Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Herr Tullner, ich habe mich in Vorbereitung dieses Antrags wirklich intensiv mit der Sache beschäftigt. Ich habe Artikel in Zeitungen, in populärwissenschaftlichen Zeitungen, über Studien gelesen,

(Eva von Angern, DIE LINKE: Schön!)

und ich habe nach Studien gesucht, die vielleicht das Gegenteil beweisen und zeigen, dass Smartphones einen positiven Effekt hätten. Aber ich habe keine gefunden.

Ich frage mich - das ist doch sehr interessant  : Wenn es um den Klimawandel geht, dann sind Sie wissenschaftsgläubig und kommen immer mit Ihren Studien. Jetzt, wenn es um den Einfluss von Smartphones und um Digitalisierung geht, ignorieren Sie alle Studien und wischen das sozusagen einfach vom Tisch

(Beifall bei der AfD)

im Namen einer völlig hohlen Fortschrittsgläubigkeit. Was Sie hier gepredigt haben, das war im Grunde: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ so à la Honecker.

(Heiterkeit und Zustimmung bei der AfD)

Ich halte es da eher mit Hundertwasser. Er hat gesagt: „Wenn man am Abgrund steht, ist jeder Rückschritt ein Fortschritt.“

(Heiterkeit und Zustimmung bei der AfD)

Zu den einzelnen Schulen: Wie Sie richtig sagten, gibt es das schon, was wir fordern. Was Sie wollen, das ist Wildwuchs. Sie geben im Grunde zu, dass Sie nicht wissen, was richtig ist. Also, macht es mal selbst. Was ist das für eine Haltung? - Als Bildungspolitiker, als Bildungsminister

(Heiterkeit und Beifall bei der AfD)

muss man bei einer wichtigen Frage doch sagen können: Das ist die gute Praxis, und die wollen wir im ganzen Land haben. - Das zu Ihnen.

Nun zu Herrn Lippmann: Ich weiß ja schon, Herr Lippmann, dass Sie ein mutloser, fantasieloser Technokrat sind,

(Heiterkeit und Beifall bei der AfD)

aber dass Sie sich nicht einmal vorstellen können, wie man in der Frühe die Handys irgendwie in Schließfächern unterbringt und nach dem Unterricht wieder herausholt, das setzt schon ganz neue Maßstäbe.

(Heiterkeit und Beifall bei der AfD)

Nun noch ein Wort zur digitalen Kompetenz. Was ist denn, bitte schön, digitale Kompetenz? Ist das die Fähigkeit, so hin und her zu wischen und auf irgendwelche Flächen zu tippen? - Diese Frage kam einmal beim Digitalisierungskongress in Halle auf, bei dem ich dabei war, und es war entlarvend. Dabei ging es nämlich um digitale Inkompetenz. Es waren Digitalisierungslobbyisten versammelt

(Zuruf von Uwe Harms, CDU)

und es wurde die Frage gestellt: Was ist digitale Inkompetenz? - Keiner wusste eine Antwort darauf. Wenn ich nicht weiß, was digitale Inkompetenz ist, dann weiß ich auch nicht, was digitale Kompetenz ist. Die einzige Antwort kam von Frau Pähle. Sie meinte, digitale Inkompetenz sei, wenn man Fake-News nicht von richtigen News, also Nachrichten, unterscheiden könne.

(Dr. Katja Pähle, SPD: Ja!)

Damit hat sie auch recht. Aber das lerne ich nicht durch das Handy, sondern das lerne ich außerhalb des Handys.

(Zuruf von Lydia Funke, AfD)

Das lerne ich, wenn ich Urteilskraft ausbilde. Das lerne ich, wenn ich Logik lerne. Das lerne ich durch Weltwissen. Das lerne ich nicht am Handy.

(Beifall bei der AfD)

Das heißt, es gibt keine digitale Kompetenz. Es gibt nur Kompetenzen im richtigen Leben. Es gibt Kompetenzen, die analog erworben und ins Digitale transformiert werden. Das Digitale an sich ist nur eine Transformation. Es gibt keine digitale Kompetenz. Dieses Gerede von digitaler Kompetenz ist ein großer Schwachsinn.

Nun noch einmal kurz zu Herrn Borchert. Das ist nämlich der allerbilligste Trick: Wenn ich nichts zu sagen habe, dann frage ich Schüler und seziere, was sie gesagt haben. Mit Ihrer Methode könnte man auch einen Antrag einbringen, Hausaufgaben abzuschaffen. Dann würden wir flammende Plädoyers von sehr vielen Schülern dafür anführen können, die Hausaufgaben abzuschaffen. Aber sollen wir deshalb die Hausaufgaben abschaffen? Wissen Sie, das, was Sie hier präsentiert haben, war keine gute Pädagogik. Das war einfach nur infantil.

(Beifall bei der AfD)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Vielen Dank, Herr Abg. Tillschneider. Es gibt eine Wortmeldung. - Herr Dr. Schmidt, Sie haben das Wort. Bitte. Herr Dr. Schmidt.


Dr. Andreas Schmidt (SPD):

Frau Präsidentin, ich weiß, die Stunde ist fortgeschritten. Herr Tillschneider, es wird keine Frage. Sie müssen darauf nicht antworten. Es ist eine Zwischenintervention.

(Dr. Hans-Thomas Tillschneider, AfD: Mache ich aber! - Heiterkeit bei der AfD)

Wenn Sie etwas erzählen, frage ich mich immer: Was hätte Theodor Körner dazu gesagt? Sie sind ja Hardcore-Fan von Theodor Körner. Ich sage mir heute: Er hätte vielleicht gern ein Smartphone gehabt. Dann hätte er bei Kitzen vielleicht die Franzosen kommen sehen, und das wäre gar nicht schlecht für ihn gewesen.

(Beifall bei der CDU - Zuruf von Uwe Harms, CDU)

Wissen Sie, der hatte keine Häkeldeckchen in der Tasche, auf dem stand: „Früher war alles besser“ - der nicht. Sie haben das.

Jetzt sage ich Ihnen Folgendes - kleine Lektion in Mediengeschichte  : Keltische Druiden hielten es für gehirnerweichend, etwas aufzuschreiben. Sie dachten, Auswendiglernen sei die Lösung. - Die keltische Kultur ist untergegangen. Die jüdisch-christliche Schriftkultur ist diejenige, die Sie heute so verbittert verteidigen, natürlich in der altkatholischen Variante, aber die Sie verbittert verteidigen.

Bei Radio und Kino haben Studien genau dasselbe gesagt: Verblödung, Gehirnerweichung,

(Eva von Angern, DIE LINKE: Ah!)

Unfähigkeit, jemals ein Buch zu lesen, dystrophische Vorstellung. Die Generation Radio und Kino hat das Penicillin erfunden - und zugegebenermaßen auch das Atom gespalten, aber immerhin!

(Heiterkeit bei der SPD)

Als das terrestrische Fernsehen kam, hat Neil Postman ein Buch geschrieben: „Wir amüsieren uns zu Tode“, und gesagt, die nächste Generation wird nicht mehr in der Lage sein, überhaupt nur das Grundwissen zu erwerben. Diese Generation hat Computer gebaut.

(Eva von Angern, DIE LINKE: Ganz schön ketzerisch!)

Die Generation Internet ist inzwischen im Erwachsenenalter angekommen und steht im Beruf, und diese Generation hat noch kein Kernkraftwerk angezündet oder sonst irgendwelchen Scheiß gebaut, sondern hat sich genauso wie alle vorangegangenen Generationen ins Erwachsenenleben eingefügt. Und wissen Sie was: Herr Raue ist Generation Festnetz. Das sollten Sie sich einmal überlegen.

(Starker, lang anhaltender Beifall und Heiterkeit bei der SPD, bei der CDU, bei der LINKEN und bei den GRÜNEN)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Dr. Tillschneider    

(Glocke der Präsidentin)

Ich denke, wir sollten alle trotzdem einmal ganz kurz durchatmen. Sie haben eine Kurzintervention vorgenommen, Herr Dr. Schmidt, aber Herr Dr. Tillschneider hat natürlich auch die Möglichkeit, darauf zu reagieren. Bitte, Herr Dr. Tillschneider, Sie haben das Wort.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Wissen Sie, Herr Schmidt, was Sie jetzt gemacht haben? - Das war im Grunde: Sie haben sich um eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Antrag gemogelt; denn

(Lachen bei der SPD und bei den GRÜNEN)

- nein, nein! - was Sie gesagt haben, das ist das, was Herr Tullner auch immer sagt: Es gab ja schon immer die Klage der Alten über die Jungen

(Zurufe von der SPD und von den GRÜNEN: Ja! - Unruhe)

und Technik wurde schon immer bei ihrem Aufkommen skeptisch beurteilt. Deshalb ist das, was wir hier machen, alles Quatsch. Das ist kein valides Argument.

Ich habe einmal eine Diskussion mit einem Dekan der Uni Halle erlebt, der wirklich darüber geklagt hat - das ist belegt  , dass die Studenten heute in Mathematik immer schlechter werden. Dann kam Herr Tullner auch mit: Ja, ja, schon immer haben die Alten über die Jungen usw. - Nein, das ist Unsinn, was Sie geredet haben. Wissen Sie, ich antworte darauf: Es gab in der Geschichte schon immer Zeiten des kulturellen Hochstandes und es gab schon immer Zeiten des Niedergangs, und wir leben zurzeit leider in einer Zeit des kulturellen Niedergangs.

(Beifall bei der AfD - Zuruf von Sebastian Striegel, GRÜNE - Anhaltende Unruhe)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Vielen Dank, Herr Dr. Tillschneider.

(Zuruf von Minister Marco Tullner)

Es gibt noch eine Nachfrage bzw. Wortmeldung, Herr Dr. Tillschneider. - Herr Abg. Borchert.

(Carsten Borchert, CDU: Nun komme ich doch noch einmal nach vorn! Ich habe doch noch eine Frage!)

- Kleinen Moment! Sie haben noch gar nicht das Wort erhalten, Herr Borchert.

(Carsten Borchert, CDU: Ich wollte auch noch nichts sagen! Entschuldigung!)

Also bitte! Ich kann nur feststellen, dass wir lange keine Sitzung hatten, in der der letzte bzw. vorletzte Punkt so lebhaft war.

(Minister Marco Tullner: Bildungspolitik macht‘s möglich!)

Aber es soll so sein. Herr Borchert hat jetzt noch einmal die Möglichkeit, sich zu Wort zu melden. Bitte schön.


Carsten Borchert (CDU):

Frau Präsidentin, vielen Dank. - Das ist jetzt zwar sehr wortreich, aber leider sehr ernst, was unter diesem Tagesordnungspunkt besprochen wurde. Herr Tillschneider, ich habe eine Frage, ob Sie mir bitte bestätigen, dass ich das richtig verstanden habe. Meine Rede mit meinen Zitaten von

(Der Lautsprecher setzt aus - Matthias Büttner, AfD: Akku alle!)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Mikro, bitte!


Carsten Borchert (SPD):

den Schulleitern, die in der Praxis draußen jeden Tag vor den Schülern stehen und Schulen leiten, also all das, was ich gesagt und zitiert habe, ist völlig uninteressant für Sie. Für Sie hat es überhaupt nichts damit zu tun, ob es in der Praxis so ist oder nicht. Es ist Ihnen völlig egal, weil Sie Ihre eigene Theorie haben. Können Sie mir das so bestätigen? - So habe ich das nämlich verstanden, wie Sie meine Rede interpretiert haben. Darauf möchte ich jetzt eine Antwort für das Protokoll haben.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Bitte, Herr Tillschneider.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Nein, es war so gemeint, dass Wollen und Wünschen von Kindern und Jugendlichen

(Widerspruch bei der CDU und bei der SPD)

- Sie haben doch Jugendliche angeführt - ist    

(Eva von Angern, DIE LINKE: Haben Sie nicht zugehört? Am Handy gespielt?)

- Wie bitte?

(Dr. Katja Pähle, SPD: Es geht um Schulleiter! Nicht: Wir haben auch Schüler! - Unruhe)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Herr Borchert hat eine Frage gestellt.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Wissen Sie, Herr Borchert hat hier - das ist ein ganz billiger Trick    


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Tillschneider, kleinen Moment!


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Okay.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Ich wollte Ihnen die Möglichkeit geben, ordentlich antworten zu können. Deshalb kann ich nur noch einmal sagen: Herr Borchert hat eine Frage gestellt, und Sie haben jetzt die Möglichkeit, darauf zu antworten. Bitte schön.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Wissen Sie, das ist ein ganz billiger Trick. Sie haben wirklich herausgegriffen, was Ihnen passt. Wenn das das Niveau ist, dann werde ich mir beim nächsten Antrag auch einen Schuldirektor und ein paar Schüler suchen, die das bestätigen, was ich und was die AfD will, und dann lese ich das hier auch vor. Das beweist doch gar nichts. Das ist ein ganz billiger Trick.

Und zu Ihrem Argument mit den Kindern und Jugendlichen muss ich ganz klar sagen: Wo ist denn Ihr Erziehungsgedanke geblieben? Sie tun ja schon so, als seien Kinder und Jugendliche absolut fertige Menschen, die zu 100 % Dinge äußern, die sozusagen verlässlich und valide sind.

(Wolfgang Aldag, GRÜNE: Das ist Ihre Kompetenz!)

Sie müssen doch erst noch lernen, wie sie mit den Dingen umzugehen haben. Sie müssen sich auch pädagogischem Druck fügen. Insofern war das sehr aufschlussreich, was Sie vorgetragen haben.