Cornelia Lüddemann (GRÜNE):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Die Sprachentwicklung steht völlig zu Recht im Fokus frühkindlicher Bildung. Unser Kinderförderungsgesetz formuliert nicht von ungefähr, dass die Arbeit in den Einrichtungen - ich zitiere - „unter besonderer Beachtung der Sprachförderung“ stattfinden soll - so normiert in § 5 Abs. 3.

Wer Schwierigkeiten mit der Sprache hat, der oder die wird auch Schwierigkeiten bei dem Erlernen des Schreibens und Lesens haben. Wer diese Grundkompetenzen nur mangelhaft beherrscht, der wird natürlich in vielen Lebenszusammenhängen Nachteile und Schwierigkeiten erfahren, zuallererst selbstverständlich auf dem Arbeitsmarkt.

Gerade Sprache zeigt also, wie fundamental frühkindliche Bildung und die ersten Lebensjahre wirken. Entsprechend ist in unserem Bildungsprogramm „Bildung: elementar“ der Ansatz einer alltagsintegrierten Sprachförderung verankert, eine Förderung, die an den Kompetenzen und an dem Entwicklungsstand der Kinder ansetzt und ganz grundsätzlich von dem Impetus getragen ist, Stärken des Kindes zu stärken.

Dieser Ansatz ist überdies gekennzeichnet durch regelmäßige Dokumentation und Förderung. Sprachentwicklung ist damit integraler Bestandteil des Kitaalltags und so sollte es auch bleiben.

Eine auf Defiziterfassung abzielende punktuelle Sprachstandsfeststellung halte ich für wenig förderlich. Ich sehe dafür einfach keinen Handlungsbedarf. Oder anders gesagt: Ich verspreche mir davon keinen Mehrwert. Handlungsbedarf sehe ich allerdings bei den Sprach-Kitas im Land.

Die Bundesförderung für diese Einrichtungen bzw. für den entsprechenden Personalaufwuchs läuft absehbar aus, genau genommen schon im nächsten Jahr. Das ist ziemlich bedauerlich. Sie können davon ausgehen, dass wir uns gemeinsam mit dem Bund überlegen und mit ihm ins Gespräch darüber kommen wollen und müssen, wie wir weiter verfahren wollen; denn einfach wegbrechen sollte dieses Angebot nicht. Daher ist es absolut richtig, dass die vorliegende Beschlussempfehlung das Thema nicht abräumt, sondern einer weiteren Befassung im Ausschuss den Weg bahnt.

Dieser sehe ich wirklich mit Spannung entgegen. Ich hoffe sehr, dass die Frau Ministerin in Berlin vielleicht noch etwas erreichen kann. Ich hoffe auf Ihre Zustimmung zur Beschlussempfehlung. - Vielen Dank.

(Beifall bei den GRÜNEN)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Frau Lüddemann, Frau Hohmann hat sich zu Wort gemeldet.


Cornelia Lüddemann (GRÜNE):

Das dachte ich mir.


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Frau Hohmann, Sie haben das Wort.


Monika Hohmann (DIE LINKE):

Frau Lüddemann, nur eine ganz kurze Nachfrage. Kennen Sie die Ergebnisse der BiSS-Studie, die sich mit Sprachförderung und Sprachstandserhebung im Kitabereich beschäftigt hat? - Ein Ergebnis war zum Beispiel, dass selbst engagierte Erzieherinnen und Erzieher, die aber keine Aus- und Fortbildung zur Sprachförderung wahrgenommen haben, Schwierigkeiten damit hatten, bestimmte Dinge richtig einzuordnen, die bei den Kindern aufgetreten sind. Deshalb hat die BiSS-Studie gesagt, dass eine verstärkte Qualifizierung stattfinden muss.

Wenn Sie sich jetzt nur darauf berufen, dass es im Bildungsprogramm steht, dann wäre meine Frage, wie Sie die Erzieherinnen und Erzieher bei der Umsetzung des Bildungsprogramms „Bildung elementar“ genau in diesem Bereich unterstützen?


Cornelia Lüddemann (GRÜNE):

Indem ich für einen höheren Personalschlüssel streite.

(Zustimmung von Sebastian Striegel, GRÜNE)

Das, was hier in Rede steht, ist eine Grundsätzlichkeit. Es geht darum, ob wir die Sprachstandsfeststellung punktuell oder dauerhaft vornehmen. Ich bin sehr klar für die dauerhafte Begleitung.

(Zustimmung von Sebastian Striegel, GRÜNE)

Wir sind noch nicht an allen Stellen dort, wohin wir GRÜNEN wollen. Das gebe ich offen zu. Das habe ich auch in jeder Debatte gesagt. Wir müssen auch mehr für die Qualität tun, und das steht und fällt mit dem Personalschlüssel. Genau das ist es, wofür wir weiter streiten.

(Beifall bei den GRÜNEN)