Kerstin Eisenreich (DIE LINKE):

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Meine sehr geehrten Damen und Herren! Erst im Mai 2019 haben wir hier im Plenum über einen Antrag zur Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht debattiert. Heute kommt der Antrag nun in einer neuen Gestalt daher.

Ja, unzweifelhaft gibt es Probleme und betroffen sind insbesondere Weidetierhalter und Weidetierhalterinnen. Die Forderung nach zügiger unbürokratischer Hilfe bleibt aktuell, sei es bei Rissen, bei der Anschaffung von Schutzzäunen und Schutzhunden oder bei deren Unterhaltungskosten.

Im Rahmen der Haushaltsverhandlungen wurde deutlich, dass sich im Bund hier etwas tut und künftig auch mehr Möglichkeiten zur Förderung von Folgekosten bestehen. Das ist wichtig. Wichtig ist jedoch auch, wo dies möglich und sinnvoll ist, weitere Alternativen, Ferche und Gatter und Ähnliches, in Betracht zu ziehen; denn schließlich liegt das Hauptaugenmerk auf der Prävention. Wichtig wären aus unserer Sicht auch bundesweit einheitliche Regelungen für Entschädigungen.

Dann stellt sich die Frage zum Antrag, welchen Vorteil soll denn die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht überhaupt haben. Aus unserer Sicht wäre es ein fatales Signal;

(Beifall bei der LINKEN - Zustimmung von Wolfgang Aldag, GRÜNE)

denn die Wahrnehmung wäre, der strenge Schutz, den der Wolf nach internationalem, europäischem und deutschem Recht genießt, wäre nicht mehr notwendig. Dem ist jedoch mitnichten so.

Die Schutzkategorie zum Aufbau eines langfristig lebensfähigen Bestandes ist zu erhalten. Dies gründet sich auf wissenschaftlichen Monitorings und Erkenntnissen. Ob und gegebenenfalls ab wann die Größe von Wolfspopulationen zu regeln wäre, muss ebenfalls absolut wissenschaftlich fundiert begründet sein.

Ausnahmeregelungen für Sonderfälle zur Entnahme bestehen. Frau Ministerin hat es hier noch einmal angeführt. Auch mein Vorredner hat das getan.

Mit der Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht würde jedoch aus unserer Sicht eine Hintertür eingerichtet, die im Bedarfsfall sehr schnell aufgemacht werden könnte. Zudem muss man sich klarmachen, dass die Aufnahme in das Jagdrecht eine Pflicht zur Hege sowie Haftungsfolgen für die Jägerinnen und Jäger nach sich zieht.

Mit einer Diskussion über Obergrenzen und über den Abschuss tritt zudem das ungleich wichtigere Thema - das hat Frau Ministerin hier auch herausgearbeitet - Herdenschutz in den Hintergrund. Das darf nicht sein.

Die LINKE steht daher zu dem Dreiklang aus beraten, schützen und entschädigen und lehnt den Antrag ab.

(Beifall bei der LINKEN)