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Dienstag, 23.10.2018

Keine Termine vorhanden.

Plenarsitzung

Transkript


Rüdiger Erben (SPD):

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Koalitionspartner haben im Koalitionsvertrag im Jahr 2016 vereinbart - ich zitiere  :

„Wir werden die Mitgliedergewinnung der Feuerwehren unterstützen. Eine landesweite Image- und Personalwerbekampagne für den Feuerwehrnachwuchs wird vereinbart.“

Die Koalitionspartner haben diesen Auftrag an die Landesregierung auch durch den Haushalt 2017/2018 und die entsprechende Veranschlagung von Haushaltsmitteln nochmals untermauert. Herr Minister hat gerade vorgetragen, wie er diesen Auftrag umgesetzt hat und ihn weiter umsetzen will.

Doch wenn man ehrlich ist, geht es ja in diesem Antrag erst einmal nur um eine Werbekampagne. Eigentlich geht es auch nur um einen winzigen Teil aus dieser Werbekampagne, nämlich um die Bierdeckel.

In den letzten beiden Monaten ging ein wahrer Proteststurm durch die Feuerwehren in diesem Land. Ich muss schon einige Zeit zurückdenken, damit mir etwas Vergleichbares einfällt.

Aufgeregt haben sich Führungskräfte genauso wie Mannschaften, jüngere Kameraden genauso wie die Älteren. Viele männliche Kameraden haben sich aufgeregt, vor allem aber auch viele Frauen.

Es stimmt: Werbung ist Geschmackssache. Werbung lebt auch von Aufmerksamkeit. Ich kann nur für mich sprechen. Mein Geschmack wurde nicht getroffen. Ich glaube, auf die Art von Aufmerksamkeit hätten viele Feuerwehren gern verzichtet.

(Zustimmung bei der SPD)

Gegen das Image der „Feierwehr“ haben gerade die Jugendwarte hart angearbeitet; denn wer bringt sein Kind in einen Verein - in Anführungsstrichen  , der ein solches Image vor sich herträgt. Welche Zielgruppe soll denn eigentlich mit dem spritzigen Date angesprochen werden? - Meine Phantasie reicht für eine Antwort nicht wirklich aus.

Mittlerweile wissen wir, dass die Bierdeckel nur zum internen Gebrauch bestimmt waren, nicht zur Mitgliederwerbung. Aber so weit, so gut. Die Bierdeckel waren tatsächlich nur ein kleiner Teil der Kampagne. Das macht die weiteren Bausteine der Kampagne nicht falsch.

Der Minister und die Führungskräfte der Feuerwehren in diesem Land haben sich ja - ich zitiere - „nach einem reinigenden Gewitter“ auf eine bessere Kommunikation verständigt. Darauf baut nicht nur die SPD-Fraktion. Denn Mitgliedergewinnung ist notwendig für unsere Sicherheit in Sachsen-Anhalt.

Für uns ist dabei die Jugendarbeit der wichtigste Baustein. Denn Feuerwehrnachwuchs rekrutiert sich zuallererst über die Jugendarbeit. Deswegen haben wir auch den entsprechenden Schwerpunkt zu setzen.

Zahlenmäßig deutlich niedriger ist der Nachwuchsquell über sogenannte Quereinsteiger. Es ist richtig: Unabhängig von Werbung muss die Feuerwehr attraktiver für Quereinsteiger werden. Dazu gehört die Entrümpelung von Laufbahnvorschriften, dazu gehört auch die Entrümpelung von Ausbildungsinhalten. Ich will es an einem ganz einfachen Beispiel festmachen.

Wenn ein Berufskraftfahrer, der sich mit 35 Jahren entscheidet, freiwilliger Feuerwehrmann zu werden, als Maschinist ausgebildet wird und ihm dann in einer Unterrichtseinheit lang und breit erklärt wird, wie er gefahrlos aus einem Lkw ein- bzw. aussteigt, kommt er sich natürlich veralbert vor, insbesondere, wenn es kein junger Mann ist, sondern ein gestandener Mann oder eine gestandene Frau, die als Berufskraftfahrer ihre Leistung der Feuerwehr zur Verfügung stellen wollen.

Ich könnte das um viele weitere Beispiele erweitern. Ich glaube, es wäre eine ehrenvolle Aufgabe, die Feuerwehr, wenn man jemanden angeworben hat, auch attraktiv für Quereinsteiger zu machen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Kameradschaft und Geselligkeit sind natürlich auch ein Faktor für die Gewinnung von Mitgliedern. Ich weiß nicht, wer es denn übersehen konnte, denn sie war ja überall sichtbar: die Mitgliederwerbekampagne des Technischen Hilfswerks. Diese beweist, glaube ich, mit ihren Plakaten, dass so etwas gelingt, nämlich auf der einen Seite dem Anspruch zu genügen, und auf der anderen Seite auf den Aspekt der Kameradschaft und Geselligkeit zu setzen. So wünsche ich mir die noch zu konzipierenden Werbemittel.

Und eine letzte Anmerkung zum Alternativantrag der Fraktion der AfD. Herr Roi, ich freue mich sehr - ich darf Ihnen auch die Dankeswünsche des Kollegen Hövelmann mit zum Ausdruck bringen  , wie umfangreich Sie in dem Antrag die Feuerwehrrente würdigen. Eine Kleine Anfrage der AfD hat für mich tatsächlich einen Erkenntnisgewinn gebracht.

Für die, die sie nicht gelesen haben: Wir haben in Sachsen-Anhalt nach zehn Jahren Feuerwehrrente die Situation, dass in den Gemeinden, in denen man sich entschlossen hat, eine solche Feuerwehrrente einzuführen, die Anzahl der Mitglieder in den Einsatzabteilungen um 6 % gestiegen ist. In den Gemeinden, in denen man sich dagegen entschieden hat, ist die Anzahl der Mitglieder um 11 % gesunken. Einfacher kann man den Erfolg der Feuerwehrrente in Sachsen-Anhalt eigentlich nicht darstellen. - Herr Roi, herzlichen Dank.

(Beifall bei der SPD - Zustimmung bei der CDU)