen, wenn es gute Arbeit macht, wenn es gute Versorgung liefert und wenn die Patienten dorthin gehen. Dafür müssen wir an die Rahmenbedingungen heran, liebe Kolleginnen und Kollegen.

(Zustimmung bei der FDP)

Das Thema, das wir heute besprochen haben, die Kinder- und Jugendmedizin, ist kein Randthema und betrifft keine Randgruppe, sondern die Zukunft unseres Landes. Insbesondere für junge Familien ist es ein Faktor dabei, wie attraktiv das Land gesehen wird. Deswegen bitte ich um Zustimmung zu unserem Antrag, da er eine verlässliche, qualitativ hochwertige und langfristige Versorgung für die Kinder und Jugendlichen im Land forciert. - Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.