Tagesordnungspunkt 28

Beratung

Schaffung der rechtlichen Grundlagen für den Einsatz von organisierten ehrenamtlichen Ersthelfergruppen (First Responder)

Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/4749

Alternativantrag Fraktion DIE LINKE - Drs. 7/4820

Alternativantrag Fraktionen CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drs. 7/4821



Den Antrag der Fraktion der AfD wird der Abg. Herr Siegmund einbringen. Herr Siegmund hat sich bereits nach vorn begeben und er hat jetzt das Wort. Bitte.


Ulrich Siegmund (AfD):

Danke. - Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ein Dorf im ländlichen Sachsen-Anhalt: Peter Müller stürzt und bewegt sich nicht mehr. Ein Kammerflimmern versetzte ihn ein eine sofortige Bewusstlosigkeit. Nach nur drei Minuten sinkt seine Überlebenswahrscheinlichkeit mit jeder Minute um etwa 10 %. Sein Gehirn wird nicht mehr mit Sauerstoff versorgt - einzelne Bereiche sterben ab. Seine Frau wählt in Panik den Notruf, weiß aber ansonsten nicht, was Sie tun soll. Nach etwa zwei Minuten geht der Notruf bei der Leitstelle ein. Nach etwa 17 Minuten trifft der Rettungsdienst ein. Die Hilfsfrist konnte aufgrund der großen Entfernung und einer Überlastung des Rettungsdienstes nicht eingehalten werden.

Für Peter Müller war diese Zeitspanne bereits zu lang. Sein Körper hat die lange Zeit ohne Sauerstoff nicht überlebt - er stirbt. Drei Straßen weiter befand sich zur selben Zeit ein Ersthelfer der DLRG ausgerüstet mit einem Defibrillator, einem Notfallkoffer und dem wertvollsten überhaupt, dem wertvollsten, was man in diesem Moment haben kann, nämlich dem medizinische Fachwissen.

Der Notruf von Frau Müller ging jedoch ausschließlich an den Rettungsdienst, sodass der Ersthelfer nicht von diesem schrecklichen Vorfall erfahren konnte. Der Hilferuf von Peter Müller blieb für den Ersthelfer ungehört.

Liebe Kollegen! Solche Fälle sind keine Horrorszenarien. Sie sind die Realität; nicht irgendwo auf der Welt, sondern hier bei uns in Sachsen-Anhalt. Jeder fünfte Rettungsdienst bei uns konnte die Hilfsfrist nicht einhalten und war zu spät am Unfallort. Die Ursachen sind gerade in den ländlichen Regionen vielfältig und nur schwer zu beheben. Doch auch wenn der Rettungsdienst die Hilfsfrist einhält, dann heißt das nicht, dass ausreichend Zeit war. Denn bereits nach wenigen Minuten können bei Kammerflimmern, Herzstillständen und ähnlichen Ereignissen Hirnschäden auftreten, die man nie wieder beheben kann. Der Patient, der Vater, die Mutter, der Mensch bleibt auf Lebenszeit ein schwerer Pflegefall.

Wir debattieren in diesem Haus seit Jahren darüber, wie wir die Hilfsfrist besser einhalten und wie wir die medizinische Versorgung, vor allem im ländlichen Raum, sicherstellen können. Das ist gut. Das ist wichtig.

Dabei liegt eine flankierende Hilfe in greifbarer Nähe. Sie besteht bereits. Wir müssen diese Möglichkeit zur Hilfe nur ergreifen. Es ist eine Unterstützung, auf die andere Bundesländer seit Jahren und Jahrzehnten erfolgreich vertrauen: organisierte Ersthelfer, Voraushelfer oder auch First Responder.

Organisierte Ersthelfer sind ehrenamtlich tätige Bürger mit einer entsprechenden Sanitätsausbildung, die sich in Vereinen wie der DLRG, dem DRK oder auch der freiwilligen Feuerwehr oder vielen weiteren wertvollen Hilfsorganisationen zusammengeschlossen haben. Sie besitzen die Ausbildung für Erste Hilfe, sind über ihren Träger versichert und durch die wohnortbedingte Nähe oftmals innerhalb weniger Minuten am Unfallort.

In vielen Bundesländern wie Thüringen, Bayern oder Hessen sind organisierte Ersthelfer ein fester und ergänzender - und das betone ich: ergänzender - Bestandteil der Versorgungsstruktur. Wohlgemerkt: Das erfolgt immer flankierend und ohne einen Einfluss auf die Hilfsfrist.

Genau das fordern wir als AfD-Fraktion auch für Sachsen-Anhalt. Wenn der Notruf eintrifft, dann wird dieser parallel an den Rettungsdienst und an die Erste-Hilfe-Organisation vor Ort gesendet. Diese wird über einen Pieper oder ein Handy informiert und die Kollegen entscheiden dann persönlich, wer in welcher Zeit parallel zum Rettungsdienst zum Unfallort eilen kann. Somit bestehen die Wahrscheinlichkeit und vor allem die Chance, dass im selben Ort und innerhalb weniger Minuten oder teilweise sogar Sekunden gehandelt werden kann.

Uns ist vor allem ein Fall aus der Altmark bekannt. Ein Mitarbeiter eines Baumarktes in Salzwedel verstarb, nachdem der Rettungswagen erst nach 35 Minuten am Unfallort eintraf. Das war natürlich zu spät.

In diesem Zusammenhang wollten junge Mitglieder der DLRG aus der Altmark ihre Fähigkeiten einbringen. Sie gingen mit der einfachen Bitte auf den Altmarkreis Salzwedel zu, bei zukünftigen Notfällen informiert zu werden; nicht mehr und nicht weniger. Die Einsatzausrüstung stellt der Nachwuchs der DLRG übrigens selbst, also die Transportmittel, einen professionellen Notfallkoffer und einen eigenen Defibrillator. Die Versicherungsfragen sind über die DLRG umfassend geregelt.

Leider sind die jungen Helfer aus der Altmark bis heute nicht an die Leitstelle angebunden worden. Der Altmarkkreis Salzwedel winkte ab. Es sei in Sachsen-Anhalt keine Rechtsgrundlage dafür gegeben.

Liebe Kollegen, genau diesen Umstand möchte ich hier und heute gemeinsam mit Ihnen ändern. Ich möchte, dass wir Helfern die Möglichkeiten und vor allem die Chance geben, Leben zu retten. Ich möchte, dass nach jeder Hand in unserem Bundesland gegriffen wird, die mit anpacken möchte.

Liebe Kollegen, lassen Sie es uns Ersthelfern ermöglichen, ihre wertvolle Arbeit zum Wohle der Patienten einzubringen, verbunden vor allem mit einem großen, großen Dank für diese wichtige und ehrenamtliche Aufgabe. - Danke schön.

(Beifall bei der AfD)