Kerstin Eisenreich (DIE LINKE):

Vielen Dank. - Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mit Weidetierhaltung werden Kulturlandschaften gepflegt, Landschaftspflege, Grünlanderhalt betrieben, wird für Artenvielfalt und Klimaschutz gesorgt. Durch Deichpflege leisten Weidetierhalterinnen und  halter einen wertvollen Beitrag zum Hochwasserschutz. Dadurch bekämpfen sie auch invasive Arten, und letztendlich versorgen sie uns, die Verbraucherinnen und Verbraucher, mit hochwertigen Produkten. Ihr Beitrag zur regionalen landwirtschaftlichen Wertschöpfung kann also gar nicht genug Wertschätzung erfahren. Ihre Arbeit ist unverzichtbar für die Gesellschaft und das mit der Wertschätzung nehme ich auch hier im Raum so wahr.

(Beifall bei der LINKEN)

Doch diese Wertschätzung muss sich für die Halterinnen und Halter auch finanziell niederschlagen. Die Situation von Schäferinnen und Schäfern, aber auch von Ziegenhalterinnen und  haltern ist prekär, und sie spitzt sich weiter zu. Niedrige Einkommen bei schwerer Arbeit sowie eine geringe Vergütung und eine geringe Wahrnehmung der Leistung für die Gesellschaft führen dazu, dass immer mehr Weidetierhalterinnen und  halter ihren Betrieb aufgeben. Bundesweit waren das in der Zeit von 2007 bis 2016 fast 10 000 schafhaltende Betriebe.

Angesichts dieser Situation gibt es erst recht keinen Anreiz für junge Menschen, diesen Beruf zu erlernen. Eine ähnliche Situation durchleben die Halterinnen und Halter von Mutterkühen mit Weidehaltung. Hinzu kommen zusätzliche Herausforderungen für den Herdenschutz und die Folgen der beiden Dürrejahre.

Dies war Anlass für meine Fraktion, im letzten Jahr die Forderung nach einer konkreten, auf das Muttertier bezogenen Weidetierprämie des Landes in Höhe von 25 € zu stellen. Diesem Antrag, der weitere Punkte zur Unterstützung der Weidetierhaltung enthielt, stimmte der Landtag mehrheitlich zu, jedoch wurde dieser Beschluss in der Drs. 7/3326 bis von der Landesregierung heute nicht umgesetzt. Daher erneuern wir unsere Forderung und untermauern dies mit der konkreten Summe von 500 000 € pro Jahr, die in dem Doppelhaushalt 2020/2021 zu berücksichtigen ist.

Lassen Sie mich noch kurz einige Aspekte in dem Alternativantrag der Koalitionsfraktionen beleuchten. Sie wollen keine Landesmittel verwenden, obwohl diese Weidetierbetriebe maßgeblich Landesaufgaben erfüllen. Das finden wir stark. Dass eine De-minimis-Behilfe-Regelung nicht nachhaltig ist, mag sein. Sie aber nicht zu realisieren und auch sonst den Weidetierbetrieben keine finanzielle Unterstützung bzw. auskömmliche Bezahlung zu gewähren und stattdessen darauf zu warten, was die Bundesregierung und die nächste Förderperiode der GAP vielleicht an Verbesserungen bringen, wird bis dahin noch viel mehr Weidetierhalterinnen und  haltern den Garaus machen und sie zur Aufgabe zwingen.

Sie haben in dieser Hinsicht trotz des Beschlusses des Hohen Hauses vor einem Jahr nichts Konkretes getan. Wie lange wollen Sie eigentlich noch warten? Bis alle Weidetierbetriebe in diesem Land verschwunden sind? Können wir uns das leisten, nicht aber eine Weidetierprämie in dem Umfang, den wir vorschlagen? Das ist schon mehr als traurig. Ich bitte deshalb um Zustimmung zu unserem Antrag. - Danke schön.

(Beifall bei der LINKEN)