Hannes Loth (AfD):

Der Wald ist das Ökosystem, mit dem sich die Bevölkerung unseres Landes am stärksten identifiziert und dessen Zustand daher von höchstem öffentlichen Interesse ist. Leider ist der Zustand des Waldes in unserem Land mehr als kritisch. Folglich ist er in den Fachausschüssen und hier im Plenum ein Dauerthema.

Leider geht es nicht primär um die Folgen von außergewöhnlichen Naturereignissen in Form von Stürmen, die eine auf Fichte und Kiefer ausgerichtete, den klimatischen Bedingungen nicht mehr gewachsenen Baumkultur treffen, was in einer Verkettung wiederum die Grundlage für die geradezu explosive Vermehrung einiger Forstschädlinge darstellt, die letztlich zum großflächigen Tod der Bäume führen.

Bereits dieser Prozess alleine würde ausreichen, um Forst- und Waldbesitzer vollumfänglich zu beschäftigen. Aber es kommen noch weitere lösbare oder sogar unnötige Probleme hinzu. Das sind zum Beispiel die geplanten Umstrukturierungen im Landesforstbetrieb und die Sparpolitik im Ministerium in diesem Bereich, die Trockenheit in Verbindung mit Waldbränden, die invasiven Arten, die Baumkrankheiten sowie die verschiedenen Interessen, wie mit dem Wald umzugehen ist. Damit sind wir beim Parteiengezänk angelangt. Auf der einen Seite steht die Partei, die den Wald zum Urwald umbauen, am liebsten nicht mehr bewirtschaften möchte und nur freiwillig umgefallene Bäume mit dem Pferd herausholen möchte. Auf der anderen Seite haben wir die Waldbesitzer in der CDU, die diesen Wald gern industriell bewirtschaften wollen.

(Siegfried Borgwardt, CDU: Nur in der CDU gibt es die!)

Die SPD dagegen fordert einen klimaresistenten Wald. Dann müssen wir eben einen Konsens finden. Die AfD hat zum Beispiel von Anfang an gefordert, die Forstbetriebsgemeinschaften ausreichend und damit mehr zu fördern, die privaten Waldbesitzer entsprechend der Schadenslage zu unterstützen und die Beratungskosten auch weiter zu erstatten. Die Regierung hat aber bisher leider keinen Weg gefunden, eine wirklich durchgreifende Regelung zu finden, um auch nur eines dieser lösbaren Probleme zu lösen.

Die Lagerung von Hundertausenden Festmetern staatlichem Holz kostet Zehntausende von Euro. Das Holz steigt nicht im Wert und die Kosten für Forstarbeiten sind von den Privaten mittlerweile nicht mehr zu schultern. Es liegt so viel Holz auf Halde, dass dieses nicht mehr kostendeckend verkauft werden kann. So bleibt das Holz eben liegen, um weiteren Generationen des Borkenkäfers ideale Lebensbedingungen zu schaffen. Vor ein paar Monaten sahen wir ein Video, in dem ein Waldbesitzer minutenlang an Holzstapeln vorbeigefahren ist. Es war Windbruch, den er nicht verkaufen konnte, weil der Markt gesättigt ist. Vor wenigen Wochen sahen wir in einem Video, wie Raupen des Eichenprozessionsspinners über Eichen herfallen. Und vor wenigen Tagen sahen wir in einem Video, wie der Wald von Borkenkäfern zerstört wird.

Auch ich wandere ab und zu durch den Harz. Das letzte Mal, Ende 2018, war ich sogar auf dem Brocken.

(Guido Heuer, CDU: Mit der Brockenbahn!)

Beim Abstieg nutzen wir den abenteuerlichen Weg über Stämme und Steine hinab. Idyllisch ging es voran, doch plötzlich sah man keine Nadeln mehr an den Bäumen. Es war erschreckend, was dort stellenweise an Holz herumlag, nachdem der Sturm vorübergezogen war.

Es muss etwas getan werden. Es muss mit dem parteipolitischen Gezänk aufgehört werden, mit der Diskussion, welche Ausrichtung richtig für unseren Wald ist. Dazu muss endlich ein Konsens gefunden werden. Es muss auch auf die privaten Waldbesitzer gehört werden. Denn diese wissen vor Ort oft besser Bescheid, welche Hilfen tatsächlich benötigt werden, als die Großwaldbesitzer vor mir.

(Siegfried Borgwardt, CDU, lacht)

Die von der CDU gestellte Frage, ob der deutsche Wald systemrelevant ist, ist schnell beantwortet: Ja. Denn - bitte verzeihen Sie mir die Plattitüden; wir haben es heute schon so oft gehört - er ist ein Ort der Erholung, ein Sauerstofflieferant, ein CO2-Speicher, ein Rohstofflieferant sowie ein unverzichtbarer Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen. Er ist aber auch Heimat, Geschichte und Kultur.

Den Wald zu schützen und nachhaltig zu bewirtschaften muss ein Anliegen aller hier im Saal sein. Daher kann man den Akteuren im Wald nur dankbar sein, dass diese trotz der oft widrigen Umstände diese Generationenaufgabe für sich und uns alle wahrnehmen und täglich ihre Arbeit tun. - Danke schön.

(Beifall bei der AfD)