Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Der Antrag der Fraktion DIE LINKE stellt die Frage, wie die Digitalisierung an den Schulen praktisch umgesetzt werden kann.

Es ist wie bei vielen anderen Themen. Wenn man sich näher damit beschäftigt, stellt man fest, dass der Teufel wie so oft im Detail steckt, weil es hierbei nicht nur um einen Prozess geht, sondern es sind viele Prozesse mit unterschiedlicher Ausrichtung, mit unterschiedlichen Beteiligten und mit verschiedenen Zuständigkeiten, die alle aufeinander abgestimmt werden, damit am Ende die Konzepte auch erfolgreich umgesetzt werden können.

Der Bildungsminister hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die Schulen eigene Konzepte entwickeln und umsetzen sollen. Das heißt, es soll eine Entwicklung Bottom-up geben. Aber ich kenne viele Schulen, die beklagen, dass sie gern wollen würden, aber sie können nicht, weil bestimmte Entscheidungen fehlen. Dann kann es eben auch passieren, dass eine Schule wunderschöne Whiteboards hat, aber eben kein WLAN, um mit diesen Whiteboards praktisch arbeiten zu können.

(Zustimmung von Holger Hövelmann, SPD, und von Jürgen Barth, SPD)

Oder es gibt Schulen, die tolle Lernplattformen haben. Sie bekommen dann aber nicht die Genehmigung für die Software, die dazu notwendig ist, weil das Lisa diese Software nicht mehr erproben darf, weil dazu offensichtlich bestimmte Abstimmungen notwendig sind.

Das heißt, wir brauchen ein abgestimmtes Konzept. Wir brauchen ein Unterstützungssystem. Ich habe gehört, dass es mit Lindius jetzt quasi Ansätze eines Unterstützungssystems gibt.

(Minister Marco Tullner führt ein Gespräch auf der Regierungsbank)

- Herr Minister, ich wollte Sie jetzt einmal loben. Aber Sie hören mir nicht zu.

Mit Lindius hätten wir die Chance, genau die Dinge, die jetzt zusammengeführt werden müssen, tatsächlich zusammenzuführen; denn wir brauchen eine Anpassung der Rahmenlehrpläne, bevor neue Software angeschafft wird; denn man muss zunächst wissen, welche Grundlagen vermittelt werden müssen, um festzustellen, was man dafür braucht.

Wir brauchen Konzepte für die Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer und anderer pädagogischer Fachkräfte. Wir brauchen neue didaktische Konzepte für das Lernen in der digitalen Welt. Ich habe - ehrlich gesagt - mit Erschrecken im Rahmen des Fachgespräches gehört, dass unsere beiden Universitäten dazu noch nichts geliefert haben. Darüber müssen wir an anderer Stelle noch einmal diskutieren und dafür Lösungen suchen.

Zudem brauchen wir eine Beschreibung von Rahmenbedingungen, die besagt, welche außerschulischen Akteure hierbei einbezogen werden sollen und inwieweit die Schülerinnen und Schüler bei der Gestaltung dieser digitalen Lernwelten Mitsprachemöglichkeiten haben sollen.

Deshalb lautet mein Vorschlag: Wir werten das Fachgespräch, das am 7. Juni stattfand, aus. Bei diesem haben wir uns mit den Lehrerinnen und Lehrern unterhalten. Wir beschäftigen uns mit den positiven Aspekten und vielleicht auch mit den Erfahrungen der Schulen, an denen es noch nicht so gut geklappt hat. Dann unterstützen wir den Minister bei der Weiterentwicklung seiner Agentur Lindius. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei der SPD)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Einen Moment bitte, Frau Prof. Dr. Kolb-Janssen. Frau Hohmann hat sich zu Wort gemeldet. - Frau Hohmann, Sie haben das Wort.


Monika Hohmann (DIE LINKE):

Das war eine der Fragen, die ich dem Minister stellen wollte. Aber ich kann sie auch an die Koalition richten. Sie haben immer einen kleinen Wissensvorsprung.

(Heiterkeit bei der CDU - Lars-Jörn Zimmer, CDU: Der war gut!)

Der Minister sprach davon, dass jetzt im Lisa eine Beratungsstelle angesiedelt ist oder sein wird. Wissen Sie zufälligerweise, aus welchen Personen, aus welchen Professionen diese Beratungsstelle zusammengesetzt ist?


Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

An der Stelle muss ich leider passen. So weit reicht mein Wissensvorsprung nicht.

(Heiterkeit bei der SPD und bei der CDU)

Aber ich denke, wir können das in der nächsten Ausschusssitzung erfragen. - Danke.

(Angela Gorr, CDU: Genau, dann wissen wir es ja! - Unruhe bei der CDU)