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Dienstag, 22.10.2019

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11:30 Uhr Datum: 22.10.2019

Landtagspräsidentin Brakebusch hält Rede zum Trauerakt für den verstorbenen Landtagspräsidenten a. D. Herrn Prof. Dr. Adolf Spotka

Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude, Plenarsaal

Plenarsitzung

Transkript

Thomas Lippmann (DIE LINKE):

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was nun im engeren oder im weiteren Sinne Sport ist, darüber kann man je nach Betrachtung durchaus zu unterschiedlichen Erkenntnissen kommen. Das zeigt uns die Debatte heute Morgen hautnah.

Es sind vor allem die Sportbünde, die die Begriffsbestimmungen vorgeben. Der Sportbegriff findet sich, wie wir schon gehört haben, in Bezug auf die Gemeinnützigkeit in der Abgabenordnung. Neben diesen formalen Definitionen, die keine allgemeingültigen Definitionen sind, gibt es aber auch die Verwendung in der Alltagssprache.

Diejenigen, die E-Sport betreiben, also das wettbewerbliche Spielen von Computerspielen, oder dem als Zuschauerinnen und Zuschauer folgen, reden ganz selbstverständlich in den Begriffen des Sports. Es ist also schlicht eine gesellschaftliche Realität, unabhängig davon, wie wir uns in den inhaltlichen Bewertungen dazu positionieren.

Sicherlich - das macht die heutige Debatte deutlich; das war zu erwarten - ist E-Sport ein Grenzfall, das wird möglicherweise sogar quer durch die Fraktionsreihen hinweg so gesehen. Vor allem, weil es nicht so offensichtlich wie in anderen Bereichen des Sports eine körperliche Betätigung ist, auch wenn es auf Wettkampfniveau erhebliche motorische Fähigkeiten erfordert, körperlich belastet und dies natürlich auch trainiert wird und diejenigen, die dort Spitzenergebnisse erreichen, Trainingserfolge haben, die sich mit Sicherheit im körperlichen Bereich abspielen. Aber es ist eben nicht so offensichtlich wie in anderen Fällen.

Solche Grenzfälle, die zu solchen Diskussionen führen, gibt es aber schon. Der Motorsport ist angesprochen worden. Es gibt Leute, die sagen im Kreis herumfahren, ist kein Sport. Schach ist in der Abgabenordnung besonders aufgeführt. Die Debatte ist nicht neu. Dies hat in der heutigen Debatte schon eine Rolle gespielt.

Eine grundlegende Frage ist allerdings, wozu Sport eigentlich dient oder warum der Sport staatlich gefördert wird. Dabei spielen der Unterhaltungswert von Sportveranstaltungen ebenso eine Rolle wie vor allem der Wert für die Gestaltung der Freizeit und die damit in der Regel verbundene körperliche Ertüchtigung. Es geht aber auch um den Beitrag des Sports zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur Vermittlung von Werten.

Der E-Sport steht gesellschaftlich auf einer breiten Basis und erreicht viele, die die klassischen Strukturen des Sports nicht erreichen. Diese Potenziale sollte man nicht verschenken und entsprechend unterstützen.

Die Strukturen des E-Sports sind nicht oder noch nicht vergleichbar mit der traditionellen Vereinslandschaft. Vieles ist hochgradig kommerzialisiert, auch durch die Beteiligung der Spielehersteller. Gerade deshalb sollten aber ehrenamtliche Arbeit gefördert und die entstehenden Strukturen in dieser Richtung unterstützt werden.

(Zustimmung bei der LINKEN)

Mit unserem Änderungsantrag machen wir aber auch nachdrücklich auf die andere Seite dieser Medaille aufmerksam. Es sind die erheblichen Probleme, die wir gerade im Bereich der Computerspiele mit dem Kinder- und Jugendschutz haben.

Computerspielsucht ist mittlerweile von der WHO als psychische Erkrankung anerkannt worden. Auch Art und Inhalt von Computerspielen sind oftmals Gegenstand grundlegender Kritik. Davor sollten wir nicht die Augen verschließen und uns darüber bewusst sein, dass diesbezüglich - ganz unabhängig von der Entwicklung von Verbandsstrukturen - im E-Sport ein größeres Engagement erforderlich ist.

(Zustimmung von Sebastian Striegel, GRÜNE)

Außerdem gibt es eine starke Verunsicherung bei den Jugendämtern und Ordnungsbehörden bezüglich der Alterseinstufungen öffentlicher E-Sport-Veranstaltungen. An dieser Stelle fehlen rechtliche Grundlagen, die wir als Parlament wegen der neuen Entwicklung dringend nachbessern müssen. Wir haben gerade nach diesem Antrag noch Hausaufgaben zu erledigen.

Wir finden es aber richtig, ehrenamtliche Arbeit zu würdigen und den begonnenen Dialog zwischen dem E-Sport und den Strukturen des traditionellen Sports zu begleiten und zu unterstützen.

Ich will darauf hinweisen, dass es in diesem Antrag, anders als die Debatte es zum Teil suggeriert, eben nicht darum geht, wie wir den Inhalt dessen finden, was dort gemacht wird. Diesbezüglich gehen die Meinungen natürlich auseinander. Ich will sagen - das Autorennen habe ich schon erwähnt -, dass es aber auch Menschen gibt, die dem Boxsport nichts abgewinnen können. Trotzdem würde niemand bestreiten, dass es Sport ist.

(Zustimmung bei der LINKEN)

Es geht also nicht um den Inhalt. Es geht auch nicht darum, dass wir eine Definition von Sport setzen, sondern darum, dass wir uns einer gesellschaftlichen Realität und einer gesellschaftlichen Relevanz stellen, diese zur Kenntnis nehmen und im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen. Wenn dabei das Anliegen unseres Änderungsantrags aufgenommen wird, dann können wir den vorgetragenen Anliegen soweit folgen. - Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Vielen Dank. Es gibt eine Wortmeldung von Herrn Raue, Herr Lippmann.


Thomas Lippmann (DIE LINKE):

Einen Versuch.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Einen Versuch. - Bitte, Herr Raue.


Alexander Raue (AfD):

Herr Lippmann, Sie als ehemaligen Lehrer möchte ich fragen, wie hilfreich es wäre, wenn die Schüler nach der Schule nach Hause gehen und drei, vier Stunden E-Sport zocken, um den Stoff, den sie zuvor in der Schule vermittelt bekommen haben, im Nachgang zu verarbeiten? Wie sehen Sie das als Lehrer?


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Lippmann, bitte.


Thomas Lippmann (DIE LINKE):

Sie sind nicht bereit, sich auf unseren Diskurs einzulassen; denn ob wir das jetzt hier beschließen oder nicht, ändert nichts an der bereits entstandenen Realität.

Ich habe bereits gesagt, dass wir in unserem Änderungsantrag auf das Problem hinweisen - das ist die andere Seite der Medaille -, dass insgesamt von vielen Jugendlichen sehr viel gespielt wird. Das ist aber kein Gegenargument; denn, wenn sich Vereinsstrukturen entwickeln, dann sind sie in der Lage, solche Entwicklungen auf ihre Art und Weise zu beeinflussen. Dies tun sie ganz anders, als wir es tun, nämlich im positiven Sinne.

Sie unterschätzen die positiven Einflüsse von Vereinsstrukturen, gerade auch im Sportbereich. Dies betrifft ebenso die anderen Sportarten; denn dort kann man ganz anders mit den Jugendlichen diskutieren, zum Beispiel über die Inhalte von Computerspielen und über den Umfang.

Es spielt keine Rolle, ob wir dem Antrag zustimmen oder nicht; denn diese Entwicklung gibt es. Wir müssen versuchen, Strukturen, die sich begleitend damit auseinandersetzen, aufzubauen, in denen sich Ehrenamtliche engagieren können, die sich Gedanken darüber machen. Wir sprechen ihnen nicht ab, dass sie sich Gedanken machen. Sie haben durchaus auf dem Schirm, was im Umfeld passiert. Mit denen kann man reden. Sie haben sich deswegen auf den Weg gemacht.

Es geht darum, diese Strukturen zu unterstützen und nicht darum zu sagen, E-Sports ist ein Sport oder nicht. Das Argument, dass ein Kind nach Hause geht, und sagt Mutti, der Landtag hat gesagt, dass es E-Sport ist und deshalb treffen deine Argumente nicht mehr zu, ist ein bisschen billig und überhöht auch unsere Bedeutung.

(Beifall bei der LINKEN)