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Sonntag, 16.06.2019

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11:00 Uhr Datum: 16.06.2019

Landtagspräsidentin beim LandFrauenverband Sachsen-Anhalt

Grußwort als Schirmherrin zum Aktionstag „Hereinspaziert in lebendige Dörfer“ des LandFrauenverbandes Sachsen-Anhalt
Handelsgärtnerei van Ameron, Hinterdorfstraße 3, 39343 Ostingersleben

Plenarsitzung

Transkript


Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/3252

Alternativantrag Fraktionen CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drs. 7/3311



Einbringer wird hier der Abg. Herr Dr. Tillschneider sein. Sie haben das Wort, Herr Dr. Tillschneider.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die deutsche Sprache in ihrem Reichtum, ihrem Differenzierungsvermögen, ihrer Bedeutungstiefe und ihrer Unverfälschtheit ist der höchste Ausdruck deutscher Identität. Sie hat literarische und philosophische Meisterleistungen ermöglicht. Sie ist schön. Ihr Schutz gehört seit Gründung der AfD zu den vornehmsten Zielen unserer Partei. Deshalb haben wir heute diesen Antrag eingebracht. Denn seien Sie versichert, wir werden die mutwillige Verhunzung unserer Sprache durch Feministen und Genderisten nicht widerspruchslos hinnehmen.

(Beifall bei der AfD)

Zu den grundlegenden Erkenntnissen der seriösen Sprachwissenschaft gehört erstens die Einsicht, dass wir die Konventionen der Sprache weder bewusst schaffen noch ändern können, und zweitens die Einsicht, dass Sprache auch immer Ausdruck von Mentalitäten, Werten und Weltbildern ist. Beides wird von der feministischen Sprachwissenschaft verdreht, die ja genau genommen auch keine Wissenschaft ist, sondern die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.

Die feministische Sprachwissenschaft versucht, über eine bewusste Änderung der Sprache eine Veränderung der gesellschaftlichen Mentalitäten, Werte und Weltbilder hin auf ein vorgefasstes politisches Ziel zu erreichen. Sie dreht den Spieß kurzerhand um. Das, was nur Ausdruck ist, soll zum Hebel werden. Das, was nur Abbild ist, soll Agens werden.

Sprache gibt gesellschaftlichen Veränderungen Ausdruck. Die Feministinnen aber wollen über gewaltsam durchgesetzte Sprachregelungen die Gesellschaft verändern - eine Verdrehung, die für den Anspruch von Diktaturen, eine neue Gesellschaft und einen neuen Menschen schaffen zu wollen, charakteristisch ist, wobei neuer Mensch hier etwas zu pathetisch klingt. Dort, wo die feministische und genderistische Sprachwissenschaft sich durch Anwendung politischen Zwangs in lebensfernen Laborsituationen durchsetzen lässt, kommt kein neuer Mensch heraus, sondern ein technokratischer Humunkulus, der säuerlich blinzelnd in seiner Amtsstube hockt und sich viel darauf zugute hält, dass er Studierende statt Studenten sagt oder Texte durch Gendergaps und Sternchen verunstaltet.

(Beifall bei der AfD)

All das macht kein normaler Mensch freiwillig. Das kommt nicht von unten. Das ist nicht Ausdruck des Lebens der Sprache, ist deshalb nicht authentisch, sondern aufgepfropft und verkrampft.

(Zustimmung bei der AfD)

Durch Impulse des Sprachgebrauchs verändern sich die Sprachkonventionen ständig. Sie verändern sich unbewusst und so langsam, dass es die Sprecher gar nicht bemerken. „Verändert sich“, sagen wir, und sehr zu Recht bedienen wir uns hierbei dieser reflexiven Form. Die Sprache verändert sich. Das heißt, sie wird nicht verändert. Da ist niemand, der sich anmaßen könnte, sie zu verändern. Vielmehr verändert sie sich in ihrem Leben aus sich selbst heraus und ist damit ein Spiegel des Volkes, das sie spricht und in ihr Identität gewinnt.

Wollte jemand für den Gegenstand, den wir mit dem Wort Rindvieh bezeichnen, künftig das Wort Gewerkschaftsfunktionär verwenden, könnte er damit allenfalls eine Privatsprache begründen, aber die Sprache würde sich dadurch nicht verändern. Das heißt, die Konventionen der Sprache sind nicht ins Belieben Einzelner gestellt, sie sind nicht willkürlich änderbar.

Die feministische Sprachwissenschaft aber maßt sich an, genau das zu tun. Sie will die Entwicklung der Sprache festlegen, sie will in den Wandel der Sprache planerisch eingreifen. Das kündet nicht nur für einen gotteslästerlichen Hochmut, es setzt sich im allgemeinen Sprachgebrauch auch nicht durch. Hier und da mag es sich zwanghaft durchsetzen lassen. Die Masse der Sprecher und Schreiber aber lehnt solche Absurditäten ab.

(Beifall bei der AfD)

Das liegt auch und vor allem daran, dass alle Innovationen, die von den Lehrstühlen der feministischen Sprachwissenschaft herab dekretiert wurden, scheußlich klingen oder im Schriftbild scheußlich aussehen und damit von dem Ungeist künden, aus dem sie hervorgegangen sind.

Partizipialkonstruktionen beispielsweise klingen im Deutschen etwas schwerfällig, werden deshalb seltener verwendet als in anderen Sprachen, und das ist auch gut so. Der Gipfel der Hässlichkeit aber sind substantivierte Partizipien.

Studierende, das tut doch förmlich den Ohren weh. Der Wortakzent, der beim generischen Maskulinum „Studenten“ auf der ersten Silbe liegt, verflüchtigt sich zu einem weinerlichen Singsang, der die passende Hintergrundmelodie zur politisch korrekten Verlautbarung bildet. Studierende klingt förmlich nach einem lavierenden Altparteienpolitiker. Student klingt nach: ein Mann, ein Wort.

(Beifall bei der AfD)

Abgesehen davon ist es auch schlicht falsch, denn ein Studierender wäre jemand, der gerade im Moment studiert. Nicht nur der Klang, auch der Sinn bleibt also auf der Strecke.

(Zuruf von Frank Bommersbach, CDU)

Was gibt es noch an Innovationen der feministischen Sprachwissenschaft? - Das sogenannte Binnen-I, also ein großes I im Wort, soll zum Ausdruck bringen, dass Männer und Frauen in gleicher Weise gemeint sind. Da Großbuchstaben im Deutschen nur am Beginn des Wortes stehen, wird dadurch jeder Text entstellt.

Das Binnen-I ist nun aber schon etwas aus der Mode gekommen, weil es zum einen auf die Zweigeschlechtlichkeit abstellt, die ja neuerdings überwunden werden soll. Außerdem wollen einige Feministinnen im großen I eine Art Phallussymbolik entdeckt haben.

(Heiterkeit bei der AfD)

Da geht dann natürlich aus feministischer Sicht - erlauben Sie mir diese Metapher - der Schuss nach hinten los.

(Heiterkeit und Beifall bei der AfD)

Statt des Binnen-I wird deshalb mehr und mehr der sogenannte Gendergap verwendet, ein Unterstrich zwischen Wortstamm und femininer Endung. Also „Professor_innen“. Der Zwischenraum fungiert symbolisch als Platzhalter für alle Menschen, die nicht so recht wissen, ob sie nun als Männlein oder Weiblein gelten wollen.

Einen ähnlichen Sinn hat auch das Sternchensymbol zwischen Stamm und Endung, also „Bürger*innen“.

Ob nun Binnen-I, Gendergap oder Sternchensymbol, all diese Verrücktheiten stören das Schriftbild und transportieren den Anspruch einer weltfremden Ideologie, sich die Sprache und damit die Wirklichkeit Untertan zu machen.

(Zuruf von Andreas Steppuhn, SPD)

Im amtlichen Sprachgebrauch hat dergleichen nichts verloren.

(Beifall bei der AfD)

Bezeichnend ist auch, dass all diese Formen von der schönen Literatur nicht übernommen werden. Selbst Lieblinge des Establishments wie Juli Zeh oder Daniel Kehlmann ignorieren in ihren Romanen die feministsiche und genderistische Sprachethik und schreiben normales Deutsch. Schließlich wollen sie ihre Bücher verkaufen. Der Markt entfaltet hier also eine heilsame Wirkung.

(Heiterkeit bei der AfD)

Ich will nicht ausschließen, dass es irgendwo Autoren gibt, die so schreiben, wie sich das die Feministen und Genderisten erträumen, aber dann muss es sich um eine hochgradig subventionierte ausgesprochene Spartenliteratur handeln, an der sich vielleicht Mitglieder grüner und roter Parlamentsfraktionen delektieren, die aber kein normaler Mensch freiwillig liest.

(Beifall bei der AfD)

Es gibt eine Bibel in gendergerechter Sprache, ein theologisch und philologisch unhaltbares Machwerk, eine Entstellung des Textes, die rot-grüne Kirchenfunktionäre begierig einschlürfen mögen, die aber vernünftige Christen nur mit Kopfschütteln quittieren.

Das Problem ist nicht, dass es frustrierte Personen-Unterstrich-dreimal Stern-x-innen gibt, die sich nicht anders zu helfen wissen, als solch einen Schwachsinn zu erdenken. Das Problem ist vielmehr, dass die etablierte Politik diesen Schwachsinn bislang ernst genommen hat und begonnen hat, ihn langsam, Schritt für Schritt, umzusetzen.

Die Verantwortlichen gehen klug vor. Nur selten versteigen sie sich zu Exzessen, die einen Sturm der Entrüstung hervorrufen, wie etwa 2011 in Leipzig, als das generische Femininum in der Universitätssatzung verankert wurde, wo also seitdem der Professor als Professorin angesprochen wird - eine Entscheidung übrigens, die 2013 vom sächsischen Wissenschaftsministerium bestätigt wurde.

Ich finde, das Wissenschaftsministerium hätte die Verantwortlichen besser zur amtspsychologischen Untersuchung schicken sollen.

(Beifall bei der AfD - Zurufe von der AfD)

So weit wie in Leipzig und Sachsen darf es jedenfalls in Sachsen-Anhalt niemals kommen. Hier sollte der bewährte Sprachgebrauch gelten, wonach ein generisches Maskulinum selbstverständlich alle weiblichen Subjekte mit meint, was mit einer Fußnote am Beginn des Textes gegebenenfalls erklärt werden kann.

Normale Frauen fühlen sich in aller Regel auch im generischen Maskulinum recht gut aufgehoben. Es sind ja nur wenige hysterische Weiber, die auf die Idee gekommen sind, es wäre eine Diskriminierung, Studenten zu sagen und Studentinnen mit zu meinen.

(Beifall bei der AfD - Zustimmung von Frank Scheurell, CDU)

Wir haben es mit einer lauten Minderheit zu tun, die, getrieben von übersteigertem Geltungsdrang, sich anmaßt, für alle Frauen zu sprechen. Dieser Minderheit muss Einhalt geboten werden.

Ich bin gespannt auf die Debatte und bitte schon einmal um Zustimmung zu unserem Antrag.

(Lebhafter Beifall bei der AfD)