Hendrik Lange (DIE LINKE):

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Regelmäßig vor den Wahlen wird der Wolf als Thema durchs Parlament getrieben. Um es noch einmal zu sagen: Ja, es gibt Probleme, insbesondere bei den Weidetierhalterrinnen, und diese müssen ohne viel Bürokratie entschädigt werden, wenn es zu Rissen kommt.

Wie gewohnt kommt der Antrag so harmlos und tierlieb daher, aber er ist trügerisch. Den Wolf von seinen Leiden schnell erlösen, wenn er angefahren wird, Problemwölfe schnell abschließen - das klingt alles gefällig. Aber es ist eigentlich nur Tarnung, Tarnung für das, was Sie im letzten Absatz der Begründung geschrieben haben, Tarnung dafür, den Wolfsgegnern vorzuspielen, eine Lösung für ihr Problem gefunden zu haben. Ich fürchte, wenn der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird, sendet dies ein Signal aus, dass der strenge Schutz ja doch nicht so nötig sei.

(Beifall bei der LINKEN und bei den GRÜNEN - Zuruf von der AfD)

Wer von Obergrenzen und Abschuss träumt, redet nicht mehr über das für die Weidetierhalterinnen viel wichtigere Thema des Herdenschutzes. Der ist nach wie vor schlecht aufgestellt. Es geht doch um Prävention an dieser Stelle. Die alleinige Finanzierung der Anschaffungskosten von Schutzhunden und Schutzzäunen hilft nur einmalig. Die Folgekosten der Hundehaltung und Zaununterhaltung sind doch die Kostentreiber schlechthin.

(Zurufe von der AfD)

- Gute Laune da drüben. - Außerdem werden nur wenige Alternativen diskutiert, zum Beispiel die Errichtung von Pferchen, Gattern und Ähnliches, und ob es sinnvoll ist, vielleicht in diese Richtung zu denken. Dabei ist es auch egal, wie viele Wölfe im Land unterwegs sind - das Grundproblem bleibt. Die Aufnahme ins Jagdrecht hat übrigens Haftungsfolgen für die zuständigen Jäger; das ist schon gesagt worden. Wenn es trotzdem zu Rissen kommt, was passiert dann? - Die Hegepflicht der Jäger ist bereits angesprochen worden.

Modelle wie in Schweden funktionieren gerade nicht, führen zur genetischen Ausdünnung und widersprechen den EU-Artenschutzregelungen, weshalb Schweden übrigens mehrere Vertragsverletzungsverfahren am Hals hat. Ob der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden kann, hängt für mich einzig und allein von der Schutzkategorie ab. Über die Schutzkategorien sollten wir nicht nach Gefühl entscheiden, sondern auf der Basis eines profunden wissenschaftlichen Monitorings.

(Beifall bei der LINKEN - Zustimmung bei den GRÜNEN)

Dabei ist ausschlaggebend, ob der gute Erhaltungszustand der Art erreicht ist. DIE LINKE steht zu dem Dreiklang Beraten, Schützen, Entschädigen und lehnt den Antrag ab.

(Beifall bei der LINKEN)