Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ja, wir sind im Moment, was die Unterrichtsversorgung an den Schulen betrifft, in einer schwierigen Situation, und ja, das ist eine Folge des Sparkurses, und ja, es sind in den letzten Jahren einige Maßnahmen eingeleitet worden, um dem entgegenzusteuern. Aber es muss doch gerechtfertigt sein, an dieser Stelle auch einmal zu fragen, ob diese Maßnahmen erfolgreich waren und ob diese Maßnahmen ausreichend sind, damit das Ziel, eine Unterrichtsversorgung von 103 % - das haben wir uns gemeinsam im Koalitionsvertrag versprochen - zu erreichen, auch nur annähernd umgesetzt werden kann.

Wenn man sich die tatsächlichen Zahlen anschaut, stellt man fest, dass die Unterrichtsversorgung von Jahr zu Jahr schlechter wird. Und das macht mir, ehrlich gesagt, riesige Sorgen, was die Zukunft unseres Landes betrifft; denn es geht hier um die Bildung unserer Kinder.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Ja, im Hinblick auf die Einstellungen wurde einiges getan. Aber es sind Dinge, die wir hier im Landtag beschlossen haben, nach wie vor nicht umgesetzt worden. Wir haben als Plenum beschlossen, dass die Referendare, die hier im Land ausgebildet werden, eine Einstellungszusage schon während ihres Referendariats bekommen. Warum? - Als klares Signal, dass Sie hier gebraucht werden, dass wir ihnen eine Chance an den Schulen geben wollen.

Wenn man sich die Zahlen anschaut, stellt man fest, dass nicht einmal die Hälfte der ausgebildeten Referendarinnen und Referendare an unseren Schulen tatsächlich eine Stelle bekommt. Ich finde, hier müssen wir wirklich um jeden kämpfen, weil viele von denjenigen, die in andere Bundesländer gehen, weil sie dort auch händeringend gesucht werden, lieber hier in Sachsen-Anhalt im Schuldienst angefangen hätten.

Das ist ein Angebot an den Minister. Meine Fraktion hat Vorschläge für die Professionalisierung des Einstellungsmanagements für Lehrkräfte gemacht. Lassen Sie uns gemeinsam neue Wege gehen. Lassen Sie uns gemeinsam genau die Stellschrauben suchen, damit es uns gelingt, noch mehr Lehrerinnen und Lehrer einzustellen. Bewerberinnen und Bewerber gibt es noch, und es muss um jeden einzelnen Bewerber gekämpft werden.

(Zustimmung bei der SPD)

Sie haben selbst das Thema Seiten- und Quereinsteiger angesprochen. Ja, auch hier schauen wir in andere Bundesländer und stellen fest, Sachsen-Anhalt hat im Vergleich zu den anderen Bundesländern die geringste Zahl von Seiten- und Quereinsteigern. Auch da müssen wir schauen, woran das liegt. Wir brauchen - auch das zeigen die praktischen Erfahrungen in den Schulen - ein Unterstützungssystem für die Kolleginnen und Kollegen, die als Seiteneinsteiger an die Schulen kommen, aber auch für die Kollegen vor Ort, die die Kollegen an die Hand nehmen und auf diesem Weg in die Schule begleiten müssen.

(Beifall bei der LINKEN und bei den GRÜNEN)

Wie gesagt, meine Fraktion hat ein Konzept mit neuen Vorschlägen entwickelt. Wir würden gemeinsam mit Ihnen daran arbeiten, dass wir das verbessern können, damit vielleicht die Aussichten, die im Moment schwierig sind, für das neue Schuljahr etwas besser werden.

Lassen Sie mich abschließend noch einen Satz zum Thema Arbeitszeitkonten sagen. Meine Fraktion hat dazu eine ganz klare Haltung: Hände weg von der Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer!

(Beifall bei der SPD)

Dazu hätte ich mir heute auch eine ganz klare Aussage des Ministers gewünscht. Das ist eine Maßnahme, die zu dem gegenteiligen Effekt führt, den wir uns vorstellen. Es wird nicht dazu führen, dass an den Schulen mehr unterrichtet wird, sondern wir werden mehr Kolleginnen und Kollegen aus dem System verlieren. Deshalb lassen Sie uns über Maßnahmen nachdenken, die tatsächlich funktionieren. - Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)