Marco Tullner (Minister für Bildung):

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Fähigkeit, sicher zu schwimmen, ist für unsere Kinder von großer Bedeutung. Das Ministerium für Bildung sowie das befreundete Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration stehen in einem engen Austausch, um einen ressortübergreifenden und kontinuierlichen Lernfortschritt zu gewährleisten.

(Zuruf von Kristin Heiß, DIE LINKE)

- Frau Heiß, ich habe Ihre vermutlich nicht freundliche Bemerkung nicht gehört.

(Kristin Heiß, DIE LINKE: Schade!)

Sie müssten sie gegebenenfalls wiederholen.

(Kristin Heiß, DIE LINKE: Gern!)

Als Basis für das spätere Schwimmenlernen steht bereits in den Kindertageseinrichtungen die Wassergewöhnung an erster Stelle. Herr Schmidt hat eindrucksvoll beschrieben, wie das bei ihm gelaufen ist. Ich bin sehr beeindruckt, wie gut Sie sich noch daran erinnern können. Aber das nur nebenbei bemerkt.

Die Wassergewöhnung legt den Grundstein für das spätere Verhältnis der Kinder zum Baden und Schwimmen; denn je mehr Freude Kinder im Umgang mit Wasser erfahren und je weniger Angst sie damit verbinden, desto schneller erlernen sie später das Schwimmen. Direkter Schwimmunterricht ist nicht grundsätzlicher Gegenstand von Schwimmbadbesuchen. Dennoch bieten einzelne Kita-Träger in diesem Zusammenhang neben der Wassergewöhnung auch Schwimmkurse an. Diese Kurse erfolgen in enger Abstimmung mit den Eltern. Eine Verpflichtung der zahlreichen Träger, Schwimmkurse anzubieten, die auf den Erwerb des sogenannten Seepferdchens abzielen, ist nicht möglich. Damit würde das Land in die individuellen pädagogischen Konzeptionen der Einrichtungen eingreifen.

Sofern mit dem Antrag, liebe Kolleginnen und Kollegen, beabsichtigt sein sollte, den Erwerb des Seepferdchen-Abzeichens für Kinder im Kita-Alter stark zu forcieren, ist dies eine Vorstellung, die zumindest nicht von der Expertise des einschlägigen Landesschwimmverbandes geprägt ist. Von diesem, dem besagten Landesschwimmverband, gibt es gemäß der Initiative „Auf dem Weg zum sicheren Schwimmer“ Konzepte, die vielmehr vorsehen, dass in der vorletzten Kita-Altersgruppe, also mit fünf Jahren, erst einmal mit der Wassergewöhnung und  bewältigung begonnen und in der letzten Altersgruppe dann mit dem Trainieren der Wassersicherheit fortgesetzt werden sollte. Damit wird ein qualitativer Ansatz verfolgt, mit dem Kinder viel besser mit dem Element Wasser vertraut gemacht werden sollen, als das über das bloße Seepferdchen-Zeugnis erreicht werden kann.

An dieser Stelle knüpft folgerichtig die Grundschule an. Gemäß der Empfehlung der Kultusministerkonferenz für den Schwimmunterricht an Schulen vom 4. Mai 2017 ist das sichere Schwimmen - hierauf liegt die Betonung - grundlegendes Ziel des Schwimmunterrichts der Grundschule.

Die Leitidee, allen Schülerinnen und Schülern in der Grundschule das Können, sicher zu schwimmen, als Teil der körperlichen Grundbildung zu vermitteln, baut auf der gemeinsamen Definition des Sicher-Schwimmen-Könnens der Kultusministerkonferenz, des Bundesverbandes zur Förderung der Schwimmausbildung und der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft auf.

In diesem Bereich sind wir in Sachsen-Anhalt gut aufgestellt. Jedoch verfolgen wir nicht das Konzept, an Grundschulen drei Jahre lang Schwimmen zu unterrichten. Diese Option ist eine Maximalforderung. Sie würde das Schwimmen in Konkurrenz zu zahlreichen anderen Bewegungsfeldern sowie zu den anderen Unterrichtsfächern bringen. Unser Konzept geht aktuell von der langfristigen Entwicklung der Schwimmfähigkeit auch im weiterführenden Schulbereich aus.

Die erstmals zum Schuljahr 2018/2019 erhobene Schwimmstatistik erlaubt seit Kurzem einen präziseren Einblick in die Schwimmfähigkeit unserer Schülerinnen und Schüler. Dass in der Schule nur gut drei Viertel aller Schülerinnen und Schüler die Basisstufe Schwimmen erreichen, kann uns natürlich nicht zufriedenstellen, wiewohl wir wissen, dass wir damit deutschlandweit noch ziemlich weit vorn liegen. Aber trotzdem kann uns dies nicht zufriedenstellen.

Daher bedarf es weiterhin Anstrengungen der Kommunen und des Landes, die Bäderinfrastruktur - auch darauf ist bereits hingewiesen worden - aufrecht- und instandzuhalten. Ferner gilt es, den Schwimmunterricht in unseren Schulen personell abzusichern. Auch diese Aufgabe kommt uns bekannt vor.

Jedoch ist auch festzuhalten, dass es ohne eine breitere, von der gesamten Gesellschaft getragene Initiative keine 100-prozentige Erfolgsquote bei der Schwimmfähigkeit unserer Kinder geben kann. Insbesondere die Motivation und das Engagement der Eltern sind dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Darüber, wie bestimmte Ansätze sowohl in der frühkindlichen Bildung als auch in der Grundschule noch besser miteinander verzahnt werden können und ob es aus der Sicht der Fachverbände Sinn macht, mit dem Schwimmunterricht in der Schule früher zu beginnen, kann und sollte man diskutieren. Daher begrüße ich den vorliegenden Alternativantrag der Koalitionsfraktionen sehr und freue mich auf interessante Beratungen im Ausschuss. - Vielen Dank.