Thomas Keindorf (CDU):
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wenn man sich viele Jahre für die Interessen des Handwerks engagiert, auch hier im Landtag, dann weiß man, dass neben der Vermittlung von Grundkompetenzen in der Schule die Stärkung der beruflichen Bildung der Schlüssel für eine gute wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes ist.
(Zustimmung bei der CDU)
Vieles habe ich hier an dieser Stelle bereits gesagt. Manches sage ich heute bewusst noch einmal; denn Bildung und Wirtschaft sind eben zwei Seiten ein und derselben Medaille.
(Zustimmung bei der CDU)
Ja, es hat sich etwas bewegt. Heute ist deutlich klarer, als noch vor einigen Jahren: Die duale Ausbildung ist kein Plan B. Sie ist die Grundlage unserer Wirtschaft in Sachsen-Anhalt.
(Beifall bei der CDU)
Und gerade in ländlichen Regionen hängt daran alles. Wenn der Betrieb keinen Nachwuchs mehr findet, verschwindet nicht nur ein Arbeitsplatz, dann verschwindet Versorgung, dann verschwindet Handwerk, dann verschwindet auch ehrenamtliches Engagement, dann verschwindet ein Stück Leben vor Ort. Und ich stelle nach 15 Jahren im Landtag fest, dass sich das Bewusstsein zugunsten der dualen Ausbildung gewandelt hat.
Auch bei der Berufsorientierung sind wir gemeinsam vorangekommen. Endlich geht es stärker darum, dass junge Menschen Berufe erleben und nicht ausschließlich ein Studium als einzigen Karriereweg wahrnehmen. Die Praktikumsprämie im Handwerk belegt das ist übrigens eine Erfindung aus Sachsen-Anhalt : Junge Menschen können sich eine berufliche Perspektive im Handwerk vorstellen.
Nur einmal ein paar Zahlen dazu: Wir hatten im Jahr 2025 mehr als 1 000 Praktikumswochen hier in Sachsen-Anhalt - verteilt auf beide Kammerbezirke, das ist klar. 45 % aller Praktikanten suchen anschließend den Weg ins Handwerk und beginnen dort eine Ausbildung.
(Zustimmung bei der CDU)
Ich möchte noch etwas obendrauf setzen: Darunter sind zunehmend Mädchen. Seit drei Jahren steigt der Anteil der Mädchen im Handwerk kontinuierlich an, und das nicht nur im Friseurberuf, sondern auch in den technischen Berufen Tischler, Mechatroniker oder anderen Berufen.
(Zustimmung bei der CDU)
Ich denke, das ist ein großartiger Erfolg für unser Land. Die beiden Landesprogramme BRAFO und Praxislerntage setzen ebenfalls an der richtigen Stelle an. Aber aus Unternehmersicht sage ich auch: Sie müssen besser miteinander verzahnt werden. Was hindert einen Betrieb heute daran, mehr auszubilden? Es ist nicht die mangelnde Bereitschaft. Auf die Rahmenbedingungen vor Ort kommt es an.
Wenn junge Menschen in der Schule zu wenig darüber erfahren, was Unternehmertum bedeutet, wenn Verantwortung und Selbstständigkeit nicht positiv vermittelt werden, dann brauchen wir uns nicht darüber zu wundern, wenn am Ende keiner mehr Betriebe übernehmen will.
(Zustimmung bei der CDU und von Kathrin Tarricone, FDP)
Das Handwerk lebt davon, dass jemand sagt: Ich mache das, ich übernehme Verantwortung. - Dieses Bild, meine Damen und Herren, gehört auch in den Unterricht, in die Klassenzimmer. Die Koalition unter der Führung der CDU hat das erkannt und die Überarbeitung des Fachlehrplanes für das Gymnasium „Wirtschaftslehre“ auf den Weg gebracht, um auch hierfür nur ein positives Beispiel zu nennen.
(Zustimmung bei der CDU)
Wir sind überzeugt davon: Ein Pflichtfach Wirtschaft trägt zu einem besseren Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge und selbstbestimmten Lebens bei.
Zur Stärkung der dualen Ausbildung gehören auch gute Rahmenbedingungen an den Berufsschulen im Land; denn Ausbildung darf nicht an Kreisgrenzen oder bürokratischen Vorgaben der Verwaltung scheitern. In einer aktuellen Bildungsketten-Umfrage der gewerblichen Kammern in Sachsen-Anhalt vom März dieses Jahres benennen rund ein Drittel der Auszubildenden die Fahrtkosten zur Berufsschule und fehlende Wohnheimplätze der Schulträger als Bremsklotz für eine gute Ausbildung. Das darf nicht passieren, und Auszubildende dürfen finanziell nicht zusätzlich belastet werden.
Wir haben mit der Änderung des Schulgesetzes und dem Standorterlass für Berufsschulen wichtige Schritte unternommen, um jedem jungen Menschen, der im Land eine Ausbildung beginnen will, diese auch zu ermöglichen.
(Zustimmung bei der CDU)
Dieser Weg muss konsequent fortgesetzt werden. Die Berufsschulrichtlinie RabAz ist fällig und muss zeitnah an die aktuellen Lebensbedingungen der Auszubildenden angepasst werden.
Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:
Herr Keindorf, kommen Sie bitte zum Schluss.
Thomas Keindorf (CDU):
Das wird jetzt knapp. Ich bemühe mich, Herr Präsident.
Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:
Nein, Herr Keindorf, bitte kommen Sie zum Schluss.
Thomas Keindorf (CDU):
Liebe Kolleginnen und Kollegen! In den zurückliegenden Jahren habe ich im Landtag viele konstruktive Debatten erlebt, viel Verständnis für die Probleme. Wenn wir es ernst meinen mit der Fachkräftesicherung, wenn wir wollen, dass Betriebe weiter ausbilden, wenn wir wollen, dass junge Menschen im Land bleiben, dann dürfen wir an dieser Stelle nicht nachlassen. Ich bin überzeugt davon, dass die neue Landesregierung unter der Führung der CDU die Probleme anpacken und auch weiter lösen wird.
(Zustimmung bei der CDU - Lachen bei der AfD)
Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:
Danke, Herr Keindorf. - Herr Tillschneider hat eine Frage.
Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):
Ja, und zwar habe ich eine kleine Nachfrage. Sie haben gesagt und es als Erfolg verbucht, dass der Frauenanteil in klassischen Handwerksberufen ansteigt. Mir persönlich ist es eigentlich schnuppe, ob der Anteil bei 10 %, 20 %, 30 %, 40 %, 50 %, 60 % liegt. Weshalb soll es denn gut sein, wenn der Frauenanteil in diesen Berufen ansteigt?
(Heiterkeit bei der CDU, bei der Linken, bei der SPD, bei der FDP und bei den GRÜNEN)
Thomas Keindorf (CDU):
Erstens weil wir wahrscheinlich mit der männlichen Klientel die Auslastung der Ausbildungsplätze nicht mehr absichern können.
(Zustimmung bei der CDU und bei der SPD)
Zweitens. Gehen Sie einfach einmal in einen Betrieb, in dem eine junge Frau als Kfz-Mechatronikerin ausgebildet wird. Wenn Sie erleben, mit welchem Enthusiasmus und mit welchem Engagement die junge Dame in diese Ausbildung einsteigt, dann geht Ihnen das Herz auf.
(Zustimmung bei der CDU und bei der SPD)
Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:
Danke, Herr Keindorf.
Thomas Keindorf (CDU):
Ein letzter Satz, Herr Präsident?
Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:
Ja.
Thomas Keindorf (CDU):
Da ich mich heute auch vom Parlament verabschiede, möchte ich meine Rede gern mit einem Satz beenden, den ich sonst nur an den Schluss meiner Festreden der Meisterfeiern stelle. Ich sage zu Ihnen: Gott schütze das ehrbare Handwerk! - Herzlichen Dank.

