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Plenarsitzung

Transkript

Katrin Gensecke (SPD):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Antrag, über den wir heute sprechen, trägt die Überschrift „Frühkindliche Bildung ernst nehmen“. Genau das tun wir doch im Land, und zwar nicht nur mit Überschriften, sondern mit ganz konkreter Politik, und zwar mit unserem Kinderfördergesetz, über das wir noch heute beraten und es beschließen wollen, dem Programm „Kita Stabil“, mit hohen Qualitätsstandards und mit hervorragend ausgebildeten Fachkräften für unsere Kitas. In den Kitas werden die Grundlagen für frühkindliche Bildung und Betreuung auf höchstem Niveau organisiert. Unsere ausgebildeten Fachkräfte übernehmen jeden Tag mit viel Herzblut, mit Einsatz, mit hohem Engagement, Fachwissen und Kompetenz Verantwortung für die gute Entwicklung unserer Kleinsten im Land.

Der AfD-Antrag will offene pädagogische Konzepte in unseren Kitas abschaffen und stattdessen verpflichtend ein einziges festes pädagogisches Modell verbindlich für die Kitas vorschreiben. Sie wollen geschlossene Gruppen, feste Tagesstrukturen und verbindliche Abläufe. Das klingt nach Ordnung, Kontrolle, Vereinheitlichung, aber nicht nach moderner, gerechter und vor allen Dingen funktionierender moderner Bildungspolitik.

(Beifall bei der SPD)

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere Kinder sind keine identischen Bausteine oder Puzzle, die man in gleiche Formen pressen kann. Unsere Kinder sind kleine Persönlichkeiten. Sie sind neugierig, sie sind unterschiedlich und sie sind einzigartig, aber sie sind keine kleinen Erwachsenen. Offene Konzepte in den Kitas gehen von den Bedürfnissen der Kinder aus und nicht von der Sicht der Erwachsenen. Sie ermöglichen Individualität, fördern Selbstständigkeit und vor allem auch soziale Stärke. Und ja, es gibt keine festen Kindergartengruppen mehr, sondern offene Gruppen. Alle Kinder in der Kita können sich begegnen, und zwar egal in welcher Altersstruktur.

Die Kinder haben in den Kitas Zugang zu allen Räumen und das ist gut. Es gibt nicht nur einen Raum, sondern Funktionsräume, die einer bestimmten Aktivität oder Aufgabe zugeordnet sind. Es gibt Bewegungs-, es gibt Essens-, es gibt Kreativ- und auch Spielecken. Die Kinder können selbst entscheiden, mit wem sie spielen möchten, was sie tun möchten, ohne dass es ihnen aufgezwungen wird: jetzt müssen alle spielen, jetzt müssen alle basteln, jetzt müssen alle schlafen.

Kinder sollen täglich nach Lust und Laune selbst entscheiden können, wo und mit wem sie spielen. Sie können in ihrem eigenen Tempo und nach ihren eigenen Interessen unterwegs sein. Keinem Kind wird etwas aufgezwungen.

Die pädagogischen Fachkräfte sind Begleiter, Ansprechpartner und bieten Unterstützung im täglichen Lernprozess. Eines muss man an dieser Stelle ganz deutlich sagen: In offenen Konzepten gibt es selbstverständlich auch Bezugserzieherinnen und Bezugserzieher. Jeder hat seine zuverlässige Ansprechperson, die Sicherheit gibt, die Bindung ermöglicht und die sie bei der Entwicklung begleitet. Offene Arbeit bedeutet nicht Beliebigkeit, sie bedeutet pädagogische Freiheit auf der Basis klarer Verantwortlichkeiten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eltern sehen das und sie wissen, dass das gut funktionieren kann; denn gerade Kitas mit offenen und innovativen Konzepten sind sehr nachgefragt und es gibt an der einen oder anderen Stelle sogar Wartelisten. Familien entscheiden sich bewusst für diese Einrichtungen, weil sie dort erleben, dass ihr Kind mit seinen Stärken, mit seinen Bedürfnissen, mit seiner Neugier Spielräume erhält und damit auch einmal im Mittelpunkt steht.

Darum sagen wir ganz klar: Frühkindliche Bildung ernst nehmen, heißt auf Qualität zu vertrauen, nicht auf Gleichschaltung. Es heißt, die Arbeit unserer Fachkräfte zu stärken und sie nicht zu bevormunden.

(Zustimmung von Dr. Katja Pähle, SPD)

Das heißt, den Kindern die Freiheit zu geben, die sie brauchen, um zu starken, selbstbewussten Menschen heranzuwachsen, ohne strenge Zucht- und Ordnungsmaßnahmen.

Manchmal wundert man sich schon darüber, wo die AfD überall linken Mainstream wittert - wahrscheinlich bei den Kleinsten in der Kita. Man versteht schon, warum sie genau in diesen Kitas schon sehr frühzeitig zu eigenständigem Denken erzogen und gefördert werden.

Wenn Eltern das offene Konzept nicht mögen, dann können sie jederzeit eine andere Kita wählen. Vor diesem Hintergrund lehnen wir diesen Antrag ab. Wir stehen für Vielfalt, Vertrauen und eine Pädagogik, die Kinder stark macht, und zwar von Anfang an. - Vielen Dank.