Monika Hohmann (DIE LINKE):

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! „Sprache ist das Tor zur Welt.“ Dieser oft gehörte Ausspruch drückt aus, welchen Einfluss die sprachliche Entwicklung auf die Bildungslaufbahn unserer Kinder hat. Sprachliche Fähigkeiten sind von Anfang an Voraussetzung, um erfolgreich die Welt zu erobern.

In den letzten Bildungsberichten wurde festgestellt, dass ein Viertel der noch nicht schulpflichtigen Kinder beim Spracherwerb förderbedürftig ist. In Sachsen-Anhalt liegt diese Zahl noch etwas höher. Dies bestätigt noch einmal mehr die Notwendigkeit, dass sich bereits Kindertagesstätten weiterhin für die sprachliche Bildung aller Kinder einsetzen. Ebenfalls erweisen sich Sprachbildung und Sprachförderung als langfristige Bildungsaufgaben, die nicht nur individuell, sondern im Kollegium bzw. im Team organisiert werden müssen.

Daher ist es sinnvoll, die Fachkräfte hierfür zu qualifizieren und ihnen in Aus- und Fortbildungen zum Beispiel entsprechende Lernszenarien aufzuzeigen. Dies ist ein Ergebnis der BiSS-Studie, an der Sachsen-Anhalt im Kitabereich leider nicht teilnahm bzw. nicht teilnehmen konnte. Warum? - Das ist ganz einfach zu begründen: Kurz vor dieser Studie hat Sachsen-Anhalt ganz schnell entschieden, die damalige Sprachstandsfeststellung im Land abzuschaffen.

Die Staatssekretärin informierte uns in der vergangenen Sitzung des Sozialausschusses darüber, dass das Ergebnis der damaligen Sprachstandserhebung nicht zufriedenstellend war. Dafür gibt es aus meiner Sicht keine Belege; denn die vorgesehene Evaluation fand nicht mehr statt.

Sehr geehrte Damen und Herren! Die uns heute vorgelegte Beschlussempfehlung ist nicht die Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag - Herr Krull merkte es schon an. Aus unserer Sicht wurde wieder einmal eine Chance verpasst, Sachsen-Anhalt in Sachen Bildung nach vorn zu bringen. Um dennoch wenigstens für das Thema zu sensibilisieren, haben wir einen Änderungsantrag eingebracht. Hierin fordern wir unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Programms „Bildung durch Sprache und Schrift“ ein Konzept für die Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern in den nächsten Jahren.

Sehr geehrte Frau Ministerin, wenn Sie von 140 Sprach-Kitas sprechen und das Ganze evaluieren wollen - ich erinnere nur einmal daran, dass wir im Land ca. 1 750 Kitas haben  , dann ist das ein marginaler Teil der Kitas, die wir haben. Ich wünschte mir, dass Sie mehr Ehrgeiz an den Tag legen. - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der LINKEN)