Dorothea Frederking (GRÜNE):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! In der Antwort auf die Frage 6 der Großen Anfrage wird beschrieben, wie 19 662 Puten an einem Standort nach der Seuchenfeststellung getötet wurden. Auch die Puten in den Kontaktbetrieben wurden getötet, sodass insgesamt bei 33 033 Tieren das Leben beendet wurde, und zwar durch Stallbegasung.

Wegen erschwerender Umstände überlebten einige Tiere das Verfahren und mussten per Alternativverfahren betäubt und anschließend getötet werden. Zwei Alternativverfahren sind aufgeführt: zum einen das Containerdeckelverfahren mit einem Gasgemisch von mehr als 80 % Kohlendioxid und zum anderen der stumpfe Schlag auf den Kopf mit anschließendem mechanischem Genickbruch. 33 033 Putenleben wurden mit einem Mal ausgelöscht.

Selbst wenn es eine sachgerechte Entscheidung ist, ist doch die Frage: Ist das wirklich die Tierhaltung, die wir wollen? - Ich sage: Nein. Wer Tiere als Lebewesen, als fühlende Mitgeschöpfe versteht, der beendet die industrielle Tierhaltung. Ich kann für meine Fraktion sagen, dass wir uns weiterhin mit aller Kraft für eine artgerechte und bodengebundene Tierhaltung einsetzen: mehr Platz im Stall, Einstreu und Auslauf im Freien.

Wären die besagten Puten so gehalten worden, hätte man sie zwangsläufig auf noch mehr Betriebe und Standorte verteilen müssen. Der Ausbruch der Vogelgrippe an einem Standort hätte also weniger Puten getroffen und wesentlich weniger Tiere hätten getötet werden müssen.

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wollen die industrielle Tierhaltung nicht. Wir müssen ihnen die Möglichkeit geben, mit ihren Einkaufsentscheidungen dazu beizutragen. Dafür brauchen wir eine verpflichtende, verständliche und einheitliche Kennzeichnung der Tierhaltungsbedingungen bei den Lebensmitteln. Dass das funktionieren kann, zeigt die seit Jahren etablierte Eierkennzeichnung. - Vielen Dank.

(Beifall)