Kathrin Tarricone (FDP):
Frau Präsidentin! Hohes Haus! Lassen Sie mich mit einer Geschichte aus meinem Heimatkreis beginnen, aus dem schönen Mansfeld-Südharz. Dort arbeitet Schäfer Ronny H. mit 500 Schafen. Diese Schafe pflegen eine Kulturlandschaft. Diese Schafe leisten hochwertige Naturschutzarbeit. Jetzt müssen Ronny H. und seine Kollegen geschützt werden, nämlich davor, dass Wölfe die Herden angreifen und die Leute verunsichern.
(Beifall bei der FDP)
Ich bleibe jetzt nur einmal bei den Weidetierhaltern. Wir könnten dieses Thema ausweiten auf Waldkindergärten; auch dazu habe ich mich schon geäußert. Wenn ich heute mit Ronny H. rede, dann spüre ich bei ihm nicht nur seine Leidenschaft für die Schäferei, sondern eben auch Sorgen. Zum Glück ist noch kein Wolf in seine Herde eingedrungen. Aber er bespricht das mit seinen Kollegen und die berichten ihm natürlich von gerissenen Tieren, von aufgeschlitzten Kehlen, von panischen Herden und von dem Entsetzen am frühen Morgen, wenn die Leute auf die Weide kommen.
(Beifall bei der FDP - Zustimmung bei der CDU und von Elrid Pasbrig, SPD)
Diese Angst fährt jeden Tag mit zur Weide. Wollen wir denn wirklich warten, dass das auch noch bei Ronny H. passiert? Wollen wir wirklich Existenzen aufs Spiel setzen? - Wir als Freie Demokraten sagen ganz klar Nein.
(Beifall bei der FDP)
Wir stehen an der Seite der Tierhalter und der Landwirte. Wir sagen ebenso klar: Wer Weidetierhaltung möchte, der muss dafür auch Verantwortung übernehmen.
(Beifall bei der FDP)
Der Wolf soll sich nicht unkontrolliert ausbreiten. Wir brauchen einen vernünftigen Umgang mit ihm, der für Mensch und Tier tragbar ist. Dafür braucht es klare Regeln, dafür braucht es das Jagdrecht.
(Beifall bei der FDP - Zustimmung von Michael Scheffler, CDU)
Und ja, das mag nicht in jede romantische Vorstellung vom Wolf passen, aber Politik darf keine Märchenstunden halten, sondern muss sich an der Realität orientieren.
(Beifall bei der FDP- Hendrik Lange, Die Linke: Das heißt aber auch, Wissenschaft und Zahlen zu akzeptieren!)
Genau deswegen ist die Aufnahme des Wolfes in das Landesjagdgesetz der richtige Schritt. Er soll nun Klarheit schaffen, wo bis heute Unsicherheit herrscht. Es kann in Zukunft Tier und Mensch, Natur und Wirtschaft schützen. Nur so sichern wir die Akzeptanz für den Wolf langfristig
(Beifall bei der FDP)
und halten den Spagat zwischen den Wunschvorstellungen mancher Stadtbewohner und ländlicher Wirklichkeit aus.
(Beifall bei der FDP - Hendrik Lange, Die Linke: Populismus! - Guido Kosmehl, FDP: Was hat das mit Populismus zu tun?)
Ich sage es ganz klar: Es geht uns nicht vorrangig darum, eine einfachere Entnahme von Problemwölfen voranzubringen. Wölfe sind Raubtiere.
(Beifall bei der FDP)
Sie werden in einer dicht besiedelten Kulturlandschaft deutlich schneller Probleme machen als in den Weiten Alaskas. Hören wir also mit der Schublade „Problemwolf“ auf. Wir brauchen ein Instrument, um den Wolfsbestand im Zaum zu halten. Wir brauchen die reguläre Jagd. Wir Freien Demokraten vertrauen unseren Jägern, dass sie das auch verantwortungsvoll machen können.
(Zustimmung bei der FDP und bei der CDU)
Warum? - Sie haben eine hochwertige Ausbildung durchlaufen und beweisen, dass sie Tierschutz, Naturschutz und Wildbiologie können und Sachverstand haben. Das erzähle ich nicht einfach einmal so theoretisch hier vom Pult im Plenum aus. Diese Ausbildung habe ich selber durchlaufen und ich habe jahrelang als Jagdprüferin gearbeitet.
Jäger sind geerdete Praktiker, die Verantwortung für das Gleichgewicht in der Natur übernehmen. Wir trauen unseren Jägern eine faire Regulierung des Wolfsbestandes zu, weil sie keine Feinde der Natur sind, sondern deren Kenner, Bewahrer und Partner.
(Zustimmung bei der FDP und bei der CDU)
Aus unserer Sicht spricht nichts dagegen, Wölfe in bestimmten Gebieten stärker zu bejagen, z. B. dort, wo Weidetierhaltung Deiche schützt. Und auf gar keinen Fall, lieber Herr Lange, darf mit dem Management gewartet werden, bis zunächst alle potentiellen Reviere besiedelt sind.
Auf längere Sicht wollen wir Freien Demokraten eine klare Trennung der Rechtskreise erreichen.
Geschätzte Kollegen! Freiheit braucht Ordnung und Ordnung braucht Mut zur Entscheidung. Wir helfen Entscheidungen gern mit auf den Weg, die Rechtssicherheit schaffen.
(Zustimmung bei der FDP)
Deshalb lassen Sie uns im Landwirtschaftsausschuss noch über die Dinge sprechen, die jetzt noch ein bisschen kompliziert ausgedrückt sind. Ich denke dabei an die wildernden Katzen und Hunde. Auch die Regelung zur Wildschadensregelung oder das Agreement, das die Verbände aus dem ländlichen Raum getroffen haben, sollten wir aufnehmen.
(Guido Kosmehl, FDP: Und den Goldschakal!)
Und wir werden uns dafür einsetzen auch das hat meine Kollegin schon gesagt , dass die Jagdgenossenschaften möglichst kostenfrei Geobasisdaten bekommen.
Ich bedanke mich recht herzlich und empfehle uns weiterhin eine sachliche Diskussion und ich freue mich auf die Beratung im Ausschuss. - Vielen Dank.
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Vielen Dank, Frau Tarricone. - Es gibt eine Nachfrage von Herrn Schröder.
Florian Schröder (AfD):
Eine Zwischenintervention. - Ich muss jetzt einmal eingreifen. Sie können sich sicherlich an das Jahr 2022 erinnern, als wir als AfD-Fraktion den Antrag gestellt haben, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, und zwar nicht, wir ihn als Trophäe an der Wand haben wollten, sondern weil wir die Weidetierhalter schützen wollten. Damals haben Sie mit Großplakaten gesagt: Ja, wir machen das, wir nehmen den Wolf ins Jagdrecht auf.
(Guido Kosmehl, FDP: Ja!)
Sie haben aber dann im Ausschuss vier Jahre lang dafür gesorgt, dass das Thema immer wieder von der Tagesordnung kam. Das ist Ihre FDP-Politik, und nichts anderes.
(Guido Kosmehl, FDP: Jetzt kommt es!)
Die AfD hat das gefordert, und zwar nicht dafür, dass wir den Wolf
(Guido Kosmehl, FDP: Sie haben kein Gesetz vorgelegt!)
- Was? Wir haben kein Gesetz vorgelegt? Das ist aber lächerlich. Also, das muss ich Ihnen jetzt noch einmal sagen: Das ist eine absolute Katastrophe, was Sie hier machen.
(Zustimmung bei der AfD)
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Frau Tarricone, bitte.
Kathrin Tarricone (FDP):
Herr Schröder, das ist überhaupt keine Katastrophe.
(Florian Schröder, AfD: Doch!)
- Nein. - Ich habe mich jetzt in meinem Redebeitrag vor allem auf den Wolf bezogen.
(Florian Schröder, AfD: Sie haben es ständig abgelehnt!)
Der zuständige Minister hat noch eine Reihe anderer Dinge genannt, die das Jagdgesetz jetzt mit verbessert und auf die Reihe bringt. Dafür brauchte es ein Eckchen. Und ja, wenn Sie mich schon fragen, ich hätte es lieber früher gehabt. Aber jetzt sind wir so weit. Freuen uns doch alle und verhelfen diesem Landesjagdgesetz auf den Weg. - Vielen Dank.
(Zustimmung bei der FDP und bei der CDU)
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Vielen Dank, Frau Tarricone.

