Konstantin Pott (FDP):
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Wir brauchen in der Pflege jede Fachkraft. Aktuell ist es so, dass Pflegekräfte häufig von Patient zu Patient eilen, sich nicht viel Zeit nehmen können. Die Dienstpläne sind eigentlich immer auf Kante genäht. Am Wochenende kommt gern spontan der Anruf, dass Aushilfe benötigt wird. Wenn man dann mit der Arbeit am Menschen fertig ist, dann kommt noch viel bürokratischer Aufwand, viel Bürokratie hinzu.
Ich glaube, wir sind es unseren Pflegekräften schuldig, und zwar gerade weil wir jede brauchen, dass wir für Attraktivität sorgen und in allererster Linie auch bürokratische Entlastungen schaffen, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Aber wir wollen heute über die generalistische Pflegeausbildung sprechen. Es ist sinnvoll, darüber zu diskutieren, weil wir jede Fachkraft brauchen. Jetzt kommt der Vorschlag, diesen Schritt rückgängig zu machen und die generalistische Pflegeausbildung abzuschaffen und wieder zu dem vorherigen Ausbildungssystem zurückzukehren.
Ich habe in den letzten Monaten und Jahren sehr, sehr viele Pflegeeinrichtungen besucht. Ich habe, so glaube ich, in jeder Pflegeeinrichtung die Frage gestellt, wie die Erfahrungen mit der generalistischen Pflegeausbildung sind, ob man sich Änderungen wünscht oder ob es Verbesserungen gab. Ich habe tatsächlich von keiner einzigen Einrichtung gehört, dass man sich einen Schritt zum alten Ausbildungssystem zurück wünscht. Vielmehr werden Vorteile in der generalistischen Pflegeausbildung gesehen. Ich habe also tatsächlich einen anderen Eindruck.
Das heißt allerdings nicht, dass die generalistische Pflegeausbildung perfekt ist. Vielmehr gibt es definitiv noch Optimierungspotenzial. Ich möchte ein paar Stichpunkte einbringen. Ein Punkt, der immer wieder genannt wird, ist, dass sich die Ausbildungseinrichtungen wünschen, mehr Zeit für den Azubi zu haben.
Durch die Praxiseinsätze sind die Azubis viel in anderen Einrichtungen unterwegs und bekommen unterschiedliche Eindrücke. Das ist prinzipiell gut, aber dadurch geht die Bindung zum eigentlichen Ausbildungsbetrieb verloren. Das ist eine Sache, bei der man z. B. ansetzen kann. Damit mehr Zeit in der Einrichtung zur Verfügung steht, die diese Fachkraft ausbildet. Das würde, glaube ich, für alle Betroffenen am Ende eine Verbesserung sein.
Ein weiterer Punkt sind die Praxiseinsätze insgesamt, die sehr stark reglementiert sind. Es ist festgelegt, was gemacht werden muss, welche Bereiche abgedeckt werden müssen. Es führt in der Praxis zu Stress, diese ganzen Bereiche wirklich abzudecken. Und es führt dazu, dass die Azubis nicht die Freiheit haben, sich manche Dinge ein wenig genauer anzuschauen, und sich Bereiche, die für sie vielleicht nicht so interessant sind, nicht so intensiv anzuschauen. Ich glaube, an dieser Stelle können wir mehr Flexibilität schaffen und den Azubis mehr Freiheit geben. Das wäre eine sinnvolle Verbesserung, die wir schaffen können.
Ein dritter Punkt betrifft die Spezialisierung. Es wurde angesprochen, dass man gerade im dritten Ausbildungsjahr die Spezialisierungsmöglichkeiten, die es aktuell gibt, noch mehr forcieren könnte. Man könnte noch mehr ins Detail gehen und noch mehr Möglichkeiten schaffen, um eine Spezialisierung voranzutreiben. Das würde zum einen zu mehr Flexibilität führen und zum anderen zu mehr Spezialisierungen und mehr Qualität. Deswegen wäre das, so glaube ich, eine sinnvolle Sache.
Ich möchte aber vor einer Sache warnen, und zwar jetzt mit den Abbrecherquoten zu kommen und diese als Argument dafür zu bringen, dass wir eine Rolle rückwärts machen und wieder zum alten Ausbildungssystem zurückgehen. Weswegen halte ich das für eine falsche Argumentation? - Die Anforderungen und die Qualitätsstandards, die wir in der Pflege haben, sind in den letzten Jahren gestiegen und das merkt man bei den Anforderungen, die es an die Pflegefachkräfte gibt.
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich finde es richtig, dass wir sagen. Uns ist die Qualität in der Pflege nicht egal, sondern wir wollen in Deutschland eine qualitativ hochwertige Pflege.
Vizepräsident Wulf Gallert:
Herr Pott, wir wollen irgendwann fertig werden.
Konstantin Pott (FDP):
Mir wurde keine Zeit angezeigt. Ich hatte keine Uhr.
(Lachen bei der CDU)
Vizepräsident Wulf Gallert:
Dass ist alles wegen der Ministerin passiert, ich weiß. Das ist jetzt völlig in Ordnung.
Konstantin Pott (FDP):
Ich bringe den Punkt noch kurz zu Ende. - Genau deswegen ist uns eine gute Qualität in der Pflege nicht egal. Natürlich führen die gestiegenen Anforderungen dazu, dass diese Ausbildung nicht jeder schafft. Wir haben bereits unterschiedliche Dinge auf den Weg gebracht, um diese Leute trotzdem in der Pflege zu halten. Ich finde, das ist der richtige Ansatz. - Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

