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Sonntag, 22.09.2019

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Plenarsitzung

Transkript

Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Nach der sehr emotionalen Rede des Bildungsministers will ich versuchen, die Dinge ein bisschen zu versachlichen und auf den Punkt zu bringen.

(Zuruf von der LINKEN: Versachlichen! Ja!)

Ja, Schule treibt uns um, insbesondere die Tatsache, dass wir uns ein neues Schuljahr wünschen, in dem nicht Unterrichtsstunden ausfallen. Und ja, wir wollen die Probleme lösen. Das machen wir nicht erst heute mit dieser Debatte, sondern das haben wir in vielen Debatten zu Themen wie Unterrichtsversorgung und Sprachlehrer auch in den vergangenen Monaten getan.

Ich bin froh, dass auch der Finanzminister heute in seiner Rede zum Haushalt die Bildungspolitik an die erste Stelle gestellt und hiermit zum Ausdruck gebracht hat, dass uns gute Bildung tatsächlich auch etwas wert ist.

Gut ist die Botschaft des Ministers, die ich eben vernommen habe, dass wir bisher alle Stellen besetzt haben. Aber ich glaube, die Betonung liegt auf dem Wort bisher. Das, was uns im Hohen Hause umtreibt, ist die Sorge, dass wir die Lehrerstellen, die wir in diesem Jahr besetzen können - Sie haben eine konkrete Zahl genannt -, nicht mit unseren eigenen Absolventen und Referendaren abdecken können, weil es einfach zu wenig sind.

Sie haben gesagt, dass die Situation nicht befriedigend ist, weil nur 75 % derjenigen, die in Sachsen-Anhalt ein Referendariat absolvieren, sich tatsächlich auf eine Stelle in Sachsen-Anhalt bewerben. Die spannende Frage für mich ist: Warum ist es denn so? Meine Erfahrung ist, dass ich bisher von allen, die ich getroffen habe, gehört habe, sie würden gern hier in Sachsen-Anhalt bleiben. Deshalb müssen wir herausfinden, woran es liegt, dass sich tatsächlich nicht alle auf die Stellen bewerben.

Wenn wir aufgrund der Ausschreibungstermine zu spät sind, müssen wir so flexibel und schneller als die anderen sein und so früh wie möglich ausschreiben. Deshalb ist es mir, ehrlich gesagt, völlig egal, ob wir ein, zwei, drei, vier oder noch mehr Einstellungstermine im Jahr haben. Andere Bundesländer haben mittlerweile völlig auf feste Einstellungstermine verzichtet, sondern sie schreiben dann aus, wenn Bedarfe bestehen, um die Stellen schnellstmöglich wieder besetzen zu können. Sie haben dabei Verfahren gefunden, dass die Schulen dabei einen wesentlich höheren Anteil der Mitwirkung haben, als das bisher bei uns der Fall ist.

Deshalb ist es völlig richtig, wir brauchen flexible Instrumente. Deshalb bin ich froh, dass wir mit dem Alternativantrag der Koalitionsfraktionen die Weichen gestellt und Wege aufgezeigt haben, in welche Richtung es gehen muss. Das bedeutet mehr Flexibilität.

Ich bin froh, dass vonseiten des Ministers die klare Botschaft kam: Es reicht nicht aus, hier im Plenum zu sagen, wir garantieren allen Referendaren eine Stelle an einer Schule in Sachsen-Anhalt. Wir müssen tatsächlich mit jedem Einzelnen schon während des Referendariats reden und konkrete Angebote machen, damit auch die Botschaft bei jedem Einzelnen ankommt, dass wir wollen, dass sie hier bleiben, bei uns im Schuldienst arbeiten und wir ihnen hier konkrete Perspektiven bieten.

Die Einstellungsmöglichkeiten werden in diesem Jahr höher liegen als die Zahl der Absolventen. Es passt auch nicht überall, weil wir mittlerweile wissen, dass viel mehr Referendare ein Referendariat für die gymnasiale Oberstufe gemacht haben, die aber die Bedarfe heute schon im Sekundarschulbereich haben und bestimmte Stellen an den Sekundarschulen nicht mehr besetzt werden können.

Deswegen müssen wir uns mit dem Thema Seiten- und Quereinsteiger intensiv auseinandersetzen. Das hat aus meiner Sicht auch nichts damit zu tun, dass wir die Qualität aufgeben. Wir müssen Konzepte entwickeln, wie eine berufsbegleitende Qualifizierung von Seiten- und Quereinsteigern möglich ist.

Das Bildungsministerium hat ein Konzept vorgelegt. Darüber werden wir in der nächsten Ausschusssitzung diskutieren und gemeinsam überlegen, wie wir die Strukturen so gestalten können, dass es passfähig ist und wir die Vereinbarungen im Rahmen der Kultusministerkonferenz hierbei mit beachten.

Sehr geehrter Herr Minister, Sie haben völlig recht. Wir werden auch andere Wege gehen müssen. Wir sind gespannt auf Ihre Ideen und Konzepte und wir begleiten Sie auch weiterhin gern auf diesem Weg. - Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD)