Tagesordnungspunkt 18

Beratung

Lehrer entlasten! Unterricht und Erziehung als Hauptaufgabe

Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/6017



Einbringer wird hierzu der Abg. Herr Dr. Tillschneider sein. Bitte, Sie haben das Wort.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Als bei der letzten Sitzung des Bildungsausschusses über den Ausbau der Lehramtsstudiengänge an der Universität Halle berichtet wurde, kam heraus, dass die Nachfrage mit der Erhöhung der Kapazitäten nur mühsam Schritt hält.

Die Universität Halle gelobte zwar, weitere Anstrengungen zu unternehmen, damit jeder Studienplatz besetzt werden kann. Ob es gelingt, wissen wir nicht. Was wir aber daran sehen und was wir nicht erst seit diesem Bericht wissen, was dadurch nur erneut bestätigt wurde, ist, dass schon seit Jahren immer weniger Studienanfänger Lehrer werden wollen.

Der Beruf des Lehrers ist so unattraktiv wie nie zuvor. Das kann ja wohl nicht die Schuld der AfD sein; das ist die Schuld der Parteien, die in den vergangenen Jahrzehnten das Land Sachsen-Anhalt regiert haben. Diese Parteien haben, wenn es um den Lehrermangel geht - aus ihrer Perspektive durchaus nachvollziehbar - daher keinerlei Interesse an den tieferen Ursachenanalysen, sondern halten sich im technokratisch Oberflächlichen auf. Das ist aber nicht nur dumm und kurzsichtig, sondern auch gefährlich; denn wenn wir uns keine Gedanken darüber machen, weshalb immer weniger junge Menschen Lehrer werden wollen und wie wir dem entgegenwirken können, dann werden wir den Lehrermangel niemals in den Griff bekommen.

(Beifall)

Deshalb hat die AfD-Fraktion den vorliegenden Antrag eingebracht, der fordert, Lehrer konsequent von nichtpädagogischen Tätigkeiten zu entlasten. Dieser Antrag ist in seinem Kern die Diagnose eines Problemkreises, der zu den tieferen Ursachen des Lehrermangels gehört.

Der Lehrerberuf ist vor allem deshalb so schlecht angesehen und so unattraktiv, weil die Schule aktuell mit Aufgaben überlastet wird, um derentwillen niemand, der Lehrer werden will, diesen Beruf ergreift. Die Schule ist zum billig herbeizitierbaren Heilmittel für soziale Missstände aller Art geworden. Das erzeugt einen Erwartungsdruck, dem schlechthin nicht gerecht zu werden ist und dem sich deshalb kaum jemand aussetzen will.

Die Schule soll zu einem Paradiesgärtlein gestaltet werden, in dem sich im Namen eines pauschalen Gerechtigkeitsbegriffs alle gesellschaftlichen Probleme geheilt finden. Sie hat herzuhalten für das schlechte Gewissen der Politik, die erschrocken mitbekommt, dass mit Globalisierung und Liberalisierung allzu viele auf der Strecke bleiben.

Die Schule soll kompensieren, was Effizienzsteigerung und Lohndumping an Schäden verursachen. An sie wird die Erwartung adressiert, dass nicht nur alle echten und vermeintlichen Nachteile, sondern auch die den Menschen überhaupt eigenen Unterschiede per Dekret ausgeglichen werden müssen. Daher das Gerede, Bildungsabschlüsse hingen in Deutschland zu sehr von der sozialen Herkunft ab. Die Schule soll es den vermeintlich Benachteiligten leichter machen und so eine falsche Gleichheit herstellen.

Dadurch kommt eben jene Abwärtsspirale in Gang, die zu ständig sinkenden Leistungsstandards führt, was jeden motivierten Lehrer, der angetreten ist, seinen Schülern etwas beizubringen, zwangsläufig frustriert. Hier muss die Politik umdenken.

Der ganze Anspruch einer sozialpädagogischen und entwicklungspsychologischen Rundumbetreuung in Konkurrenz zum oder gar in Substitution des Elternhauses geht zu weit. Versucht die Schule, das zu leisten, überfordert sie sich und erreicht nicht einmal das, was sie erreichen könnte, wenn sie sich auf ihre Aufgaben konzentrieren würde. Eine solche Bildungspolitik steht sich selbst im Weg.

Sodann die Integration von Ausländerkindern. Aus der Erfahrung, dass in der Vergangenheit Schulunterricht tatsächlich integriert hat, eben weil kein Extraaufwand um die Integration betrieben wurde, hat man abstrahiert, dass es eine Aufgabe der Schule sei, zu integrieren, hat damit Integrationsmaßnamen an Schulen begründet und so zielsicher verhindert, dass Integration an Schulen weiterhin gelingen kann. Die besten Integrationsmaßnahmen ergreift die Schule nämlich nur dann, wenn sie keine Extramaßnahmen ergreift, weil nur dann dem zu Integrierenden vermittelt wird, dass er es ist, der sich verändern und anpassen muss.

(Zustimmung)

Er muss darauf achten, dass er nicht abgehängt wird. Er muss mehr tun als andere, wenn sein Sprachniveau noch nicht genügt. Das mag am Anfang hart sein. Doch ohne Härte keine Veränderung und kein Fortschritt. Auch hier muss die Politik grundsätzlich umdenken.

Schließlich die Inklusion, also das Heilsversprechen, die Behinderung von Kindern unsichtbar zu machen, indem man sie zusammen mit normal begabten Kindern unterrichtet. Diese Inklusion lähmt den Unterrichtsfortschritt, sie schadet den Leistungsstarken, ohne den Schwachen zu nützen, senkt das Gesamtniveau weiter ab und bürdet den Lehrern viel sinnlose Mehrarbeit auf.

Alles in allem bedeutet diese systematische Überforderung der Schule für die Lehrer schädlichen leerdrehenden Stress, Ablenkung von ihrer eigentlichen Aufgabe, Verzettelung in einer Fülle von Tätigkeiten, die nichts mit Pädagogik zu tun haben, und Behinderung beim Lehren und geht mit einem sehr hohen Aufwand an sinnloser Bürokratie einher. All das ist in letzter Konsequenz Ausfluss einer fehlgeleiteten linken Pädagogik und Bildungspolitik.

(Beifall)

Die LINKEN tragen damit die Hauptverantwortung für den Lehrermangel. Dass gerade diese LINKEN, die Ansehen und Attraktivität der Schule wie auch des Lehrerberufs ruiniert haben, sich jetzt mit einem Volksbegehren gegen den Lehrermangel hervortun, ist an Ironie und Heuchelei nicht mehr zu überbieten.

(Zustimmung)

Wenn wir den Lehrermangel wirklich bekämpfen wollen, wenn wir das Problem an der Wurzel kurieren wollen, dann müssen wir dafür sorgen, dass der Lehrerberuf attraktiver wird und wieder mehr junge Menschen ihn ergreifen. Dazu aber müssen wir mit der linken Bildungspolitik brechen. Schluss mit der sozialpolitischen Überforderung der Schulen! Schluss mit der ausufernden Bürokratie! Schluss mit der sinnlosen Belastung der Lehrer!

(Zustimmung - Zuruf)

Mehr Geld wird nicht viel bringen; denn Lehrer sind schon recht gut bezahlt. Es sollte uns sehr zu denken geben, dass die Universitäten trotz attraktiver Einstiegsgehälter Mühe haben, in den Lehramtsstudiengängen Anfänger zu finden.

So viel Geld, wie man den Lehrern zahlen müsste, damit man sie für den Schulbetrieb, wie er aktuell läuft, entschädigt, gibt es gar nicht in der Staatskasse. Lehrer werden auch nicht krank und frustriert, weil sie zu wenig Geld erhalten, sondern weil sie nicht das tun können, wofür sie ausgebildet wurden und weshalb sie diesen Beruf ergriffen haben, nämlich Kindern etwas beibringen. Bildung ist nicht nur ihr Beruf, sondern ihre Berufung.

Bildung und Erziehung, aber gerade nur so viel Erziehung, wie für die Bildung nötig ist, niemals in Konkurrenz zur Familie und nicht mehr als in einer staatlichen Institution statthaft. Das und nichts anderes können und dürfen wir von unseren Lehrern erwarten.

Wir fordern in unserem Antrag deshalb vom Landtag, dass er sich gegen die sozialpolitische Überforderung der Schulen und gegen die damit einhergehende Überforderung der Lehrer durch falschen politischen Erwartungsdruck einerseits und sinnlose Bürokratie andererseits ausspricht. Das wäre ein erstes Zeichen zur Unterstützung der Lehrer und der Beginn eines notwendigen Richtungswechsels in der Bildungspolitik.

Sodann fordern wir, unmissverständlich festzuschreiben, dass Lehrern keine nichtpädagogischen und nichtberufsspezifischen Aufgaben übertragen werden. Die Arbeitszeitverordnung scheint uns dafür der geeignete Ort.

Aber bevor jetzt wieder ein Korinthenkacker um die Ecke kommt und meint, es müsse woanders stehen: Bitte, dann soll es in einer anderen Verordnung stehen. Wichtig ist, dass die Regierung dafür Sorge trägt, dass künftig keinem Lehrer mehr nichtpädagogische Aufgaben aufgebürdet werden. Die Übertragung solcher Aufgaben liegt erfahrungsgemäß oft im Informellen. Deshalb bedarf es hier einer Klarstellung. Diese Klarstellung würde dazu führen, dass viel sinnlose Bürokratie mangels Möglichkeit, sie zu erledigen, abgeschafft werden müsste. Ich bin mir sicher, wir würden uns die Augen reiben und bemerken, dass niemandem etwas fehlt.

(Zustimmung)

Das Mindestmaß an Bürokratie, das unbedingt notwendig ist, soll von Schulassistenten erledigt werden, wie sie die Landesregierung ja schon in einem Modellprojekt erprobt hat. Wir wollen dieses Modellprojekt unbedingt ausweiten und halten das für viel sinnvoller als beispielsweise die Schulsozialarbeit. Schulsozialarbeit ist nämlich Ausdruck der Überforderung der Institution Schule. Sie entlastet Lehrer also nicht wirklich, weil sie Aufgaben übernimmt, die die Schule überhaupt nicht erfüllen sollte. Verwaltungsassistenten dagegen, die das Mindestmaß an Bürokratie übernehmen, das zur Organisation des Schulbetriebes anfällt, sind ohne Frage sinnvoll.

Würden wir das so durchführen - ich meine, Sie werden diesen Antrag wieder ablehnen  , würden sie ihn annehmen, stellen sie sich nur einmal vor, auch wenn es schwerfällt, es wäre zur Abwechslung ein echter Beitrag, um die Attraktivität des Lehrerberufs zu erhöhen und die tieferen Ursachen des Lehrerberufs zu bekämpfen. - Vielen Dank.

(Beifall)