Wolfgang Aldag (GRÜNE):Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Seit September dieses Jahres reden wir über die Sprachlehrkräfte und ich bin sicher, dass wir auch 2017 nach wie vor darüber diskutieren werden, ja darüber diskutieren müssen, um Lösungswege zu finden, wie wir den Sprachunterricht an Schulen optimal organisieren und personell ausstatten wollen. Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich hätte mit gewünscht, wir wären bereits früher an dem Punkt angelangt, an dem wir heute sind, wir hätten früher Klarheit für die Schulen, für die Sprachlehrkräfte und für die Kinder schaffen können.Mit der vorliegenden Beschlussempfehlung haben wir nun die Landesregierung gebeten, auf der Grundlage des ermittelten Bedarfes an Sprachunterricht diesen bis zum Schuljahrjahresende 2016/2017 sicherzustellen. Das ist gut, aber vielleicht nicht gut genug; denn auch wir befürchten, dass es im Januar an vielen Schulen zu Engpässen kommen wird, zu Engpässen, die vermutlich nicht nur im Bereich des Sprachunterrichts entstehen werden, sondern vielmehr auch Regelunterricht. Aufgrund der dort fehlenden Lehrkräfte haben viele Sprachlehrkräfte den Regelunterricht mit abgedeckt und Aufgaben wahrgenommen, die eigentlich gar nicht in ihren Aufgabenbereich gehören sollen. Aus meiner Sicht müssen wir klar trennen, wer für welche Aufgaben zuständig ist. Hierfür müssen wir das System auch einmal wieder ordnen, auch wenn mir bewusst ist, dass in der Praxis unterschiedliche Lehrkräfte im Unterricht unterschiedlich eingesetzt werden bzw. diese in unterschiedlichen Fällen für ihre Kolleginnen und Kollegen einspringen, ja einspringen müssen. Um Ordnung in das System zu bringen, war es richtig, 50 Sprachlehrkräfte, die auch für den Regelunterricht entsprechend qualifiziert sind, unbefristet einzustellen und nun dauerhaft im System zu halten. (Zustimmung von Angela Gorr, CDU)Ebenso ist es richtig, dass es uns, wenn auch nach langer und mühsamer Diskussion, gelungen ist, 75 Vollzeitzeitäquivalente festzuschreiben. Damit kann 88 Personen eine Weiterbeschäftigung als Sprachlehrkräfte bis zum Schuljahresende angeboten werden.(Zustimmung von Angela Gorr, CDU)Trotz aller teils berechtigter Kritik: Das Positive an der ganzen Sache ist doch, dass durch diese 75 Vollzeitzeitäquivalente aus dem Pool der vorhandenen Sprachlehrkräfte eine gewisse Sicherheit im Sprachunterricht bis zum Schuljahresende gegeben sein wird. Zusätzlich erhalten wir mit der Beschlussempfehlung die Perspektive für Sprachlehrkräfte mit Zusatzqualifikation und Unterrichtserlaubnis als Seiten- und Quereinsteiger und -Einsteigerinnen. Die Öffnung der Stellen für Seiten- und Quereinsteigerinnen und -Einsteiger ist ein Vorhaben der Koalition. Meine Damen und Herren! Dieses Vorhaben setzen wir gerade um und werden es auch in Zukunft umsetzen.(Zustimmung von Angela Gorr, CDU)Liebe Kolleginnen und Kollegen der Fraktion DIE LINKE, in der Begründung Ihres Änderungsantrages wollen Sie die Sprachlehrkräfte zu einem späteren Zeitpunkt auch im Regelunterricht einsetzen; so habe ich das zumindest gelesen. Das ist eine charmante Vorstellung, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen vorausgesetzt. Lassen Sie uns aber derzeit das eigentliche Ziel nicht aus den Augen verlieren, nämlich die Sicherung der Sprachförderung. Wenn wir jetzt wieder anfangen, zwei verschiedene Sachverhalte miteinander zu vermischen, dann besteht wieder die Gefahr des Durcheinanders. (Zustimmung von Angela Gorr, CDU)Ich persönlich habe Bauchschmerzen damit, auf Biegen und Brechen möglichst viele Personen in das System aufzunehmen, ohne eine Priorisierung hinsichtlich der Qualität der Ausbildung und der klaren Aufgabenbestimmung vorzunehmen. An dieser Stelle bin ich ganz nah bei Minister Tullner: Auch ich bin froh, wenn wir allen Referendaren, die den Vorbereitungsdienst verlassen, also allen Menschen, die wir im Land ausbilden, eine offene Stelle und damit eine Perspektive bieten können, hier bei uns in Sachsen-Anhalt zu arbeiten und zu leben.Meine Damen und Herren! Aus unserer Sicht ist die gefundene Lösung, die die Beschlussempfehlung des Bildungsausschusses vorsieht, ein erster Schritt. Das ist in etwa das, was wir auf der Grundlage der vorliegenden Bedarfsermittlung des Bildungsministerium und der Haushaltssituation erreichen konnten. Immerhin wurden für die zusätzlichen 75 Vollzeitzeitäquivalente 2,1 Millionen € im Haushalt bereitgestellt. (Zustimmung von Angela Gorr, CDU)Die ersten Schulen melden, dass ihnen die Sprachlehrkräfte erhalten bleiben. Das heißt, die Umsetzung läuft und kommt an. Ebenso erreichen uns aber auch Meldungen von Schulen, die ab dem 1. Januar 2017 keine Sprachlehrkräfte mehr haben und auch nicht erhalten werden. An dieser Stelle müssen wir genauer hinschauen. Gibt es Defizite, müssen wir entschieden, schnell und gezielt gegensteuern. Deswegen haben wir in unserer Beschlussempfehlung eine Berichterstattung in der Januarsitzung des Ausschusses für Bildung und Kultur festgeschrieben, damit wir über die Gesamtsituation im Bilde sind.Für das Schuljahr 2017/2018 sollten wir rechtzeitig und zeitnah das Thema Sprachlehrkräfte im Ausschuss zur Sprache bringen. Die Sicherung des Sprachunterrichts darf nicht wieder zur Hängepartie für die Schulen werden. Diese brauchen frühzeitige Planungssicherheit, nicht nur bei Sprachlehrkräften, sondern vor allem bei der Unterrichtsversorgung insgesamt. Die Voraussetzungen dafür müssen wir schaffen. Das ist nicht nur Aufgabe eines Einzelnen oder von uns Bildungspolitikern, sondern es ist die Aufgabe von uns allen. - Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN - Zustimmung bei der CDU und bei der SPD)