Rainer Robra (Staatsminister und Minister für Kultur):

Schönen Dank, Frau Präsidentin. - Meine Damen und Herren! Ich war natürlich auch versucht, auf Plattdeutsch zu beginnen. Aber mit Rücksicht auf die fortgeschrittene Zeit will ich mir und Ihnen das auch ersparen.

(Zustimmung - Zuruf von Sebastian Striegel, GRÜNE - Oh! bei der CDU und bei der SPD)

Die niederdeutsche Sprache steht unter Artenschutz; das ist klar, wie die Rotbuche###(?) auch. Ich will die Gelegenheit nutzen, daran zu erinnern: Die erste Debatte zum Wert des Niederdeutschen im Landtag von Sachsen-Anhalt war in der 24. Sitzung am 19. November 1991 mit einem wunderbaren Beschluss, den man sich eigentlich hinter den Spiegel stecken muss. Vieles davon ist umgesetzt,

(Zuruf)

manches aber dann doch nicht so, wie es damals gedacht worden war. Ich muss denen danken - zum Teil hat es Herr Meister schon getan  , die sich heute schon sehr einbringen, der Landesheimatbund an allererster Stelle, die Otto-von-Guericke-Universität, die Schulen, die die Vorlesewettbewerbe organisieren - ich bin da auch gerne Schirmherr  , die Kindergärten, in denen „Platt för Kinner“ praktiziert wird, ganz viele, die sich bemühen, die niederdeutsche Sprache zu pflegen. Das wird natürlich von Generation zu Generation, wenn wir ehrlich sind, immer schwerer. Es gibt mittlerweile auch im Internet Angebote für die niederdeutsche Sprache.

Wichtig für uns alle ist, dass wir uns in der gemeinsamen Kabinettssitzung mit Brandenburg verpflichtet haben, diesen Kulturraum, der eigentlich ein einheitlicher ist, gerade für die Pflege der niederdeutschen Sprache als Einheit zu betrachten. Es hat die ersten gemeinsamen Sitzungen zwischen den Ressorts in Brandenburg und Sachsen-Anhalt gegeben.

Ansonsten will ich gerne zusagen, dass all das, was mit dem Entschließungsantrag gefordert wird, auch der Landesregierung wichtig ist und umgesetzt werden wird. - Danke schön.

(Beifall bei der CDU, bei der SPD und bei den GRÜNEN)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Vielen Dank, Herr Minister. Es gibt eine Wortmeldung von Herrn Diedrichs. Er wird jetzt auf Platt schnaggen, wie ich ihn kenne. - Bitte, Herr Diedrichs.


Jens Diedrichs (CDU):

Jo. Danke. Als alter Fischkopp is mir ja nun Plattdüütsch bestens inne Wiege gelegt worn. Deswegn häw ick nur eene Frage an Sie. Können Sie mir ungefär säggen, weviel Lüüt hier in Sachsen-Anhalt Platt schnaggen? [Plattdeutsch]##### Bitte genaue Schreibweise geben lassen.


Rainer Robra (Staatsminister):

Das kann ich Ihnen bedauerlicherweise nicht sagen. Was ich Ihnen sagen kann: Ich bin auf dem Dorfe aufgewachsen. Da war unter den Einheimischen - es war in den 50er-Jahren - Plattdeutsch noch Umgangssprache. Das ist dann durch Leute wie meine Eltern, die als Flüchtlinge dazugekommen sind, leider verwässert worden. Es gibt heute erstaunlich viele. Es gibt das plattdeutsche Theater in der Altmark. Es gibt andere Menschen, die Plattdeutsch wirklich systematisch pflegen; es gibt plattdeutsche Gesprächskreise an vielen Orten. Aber wenn Sie mich jetzt auf 1 000 oder 100 000 festnageln wollen, dann kann ich Ihnen das ohne Hilfe des Statistischen Landesamtes leider nicht sagen.