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Dienstag, 23.10.2018

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Plenarsitzung

Transkript


Dorothea Frederking (GRÜNE):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Reise des Landwirtschaftsausschusses im Oktober 2017 nach Österreich ist die Initialzündung für diesen Antrag gewesen. Denn Österreich - das müssen wir neidlos anerkennen - hat etwas geschafft, bei dem wir in Sachsen-Anhalt noch Aufholbedarf haben. Österreich hat es geschafft, den Lebensmitteln einen Wert zu geben. Österreich hat besondere Marketingstrategien entwickelt, um Lebensmittel zu kennzeichnen; zur Direktvermarktung mit dem Label „Gutes vom Bauernhof“ und zur regionalen Vermarktung mit der geschützten Marke „Genuss Region Österreich“.

In der Landwirtschaftspolitik wird oftmals geglaubt, durch Intensivierung die Antwort auf die meisten Herausforderungen zu haben. Wenn ich aber wahrnehme, wie viele Lebensmittel weggeworfen werden, weil sie eben keine Wertschätzung erfahren, oder wie viele Lebensmittel gleich auf dem Acker liegen bleiben, dann sehe ich das anders. Weltweit - so auch in Deutschland - geht ein Drittel der Lebensmittel vom Acker bis zum Teller verloren. Wenn dieser Verlust minimiert wird, dann kann auch Klasse statt Masse produziert werden.

Die Erzeugerinnen und Erzeuger in Österreich produzieren gute Lebensmittel und verdienen damit auch gutes Geld, insbesondere weil das regionale Verkaufspotenzial genutzt wird. Auch ich möchte, dass mehr Produkte aus Sachsen-Anhalt auf den Tellern in Sachsen-Anhalt landen, um die Wertschöpfung im ländlichen Raum zu steigern. Dafür braucht es aber auch eine Stärkung der regionalen Esskultur, eine größere Bekanntheit der Produkte und bessere Vertriebsstrukturen.

Der Bio-Regionalpreis für Sachsen-Anhalt ist so ein Ansatz. Die Firma „RezeptGewürze GbR“ - Preisträgerin des Bio-Regionalpreises im Jahr 2017 - konnte nach eigenen Angaben innerhalb eines Jahres ihren Umsatz verdoppeln.

In Österreich gibt es selbst in Discountern Regale mit regionalen Lebensmitteln und bekannte Kennzeichnungen für heimische Lebensmittel. In unseren Supermärkten sehe ich das in kleiner Ausführung auch, aber unser Ziel muss es sein, das viel erfolgreicher hinzubekommen. Denn Spargel aus Peru herbeizuschaffen, wie wir es letzte Woche in der „Mitteldeutschen Zeitung“ lesen konnten, das kann ja wohl nicht das Ziel sein.

(Bernhard Daldrup, CDU: Nee, ist es ja auch nicht!)

Edeka, Rewe, Aldi und Netto haben auch regionale Produkte, aber eben noch nicht systematisch und noch nicht umfangreich. Dazu müssen wir Mitglieder des Landtages den Dialog mit den Handelsketten aktiv suchen. Im Ausschuss war dieses Anliegen auch bereits Konsens. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind jedenfalls offen für regionale Produkte.

Ich möchte ihnen zwei vielversprechende Projekte aus Magdeburg vorstellen. Alle zwei Monate findet auf dem Schellheimerplatz ein Markt lokaler Erzeugerinnen und Erzeuger statt. Durch die gemütliche Atmosphäre entsteht ein ganz neues Einkaufserlebnis und die regionalen Produkte bekommen einen neuen Absatzmarkt und werden bekannter. In der Goethestraße in Magdeburg hat letzten Sommer ein Laden mit dem Namen „HiesigLecker“ eröffnet; ein Laden spezialisiert auf regionale Lebensmittel aus einem Umkreis von maximal 120 km.

Ich möchte noch auf einen anderen Aspekt in unserem Antrag eingehen, nämlich die Einrichtung von Dorfgemeinschaftsläden. Ich möchte nicht, dass man in immer mehr Dörfern gezwungen ist, mit dem Auto zu fahren, um einen Laden zu erreichen, um eine Packung Mehl zu kaufen, denn das ist Gift für die Dorfkultur. Dorfgemeinschaftsläden bringen wieder Leben ins Dorf. Speziell für Menschen, die das Auto nicht nutzen können oder wollen, wäre das ein großer Gewinn an Lebensqualität.

Mit unserem Antrag wollen wir den ländlichen Raum stärken. Die Vermarktung regionaler Produkte und Dorfgemeinschaftsläden eignen sich dazu. Diesen regionalen Ansatz müssen wir aber natürlich auch bei anderen Themen berücksichtigen, zum Beispiel beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität oder der ÖPNV-Versorgung. - Vielen Dank

(Zustimmung von Sebastian Striegel, GRÜNE, von Wolfgang Aldag, GRÜNE, und von Jürgen Barth, SPD)