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Freitag, 25.05.2018

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Plenarsitzung

Transkript

Tagesordnungspunkt 2

Beratung

Wertschöpfungsstrategien für den ländlichen Raum

Antrag Fraktionen CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drs. 7/2713

 

Einbringer wird hierzu Herr Abg. Barth sein. Sie haben das Wort. Bitte, Herr Abgeordneter.


Jürgen Barth (SPD):

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wertschöpfung umfasst nach ihrer Definition die Gesamtheit der in einer Volkswirtschaft geschaffenen Werte. Diese Gesamtheit verdeutlicht, dass es bei der Erzeugung von Wertschöpfung eines ressortübergreifenden Ansatzes bedarf.

Es geht also nicht nur darum, zum Beispiel den Anteil der Regionalvermarktung landwirtschaftlicher Produkte zu erhöhen, sondern es geht auch darum, diesen mit Tourismus und Kultur zu verknüpfen. Es muss also bei der Erarbeitung von Wertschöpfungsketten darum gehen, möglichst viele Akteure mit ins Boot zu holen.

Unsere ländlichen Räume in Sachsen-Anhalt sind hinsichtlich ihrer geografischen Lage, ihrer historischen Entwicklung, ihrer naturräumlichen Ausstattung und ihrer Besiedlung durchaus unterschiedlich aufgestellt, was hinsichtlich der Entwicklungspotenziale zumindest in Teilen zu erheblichen Unterschieden führt. Insofern ist es nur folgerichtig, dass jede Region letztlich eigene Strategien entwickeln muss. Diesen Prozess zu unterstützen und dafür auf Landesebene die Plattform auszubauen ist das Ziel unseres gemeinsamen Antrags.

(Beifall bei der SPD)

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Agrarausschuss konnte während seiner Ausschussreise nach Österreich eine ganze Reihe von Erkenntnissen gewinnen, die zeigen, wie Wertschöpfung in ländlichen Räumen erzielt werden kann.

(Ulrich Siegmund, AfD: Von der FPÖ, ja!)

- Das war jetzt kein Beitrag von Ihnen. - Beeindruckend war insbesondere, wie im Waldviertel, einer durchaus abgelegenen Gegend, regionale Vermarktungsstrukturen offensichtlich erfolgreich aufgebaut wurden. Das Zusammenspiel von gemeinsamer regionaler Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte, Gastronomie und Tourismus sowie regionalem Handwerk hat im Waldviertel Früchte getragen und zu einer deutlichen Erhöhung der Wertschöpfung geführt.

Im Hinblick auf die Landwirtschaft ist das Waldviertel eher eine benachteiligte Region. Durch den Anbau, die Verarbeitung und die Vermarktung von Sonderkulturen im Bereich von Kräutern, Gewürzen und Ölpflanzen ist es aber gelungen, auch kleineren landwirtschaftlichen Betrieben ein auskömmliches Einkommen und damit eine Zukunft zu geben. Dies ist insbesondere durch den Aufbau einer Wertschöpfungskette möglich geworden.

Ausgehend von der landwirtschaftlichen Produktion tragen die Bereiche Verarbeitung und Vermarktung wesentlich dazu bei, dass für die Produkte ein höherer Preis - das ist das Wichtige - und damit auch höhere Wertschöpfung erzielt wird. Sicherlich haben die Österreicher schon länger Erfahrungen auf diesem Gebiet und können davon auch profitieren. Aber ich denke, dieses Beispiel hat uns deutlich aufgezeigt, wie man die Dinge gestalten kann.

Meine Damen und Herren! Wenn man solche Beispiele vor Augen hat, stellt sich natürlich die Frage: Welche Möglichkeiten haben wir, um die Generierung von Wertschöpfung in unseren ländlichen Regionen zu forcieren? Wenn man zum Beispiel bedenkt, dass sich im Harzvorland um Quedlinburg aufgrund der vorzüglichen Standortbedingungen die Wiege der deutschen Saatgutwirtschaft und Pflanzenzüchtung befindet,

(Zustimmung von Ulrich Thomas, CDU)

so kommt man nicht umhin, festzustellen, dass die Potenziale im land- und gartenbaulichen Bereich bei Weitem nicht ausgeschöpft sind. Wir sind überzeugt davon, dass auch in anderen Teilen des Landes die bisherige Entwicklung hinter den Potenzialen zurückbleibt. Zum Beispiel befindet sich der Drömling vor den Toren von Wolfsburg und eignet sich hervorragend als Naherholungsgebiet. Hier könnte ein ganzheitlicher Ansatz von naturnahem Tourismus und Direktvermarktung die Attraktivität erheblich steigern. Wir hoffen hier auf die Ausweisung des Biosphärenreservates, sodass man künftig mehr Mittel zur Verfügung hat, um diese Dinge dann auch umsetzen zu können.

(Beifall bei der SPD)

Auch die Karstlandschaft im Südharz oder der Fläming durch seine Nähe zu Berlin sind Regionen, die insbesondere im Bereich Tourismus Entwicklungspotenziale haben. Dabei bedarf es oftmals nur einer Initialzündung, um Prozesse anzuschieben, die dann weitere Perspektiven eröffnen und so die Entwicklung vorantreiben.

Meine Damen und Herren! Wir halten es für sinnvoll - so ist es in Punkt 1 unseres Antrages aufgeführt  , die Potenziale zur Erhöhung der Wertschöpfung in unseren ländlichen Räumen durch eine wissenschaftliche Erhebung zu hinterfragen. Eine solche Erhebung sollte sich mit den derzeitigen Gegebenheiten auseinandersetzen, aus denen sich dann realistische Ziele ableiten lassen.

(Unruhe)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Abgeordneter, ich darf mal ganz kurz unterbrechen. Ich möchte darum bitten, dass wir den Geräuschpegel doch wieder ein klein wenig absenken. Wenn Gespräche notwendig sind, sollten diese bitte vor der Tür geführt werden. - Bitte.


Jürgen Barth (SPD):

Danke schön, Frau Präsidentin. - Denkbar wäre in diesem Zusammenhang die Durchführung eines Ideenwettbewerbs an unseren Hochschulen im Land. Gerade junge Menschen sollten hier einbezogen werden; denn sie stehen neuen Wegen offen gegenüber, haben oftmals sehr innovative Ideen und sind mit den digitalen Medien bestens vertraut.

Ausgehend von den regionalen Potenzialen sind Strategien zu entwickeln, die beschreiben, mit welchen Instrumenten die gesteckten Ziele am effizientesten zu erreichen sind. Dabei sind die vorhandenen Strukturen und Institutionen - davon haben wir sicherlich viele - intensiv einzubeziehen und möglichst viele Akteure ins Boot zu holen. Der Erfolg der Umsetzung wird dabei ganz wesentlich auch davon abhängen, wie es gelingt, Netzwerke aufzubauen. Hierbei kann und soll das Land durch geeignete Plattformen Unterstützung leisten.

Durch Marketingmaßnahmen können und sollen Entwicklungsprozesse flankiert werden. Marketing kann wesentlich dazu beitragen, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen und das Konsumverhalten zu beeinflussen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Salzwedeler Baumkuchen - ich erwähne das nicht nur, weil ich aus der Gegend komme -; denn dieser steht nicht nur für ein qualitativ hochwertiges Gebäck, sondern auch für die Region Altmark. Jeder verbindet den Baumkuchen mit der Altmark. Dieses Zusammenspiel sollten wir in Zukunft noch besser nutzen, um auf die Altmark als Tourismusregion aufmerksam zu machen.

(Zustimmung von Rüdiger Erben, SPD, von Dorothea Frederking, GRÜNE, und von Ulrich Siegmund, AfD)

Ein wesentlicher Aspekt für die Entwicklungspotenziale einer Region ist die Aufrechterhaltung einer flächendeckenden Grundversorgungsstruktur. Mit dem Modellprogramm sollen Initiativen zur Errichtung von Dorfgemeinschaftsläden unterstützt werden. Dies leistet einen Beitrag, um Wertschöpfung in den betreffenden Gemeinden zu erzielen, regionale Wertschöpfungskreisläufe aufzubauen und die ländliche soziale Entwicklung im Sinne der Daseinsvorsorge zu stärken.

Als ein gelungenes Beispiel möchte ich an dieser Stelle den Dorfladen in Deersheim nennen. Wir haben sicherlich noch mehr Beispiele dafür im Land, aber ich denke, in Deersheim kann sich jeder anschauen, wie das funktionieren könnte.

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Einzelhandel - das muss man an dieser Stelle auch feststellen - hat ohne Zweifel eine Schlüsselfunktion bei der Vermarktung regionaler Produkte. Positive Ansätze in Form von speziell eingerichteten Regalen für regionale Produkte gibt es bereits. Diese positiven Ansätze auszubauen ist unser erklärtes Ziel. Dazu sollten wir mit den Handelsketten in einen Dialog treten, um auszuloten, welche Möglichkeiten es darüber hinaus gibt und inwieweit sie schon jetzt vorhanden sind, damit diese Entwicklung forciert werden kann.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt für die Erzielung von Wertschöpfung ist die verstärkte Nutzung der digitalen Medien. Hierbei muss es darum gehen, am Ball zu bleiben und die bereits vorhandenen Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Einrichtung einer Smartphone-App für Direktvermarktung, zu nutzen. Durch die Erschließung der digitalen Kommunikation wird die Direktvermarktung befördert und den Landwirten wird ein Instrument für das Erreichen neuer Kunden an die Hand gegeben. Gleichzeitig wird das bäuerliche Image gestärkt und die Verbraucher werden für die lokale und saisonale Lebensmittelproduktion sensibilisiert.

Meine Damen und Herren! Es gibt also eine Reihe von Ansätzen, die wesentlich dazu beitragen können, die Wertschöpfung in unseren ländlichen Räumen zu erhöhen. Mit unserem Antrag wollen wir die Landesregierung dabei unterstützen, diesen Prozess zu forcieren, und wir wollen damit auch ein Zeichen in unseren ländlichen Regionen setzen.

Viele gute Ansätze gibt es bereits, und es muss darum gehen, diese im Sinne der Koordinierung und Vernetzung weiter zu entwickeln. Damit muss und wird es uns gelingen, dass viele engagierte Akteure vor Ort auch neue Wege gehen, die maßgeblich zur Erhöhung der Wertschöpfung beitragen. - In diesem Sinne bitte ich um Zustimmung zu unserem Antrag und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

(Zustimmung bei der SPD)