Olaf Meister (GRÜNE):

Danke, Herr Präsident. - Sehr geehrte Damen und Herren! Der tiefere Sinn des Antrags - es soll die Berufsausbildung des Barbiers eingeführt werden - ist mir verborgen geblieben.

Es ist nun einmal so, dass derjenige, der einem anderen gewerblich Haare schneidet, Friseur ist mit all den üblichen gewerbe- und handwerksrechtlichen Folgen. Dabei ist es egal, ob sich die Haare schneidende Person nun Friseur oder Barbier nennt oder eine andere extravagante Bezeichnung bevorzugt. Auch der ursprüngliche Geburtsort, die Nationalität etc. sind für diese Frage unerheblich.

Wer nur untergeordnete, dem Handwerk aber zuzuordnende Tätigkeiten ausübt, etwa Föhnen oder Entfernung von Haaren aus den Ohren, der fällt nicht unter das Handwerksrecht. Der Vorschlag im Antrag, diese Tätigkeiten nun zu einem eigenen Beruf, den des Barbiers, zu erheben, erscheint mir eher skurril.

Mir ist klar, dass das Auftreten neuer Kolleginnen und Kollegen mit einer ausländischen Berufsausbildung zu Irritationen führen kann, dass eine einheitliche Rechtsanwendung gesucht werden muss und es auch zu Verstößen gegen Vorschriften kommt.

Was Herr Sturm ausgeführt hat, das sind Verstöße gegen Vorschriften; wir haben geltendes Recht und dagegen wird verstoßen. Herr Lieschke hat gesagt, die Barbiere übernehmen andere Aufgaben.

Wenn Sie das beschließen und einen eigenen Beruf einführen, in dem man keine Haare schneiden darf, sondern nur barbieren, was ändert sich eigentlich an Ihrem Problem? An dem Problem ändert sich dann gar nichts. Sie haben weiterhin diese Konkurrenz.

Diese Berufsausbildung ist völlig überflüssig. Eine zweijährige Berufsausbildung einzuführen, damit Leute einen Bart schneiden dürfen, das hat keinen Sinn.

Diesen Problemen kann man begegnen, aber dafür eine neue Berufsausbildung zu kreieren, erscheint mir völlig verfehlt. Der alte Beruf des Bartscherers ist nicht ohne Grund verschwunden. Er ist wirtschaftlich für sich allein, als extremer Schmalspurfriseur, nicht tragbar gewesen und deswegen verschwunden.

Jetzt müssen wir darüber überlegen, was wir mit dem Antrag machen. Es gibt auch einen Alternativantrag der Fraktion die LINKE, die ein bisschen auf die Frage der Attraktivität des Berufes eingeht und die Bezahlung anspricht. Insgesamt ist es vielleicht ganz interessant, sich dazu Berufsvertreter anzuhören. Insofern dürfte eine Überweisung Sinn machen. Eine Überweisung ist meines Erachtens schon beantragt worden. Das können wir tun.

Ich möchte abschließend darauf hinweisen, dass die neu auf den Markt gekommenen Angebote von vielen natürlich als Bereicherung empfunden werden und auch dazugehören. - Danke.

(Beifall bei den GRÜNEN)


Vizepräsident Wulf Gallert:

Herr Loth, Sie haben eine Frage dazu? - Dann können Sie diese auch stellen. Bitte.


Hannes Loth (AfD):

Herr Meister, ich hätte eine Frage, und zwar: Habe ich Sie richtig verstanden, dass es Ihnen sozusagen egal ist, wie er heißt, der Ihnen die Haare schneidet, ob es ein Friseur oder ein Barbier ist? War das die Aussage?


Olaf Meister (GRÜNE):

Das war eine meiner diversen Aussagen, ja.


Hannes Loth (AfD):

Gut. Dann hätte ich dazu noch eine Nachfrage.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Na ja, sind wir mal nicht so.


Hannes Loth (AfD):

Danke schön. - Dann ist es Ihnen sicherlich auch egal, ob Sie vom Zahnarzt behandelt werden oder vom Zahnbrecher.

(Zustimmung bei der AfD - Lachen bei den GRÜNEN)


Olaf Meister (GRÜNE):

Nein. Herr Loth, nehmen Sie das wahr, was man hier so sagt? Ich habe doch gesagt, es gibt den Beruf des Friseurs. Das ist ein eingeführter Beruf. Es wird klar gesagt, was er darf. Jetzt gibt es das Problem, dass Leute ohne diese Berufsbezeichnung tätig werden. Dabei geht es aber nicht um die Bezeichnung, sondern darum, dass sie bestimmte Dinge nicht dürfen, die ein Friseur darf.

Jetzt wollen Sie - das ist ja Ihr Vorschlag - einführen, dass sie einen eigenen Beruf bekommen. Dazu sage ich: Was ist denn der Sinn dieses neuen Berufs? Ihr Problem, dass diejenigen dann darüber hinaus tätig werden und eben doch Haare schneiden, wird doch damit nicht gelöst. Sie haben ein Kontrollproblem, das Sie anführen.

(Zustimmung von Sebastian Striegel, GRÜNE, und von André Schröder, CDU)

Dazu findet sich null in Ihrem Antrag. Insofern geht der Antrag völlig an dem Problem vorbei, was Sie hier schildern.

(Zustimmung bei den GRÜNEN)

Das war meine Aussage. Es hat mit Zahnbrechern nichts zu tun.