Detlef Gürth (CDU):

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der Wolf ist offensichtlich immer noch geeignet, um ihn zu mystifizieren, zu glorifizieren, zu verharmlosen oder zu verteufeln.

(Zustimmung bei der CDU)

All das ist Unsinn. Insofern habe ich mir auch bei der Einbringung des Antrags der AfD-Fraktion ein Stück weit mehr Sachlichkeit und Informationen zur Begründung des Antrags und zur Sache selbst gewünscht anstatt eines politischen Rundumschlages.

(Zustimmung von Florian Philipp, CDU, und von Wolfgang Aldag, GRÜNE)

Was wir beim Thema Wolf brauchen, das ist ganz klar: kein Flickenteppich, sondern bundeseinheitlich gleiche Regeln für alle. Wir brauchen mehr Rechtssicherheit für alle Beteiligten.

(Zustimmung von Guido Heuer, CDU)

Insofern begrüßen wir die Einigung des Bundeskabinetts

(Zustimmung von Guido Heuer, CDU, und von Frank Scheurell, CDU)

zur Entnahme von sogenannten Problemwölfen, den Umstand, dass damit mehr Rechtssicherheit und mehr Handlungsmöglichkeiten geschaffen werden. Ich denke, wir werden nachziehen und dies entsprechend nutzen.

Wir möchten noch einmal anmahnen, den Wolf nicht zu verteufeln und nicht zu verharmlosen, sondern in der Debatte über die Wiederkehr des Wolfes ehrlich, offen und transparent, mit allen Fakten auf dem Tisch, miteinander umzugehen.

Was wir dringend brauchen, weil wir es bis heute nicht haben: Wir brauchen auch für den Wolf ein Wildtiermanagement, wie es für andere Arten gilt.

(Zustimmung von Guido Heuer, CDU - Zuruf von Lydia Funke, AfD)

Was hier manchmal „Wolfsmanagementplan“ oder „Wolfsmanagement“ genannt wird, das ist kein Management, weil es weder steuert noch regelt noch Ziele anstrebt, sondern es ist ein Zählen, ein Auflisten und anschließend ein Bezahlen für Prävention und Schadensausgleich.

(Zustimmung bei der CDU - Ulrich Thomas, CDU: Reine Statistik!)

Das ist kein fachlich ausreichendes Management. Es muss schnellstens bundeseinheitlich und nicht in jedem Bundesland anders erfolgen.

Was ganz überfällig ist, und das schon seit Langem, ist eine klare Aussage derer, die den Schutzstatus mit der Behauptung begründen, es sei noch nicht ein günstiger Erhaltungszustand erreicht worden. Wenn ich mit Vehemenz behaupte, ein bestimmter Zustand, der wünschenswert sei, sei noch nicht erreicht, dann muss ich auch sagen können, wann er erreicht ist.

Niemand von denen, die diesen Status quo, aus welchen Motiven auch immer, bewahren wollen, sagt den Leuten offen und ehrlich, wann dieser Zustand erreicht ist. Darauf haben wir Anspruch.

(Zustimmung bei der CDU - Ulrich Thomas, CDU: Richtig!)

Ganz zum Schluss: Ich glaube, auch die Aussage, das Beste, was man machen könne, sei ein besserer Herdenschutz, ist unzureichend, ich will nicht sagen: sogar schon Unsinn; denn wo soll das hinführen?

(Zustimmung bei der CDU)

Es gibt keinen sicheren Herdenschutz.

(Ministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert: Stimmt doch nicht!)

Einen sicheren Herdenschutz gibt es nur dort, wo man Wolfsgehege hat. In der Nähe von Bremen oder bei Güstrow kann man es sich anschauen. Dort sind sie sicher. Dort können sie in das Gehege nicht hinein und aus dem Gehege nicht heraus. Alles andere an Mythen, 90 cm, 120 cm und, und, und, das ist alles widerlegt.

(Ministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert: Das stimmt doch gar nicht!)

Das Verhältnis von Beutegreifer zu Beutetier - ist widerlegt. Sie gehen nicht auf Pferde - ist widerlegt. Sie gehen nicht auf Rinder - ist widerlegt. Sie überwinden so manche Schutzeinrichtung. Insofern ist es kein Schutz.

Ich will einmal auf eines hinweisen: Wir sind gegen die Zersiedelung unserer Landschaften. Wir möchten gern, dass Wild durchgängig wechseln kann, dass Fauna und Flora miteinander verbunden und möglichst frei und zugänglich sind, damit sich alle Tierarten frei bewegen können und dort, wo es nach dem Schutzstatus erlaubt ist, auch der Mensch.

Wir können doch nicht die Zäune mitten durch unsere Landschaft ziehen und immer höher machen

(Beifall bei der CDU - Ulrich Thomas, CDU: Richtig!)

und die ganze Landschaft in Stacheldraht einhüllen um eines Tieres wegen. Das ist unverantwortlich und das ist auch grober Unfug.

(Siegfried Borgwardt, CDU: Wie Trump in Mexiko!)

Wie weit wollen wir es denn noch treiben? Wie viel Geld wollen wir noch einstellen? Wollen wir jedes Jahr die Zahlen erhöhen? Für ein Tier? - Wir haben so viele Tiere,


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Gürth, ich bitte Sie, zum Ende Ihrer Rede zu kommen.


Detlef Gürth (CDU):

- ich komme zum Schluss -

(Zuruf von der AfD)

die aus naturschutzfachlichen Gründen Zuwendungen bräuchten. Und es ist nicht nur die Großtrappe. Überall sind die Mittel knapp, aber bei einem Tier scheint Geld keine Rolle zu spielen. Das werden wir auf Dauer niemandem erklären können.

(Zustimmung bei der CDU)

Und dann verlieren wir etwas ganz Wichtiges: die Akzeptanz für ein Tier, das auch hier seinen Platz hat, wenn man es ordentlich managt.

Wir lehnen den Antrag der AfD ab.

(Beifall bei der CDU)