Wolfgang Aldag (GRÜNE):

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Meine Damen und Herren! Wir haben es gerade aus allen Fraktionen gehört: Die Wertschätzung des ehrenamtlichen Engagements des Landesanglerverbandes und seiner Mitglieder ist Konsens hier im Hause. Das kam schon bei allen meinen Vorrednerinnen und Vorrednern heraus. Aber auch ich will es nicht versäumen, den Anglerinnen und Anglern im Lande für die wertvolle Arbeit zu danken, die sie leisten.

Erst im Sommer habe ich den Anglerverein bei uns in Halle an den Posthornteichen in Halle besucht und konnte mich persönlich insbesondere im Bereich Umweltschutz und der Umweltbildung gerade für die Kinder und Jugendlichen davon überzeugen, dass da wirklich eine hervorragende Arbeit geleistet wird.

Ich möchte aber doch noch ganz kurz einwenden, dass ich es schade finde - die aktuelle Meldung habe ich gerade bekommen  , dass der Landesanglerverband seine Jugendabteilung aufgelöst hat, weil diese anscheinend zu eigenständig geworden ist. Darüber müssen wir meines Erachtens noch einmal reden; denn das halte ich für keine gute Entwicklung.

(Zustimmung von Sebastian Striegel, GRÜNE)

Wir haben ja gesagt, wir werden auch den Landesanglerverband in den Ausschuss einladen. Bei der Gelegenheit sollten wir dann auch darüber noch einmal reden.

Meine Damen und Herren, das zentrale Anliegen der Anglerinnen und Angler sind saubere Flüsse und Seen. Ist dies gewährleistet, dann geht es den Fischen gut und die Bestände können sich gut entwickeln.

Klar, die finanzielle Unterstützung ist immer etwas Feines. Aber mal ganz ehrlich: Das ist doch nicht die Herausforderung, vor der wir stehen. Vielmehr gilt es doch, die Ursachen zu reduzieren bzw. zu eliminieren, die unsere Gewässer belasten. Da stehen wir vor vielen bekannten, aber auch vor neuen Herausforderungen. Die zahlreichen Petitionen im Petitionsausschuss zeigen uns dies sehr deutlich.

Die anhaltende Trockenheit schadet den Flüssen und Seen, und dies wird sich vermutlich weiter verschärfen. Einige Bäche und Flüsse, wie die Schrote, die Ehle, die Holtemme und die Selke, sind in diesem Jahr in einigen Bereichen trockengefallen. Teiche und Tümpel haben kein Wasser mehr, zahlreiche Fische sind qualvoll verendet. Hier braucht es Hilfe für die Anglerinnen und Angler, um einerseits nach Möglichkeiten zu suchen, Wasser in die Gewässer zu leiten, und sie andererseits bei der Beseitigung der toten Fische zu unterstützen. Schadstoffeinträge müssen wir deutlich reduzieren, ganz egal, ob sie durch Industrieanlagen, Landwirtschaft oder Siedlungsabfälle entstehen.

Deshalb - damit komme ich schon zum Schluss - lässt sich zusammenfassend sagen: Konsequenter Klima- und Umweltschutz ist Gewässerschutz. Beides unterstützt die Anglerinnen und Angler. Hier müssen wir ansetzen und endlich konsequent handeln. Wer Kreislaufwirtschaft, ökologische Landwirtschaft und Müllvermeidung stärkt, der hilft den Anglerinnen und Anglern. Wer das Anliegen der Anglerinnen und Angler ernst nimmt, der stärkt im Doppelhaushalt diese Ansätze, anstatt den neuen Initialbesatz zu fördern, der nichts bringt; denn wenn in den Teichen und Flüssen und in den Seen das Wasser fehlt und die Lebensbedingungen nicht gewährleistet sind, dann bringt es auch nichts, dort neue Fische einzubringen.

(Zustimmung von Sebastian Striegel, GRÜNE)

Wie gesagt, die Koalition hat sich darauf geeinigt, beide Anträge in den Ausschuss zu überweisen. Wir haben uns auch darauf verständigt, den Landesanglerverband einzuladen, um mit ihm ins Gespräch zu kommen und gemeinsam zu klären, welche Maßnahmen tatsächlich sinnvoll sind. Das ist meines Erachtens ein sehr guter Ansatz. - Vielen Dank.

(Beifall bei den GRÜNEN)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Vielen Dank, Herr Aldag. Ich habe eine Wortmeldung. Sind Sie bereit? - Ich sehe schon, Sie bleiben stehen. - Herr Gallert, Sie haben jetzt die Möglichkeit, sich zu äußern.


Wulf Gallert (DIE LINKE):

Herr Aldag, natürlich wissen wir, dass wir das Problem der Gewässersituation nicht dadurch lösen können, dass wir sagen, wir haben hier 300 000 oder 400 000 € und machen einen neuen Fischbesatz. Nur, was mich stört, ist, dass wir den Leuten, die diesen Antrag an uns richten - das haben wir uns ja nicht ausgedacht; das hat der Landesanglerverband mit seinen Ortsgliederungen organisiert -, nicht zutrauen, selber einzuschätzen: „Hier macht es gar keinen Sinn mehr, hier müssen wir in Zukunft darauf verzichten, weil einfach das Risiko zu groß ist.“ An solchen Stellen, an denen wir nach dem Motto verfahren, es nützt hier sowieso nichts, unter diesen Bedingungen Fischbesatz zu realisieren, also an den Stellen, an denen die Anglerverbände vor Ort auf ein solches Problem stoßen, werden sie auch kein Geld von uns verlangen, um so etwas dort zu realisieren.

Dann noch eine andere Geschichte, Herr Aldag: Wir wissen - da stehen wir auf derselben Seite der Barrikade  , wie kompliziert das Problem Klimawandel ist und wir wissen, wie kompliziert die ökologischen Aspekte in dieser Gesellschaft in dieser angespannten Debatte sind. Manchmal geht es auch darum, Verbündete zu suchen und manchmal geht es auch darum, diesen Verbündeten klarzumachen: Wir stehen an eurer Seite. Das ist Sinn der Sache. - Danke.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Aldag, Sie dürfen noch einmal.


Wolfgang Aldag (GRÜNE):

Vielen Dank, Herr Gallert, für Ihre Nachfrage. Ich habe, glaube ich, in keinem Satz erwähnt, dass wir nicht hinter dem stehen, was Sie hier fordern. Das ist doch gar keine Frage.

Die Angler sind jetzt an Sie herangetreten. Frau Lüddemann war dieses Jahr beim Landesanglertag, ich war bei vielen anderen Gelegenheiten in dieser Sache unterwegs. Die Forderung, die Sie heute mit diesem Antrag stellen, ist an uns so nicht herangetragen worden. Deswegen haben wir gesagt: Wir überweisen diesen Antrag in den Ausschuss, damit wir noch einmal gemeinsam mit den Anglerinnen und Anglern ins Gespräch kommen können, um dann wirklich zu schauen, welches die großen Herausforderungen sind und wo wir tatsächlich ansetzen müssen, um dann gezielt zu unterstützen. Das ist das Anliegen, das wir haben.